Katastrophenschutz-Leuchttürme gibt es inzwischen überall im Landkreis. Die Einrichtung hat einige Jahre gedauert. Nun hat im Kat-Leuchtturm Königs Wusterhausen eine Übung stattgefunden – mit zahlreichen Statisten.
Von Birgit Mittwoch
„Hat noch jemand Flatterband?“ – „Tische für die Kinderecke fehlen noch“. – „Die Bodenschilder müssen wir versetzen, da sind die ersten 20 Leute drüber gelaufen, die lösen sich schon ab.“ – Die Aufregung und Anspannung vor der Katastrophenschutz-Übung in der Paul-Dinter-Halle in Königs Wusterhausen ist merkbar. Hier, im sogenannten Leuchtturm, sollen sich im Katastrophenfall Einwohnerinnen und Einwohner Hilfe holen können.
Die Feuerwehr ist mit viel Gerät und Leuten angerückt, das Deutsche Rote Kreuz ist da, Mitarbeiter vom Ordnungsamt und der Stadtverwaltung Königs Wusterhausen, die Notfallseelsorge. Ihre gelben, grünen, blauen Westen erleichtern die Zuordnung. Die Stadtverwaltung Königs Wusterhausen übt an diesem letzten Freitag im September den Katastrophenfall, simuliert einen Blackout im gesamten Stadtgebiet.
Und tatsächlich gibt es jetzt in der gesamten Paul-Dinter-Sporthalle keinen Strom mehr, so wie im Ernstfall. Ein Notstromaggregat der Feuerwehr ersetzt die Energieversorgung. Die Feuerwehrleute haben zwei Zelte am Eingang der Sporthalle aufgebaut oder genauer gesagt aufgeblasen. Hier sollen die Hilfesuchenden eingewiesen, beruhigt, sortiert werden. Jetzt muss sich zeigen, wie alle Beteiligten zusammenspielen. Klappt das mit der Übergabe von den Mitarbeitern der Rezeption/Information an die anderen Stationen – z.B. an die für Erste Hilfe, für Trinkwasser, Versorgung, Kinderbetreuung, Kommunikation? Können dort Betroffene einen Notfall melden, Handys laden, sich aufwärmen, Trinkwasser bekommen, mitgebrachte Speisen erwärmen, ihre Kinder für einige Zeit betreuen lassen, duschen, Verletzungen versorgen lassen?
Die Feuerwehr hat vor der Paul-Dinter-Halle ein Zelt aufgebaut, das als erste Anlaufstelle und "Sortierpunkt" dient.

Vom ersten Infopunkt müssen die Statisten zur passenden Einsatzstelle geleitet werden. Fotos: Birgit Mittwoch
Die ersten Statisten treffen ein –Schülerinnen und Schüler der Otto-Lilienthal-Gesamtschule aus Königs Wusterhausen. Sie alle kennen ihre simulierten Probleme, die im Notfall auftreten können. Daniel zum Beispiel hat Rauch in einem Haus bemerkt und Leute, die sich darin noch aufhalten. Ein Mädchen sucht einen Schlafplatz, eine andere hat Hunger und eine kalte Wohnung, die nächste sucht ihr Kind. Daniel kann schnell geholfen werden, die Feuerwehr ist zum rauchenden Haus bereits unterwegs. Die anderen werden zu den jeweiligen Stationen weitergeschickt. Inzwischen kollabiert eine junge Frau gleich hinter dem Info-Tresen, professionell wird sie von Sanitätern in die stabile Seitenlage gebracht, die Kopfwunde eines Mannes neben ihr ist bereits versorgt.
Es sind reale Situationen, die während dieser Katastrophenschutz-Übung durchgespielt werden, solche die zum Beispiel nach einem totalen Stromausfall, Überschwemmungen, hybriden Angriffen auf Netzwerke oder Drohnenattacken möglich sein können. Einer der älteren Statisten bringt diese Aufregung und Hektik, die im Notfall entstehen kann, sehr glaubhaft rüber. Realitätsnah schildert er: „In meinem Keller brennt es, da sind noch mehrere Personen im Haus, das Licht ist ausgefallen, plötzlich hat alles gebrannt. Mein Telefon habe ich nicht mehr gefunden, da bin ich schnell hierhergefahren.“
Zügig wird der Mann von der Information zur Station Kommunikation geleitet, dort nach Namen und Adresse gefragt, ein Feuerwehreinsatz im brennenden Keller wird ausgelöst. Als der Betroffene über Schwindel und Kopfschmerzen klagt, übernimmt die Erste Hilfe mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung. Dort wird auch eine 20-jährige Statistin betreut, die bei einem Unfall gestürzt ist. Ihre Schürfwunden und der Schlüsselbeinbruch sind täuschend echt geschminkt. Sie wartet auf einen Krankenwagen.

Notfallversorgung im Kat-Leuchtturm.
Fotos: Birgit Mittwoch
Täuschend echt waren die Verletzungen der Statisten geschminkt.

