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Helfen, wo man arbeitet

Die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren zu gewährleisten, wird immer mehr zur Herausforderung. Viele Kommunen gehen deshalb neue Wege. Dort helfen, wo man arbeitet, lautet eine Lösung. Doch der ewige Spagat bleibt.

 

Von Andreas Staindl

 

Sie löschen Brände, helfen, verunfallte Personen aus Autowracks zu holen, retten auch mal Tiere oder beseitigen eine Ölspur. Feuerwehrleute sind immer dann da, wenn Leben, Gebäude oder Güter bedroht sind. Ihr Einsatz ist freiwillig-zumindest, wenn sie Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr sind, was im Landkreis Dahme-Spreewald fast überall der Fall ist. Für die Kameradinnen und Kameraden bedeutet das, dass sie im Einsatzfall ihren privaten oder beruflichen Bereich verlassen und als ausgebildete Helfer tätig werden. Die Benachrichtigung erfolgt über verschiedene Alarmierungssysteme. Einsatzkräfte begeben sich schnellstmöglich zum Feuerwehrgerätehaus – möglichst ohne sich selbst zu gefährden.

 

Das ist die Theorie, doch die Praxis ist komplexer. Schon seit Jahren haben Freiwillige Feuerwehren auch im Landkreis Dahme-Spreewald mit der Tageseinsatzbereitschaft zu kämpfen. Weil Feuerwehrleute oft nicht am Wohnort arbeiten, können sie ihre Heimatwehr während der Arbeitszeit nicht unterstützen. „Wir haben das Problem schon lange erkannt“, sagt Manuel Borch, Gemeindewehrführer der Gemeinde Märkische Heide. „Deshalb haben wir unsere Alarm- und Ausrückeordnung in zwei Zeitfenster aufgeteilt. Wir planen im ersten Zeitfenster montags bis freitags zwischen sechs Uhr und 17 Uhr mit einem höheren Kräftemittelansatz als es der Normalfall wäre.“ Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, in der benötigten personellen Stärke ausrücken zu können.

 

„Wir planen im ersten Zeitfenster montags bis freitags zwischen sechs Uhr und 17 Uhr mit einem höheren Kräftemittelansatz als es der Normalfall wäre.“
Manuel Borch, Gemeindewehrführer der Gemeinde Märkische Heide

 

Der Feuerwehrchef sucht aber bewusst auch den Kontakt zu regionalen Unternehmen: „Wir arbeiten mit ansässigen Firmen im Gemeindegebiet gut zusammen, so dass die Mitarbeiter im Einsatzfall – wenn möglich – immer freigestellt werden.“ Das klappt gut wie Florian Müggenburg sagt. Der Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Groß Leuthen (Märkische Heide) arbeitet als Landmaschinenschlosser. Er kennt es, wenn die Alarmierung während der Arbeitszeit erfolgt. Was dann kommt, ist wohl bei allen ehrenamtlichen Feuerwehrleuten gleich: Sie wägen ab – so wie auch Florian Müggenburg: „Ist es nur ein Sturmschaden, etwa ein Baum umgestürzt, verlasse ich meinen Arbeitsplatz nicht. Wenn es jedoch um einen größeren und komplexeren Einsatz geht, beispielsweise einen Verkehrsunfall, allerdings schon. Die Arbeit bleibt dann liegen. Das Gute ist, dass der Termindruck in unserer Firma nicht ganz so hoch ist.“ Dennoch: Zwei der sechs Mitarbeiter seines Arbeitgebers sind in der Freiwilligen Feuerwehr. Dass sie ihren Arbeitsplatz für einen Einsatzfall verlassen dürfen, ist gesetzlich geregelt. Die Lohnfortzahlung kann der Arbeitgeber gegenüber der alarmierenden Behörde geltend machen. Für Florian Müggenburg kommen Einsätze während der Arbeitszeit ohnehin nur in Frage, wenn er am betrieblichen Standort in Wittmannsdorf arbeitet. Er rückt dann, je nach Situation, mit der Wehr vor Ort oder seiner Heimatwehr aus.

 

Dort helfen, wo man arbeitet: Immer mehr Wehren gehen diesen Weg und sichern damit ihre Tageseinsatzbereitschaft. Auch in Lübben fahren Kameradinnen und Kameraden Einsätze, die zwar in der Kreisstadt arbeiten, deren Heimatwehr jedoch in anderen Orten zu Hause ist. Vier von ihnen arbeiten in der Kreisverwaltung, wie Frank Böhme erzählt. Drei verstärken ihm zufolge den Löschzug in Lübben, einer rückt mit der Freiwilligen Feuerwehr in Lubolz (Stadt Lübben) aus. Sie helfen damit, die Tageseinsatzbereitschaft an ihrem Arbeitsort zu sichern. Frank Böhme weiß das zu schätzen. Er ist stellvertretender Ortswehrführer in Lübben, arbeitet zudem hauptberuflich als Sachbearbeiter Brandschutz in der Verwaltung der Spreewaldstadt.

 

Manuel