Ein Statist überbringt eine Feuermeldung.
Die große Sporthalle ist in große Bereiche für Kinderbetreuung, Versorgung und Verwaltung/Technik aufgeteilt – mit Spielecke, Malutensilien, Mikrowellen zum Aufwärmen von Speisen, Trinkwassertanks, großen Kaffee- und Teekannen. Mit dabei sind auch Beobachter aus anderen Landkreisen und Verwaltungen, die nach der Ernstfall-Übung ihre Eindrücke an das Übungs-Team weitergeben sollen: Was ist gut gelaufen, was eher nicht?
Es ist bereits die vierte Katastrophenschutz-Übung in Königs Wusterhausen, berichtet die Chefin des Ordnungsamtes Cora Wehlmann. Neu seien jedoch die Statisten, insgesamt ca. 50, die ein Stück mehr Realität in die Blackout-Simulation hineinbringen. Sie zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf der Übung, alles sei gut vorbereitet gewesen, das Zusammenspiel aller Beteiligten war gut. Auch mit überraschenden Situationen sei man gut umgegangen, z.B. als ein Statist nur arabisch verstand. Per Handy-App und Englisch als Drittsprache sei das Problem gelöst worden. Auch die Beobachter fanden den Umgang der Helfer und Helferinnen mit den Statisten ruhig und sortiert, kritisierten jedoch, dass die „Erste Hilfe“ zu unterbesetzt war, einige „Verletzte“ zu lange warten mussten.
„Das nächste Mal werden wir die Katastrophenschutz-Übung unangemeldet und bestimmt nicht mittwochs um 10 Uhr auslösen.“
Ordnungsamtsleiterin Cora Wehlmann
Bürgermeisterin Michaela Wiezorek, während der Notfall-Übung mittendrin und gibt ihr Fazit am Ende der Übung vor allen Beteiligten ab. „Das war herausfordernd, aber das habt ihr echt super gemacht. Die Stationen waren schnell aufgebaut, ihr habt im Team gut zusammengearbeitet.“ Hoffentlich, so die Bürgermeisterin, werde solch ein Blackout „nur“ bei Stromausfall, Wasserproblemen und nicht im Verteidigungsfall auftreten.
Die nächste Katastrophenschutz-Übung werde noch eine Stufe näher an der Realität sein, verspricht Ordnungsamtsleiterin Cora Wehlmann. „Das nächste Mal werden wir sie unangemeldet und bestimmt nicht mittwochs um 10 Uhr auslösen.“
INFO: Katastrophenschutz-Leuchttürme in Dahme-Spreewald
Spätestens seit dem Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine und dem damals drohenden Gasmangel wurden ab 2022 bundesweit die Bemühungen verstärkt, Katastrophenschutz-Leuchttürme (kurz: Kat-Leuchttürme) einzurichten. Diese sollen Krisen- und Datenkommunikation leisten, Strom, Trinkwasser und Erste Hilfe bereitstellen, betroffenen Menschen Unterschlupf bieten und ihnen die Möglichkeit geben, Handys aufzuladen und Essen zu kochen.
Grundsätzlich gilt: Die Leuchttürme werden erst im Bedarfsfall in Betrieb genommen, finden also in öffentlichen Gebäuden wie Turnhallen o.ä. Platz. Das Land Brandenburg hatte den Landkreisen und Kommunen für die Einrichtung solcher Leuchttürme bis Ende 2024 rund 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Der Landkreis Dahme-Spreewald hatte im Juni 2025 die Ausstattung eines Katastrophenschutz-Leuchtturmes vorgestellt. Für insgesamt 20 Leuchttürme in Dahme-Spreewald wurden Netzersatzanlagen für Gebäude und Feuerwehren, Starlink-Koffer für Internetverbindungen via Satellit mit Solarmodulen in Taschenform, Wasserkocher, Campingkocher, Mikrowellen, Erste-Hilfe-Sets, Heizungsanlagen, mobile Diesel-Tankstellen und stromlose Taschenlampen angeschafft. Diese werden nun in den Kommunen gelagert und im Ernstfall in Turnhallen, Verwaltungsgebäuden oder Dorfgemeinschaftshäusern aufgebaut.
Im Oktober 2025 wurde eine Liste mit allen 20 Kat-Leuchttürmen veröffentlicht. Diese stehen jedoch lediglich als erste Anlaufstellen bereit, betont die Kreisverwaltung. Mit der Ausstattung könne nicht die gesamte Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Es wird empfohlen, dass sich Einwohnerinnen und Einwohner ebenfalls mit haltbaren Lebensmitteln, Hygiene-Artikeln, Kerzen und Wasser bevorraten und diese Vorräte regelmäßig austauschen. Auch Betreuungseinrichtungen wie Seniorenheime und Pflegestationen müssten selbst dafür sorgen, im Ernstfall gerüstet zu sein.
Weitere Informationen und Links zum Katastrophenschutz, zum Einsatz von Helfern und zur Selbsthilfe / -versorgung mit Checkliste gibt die Kreisverwaltung Dahme-Spreewald unter diesem Link.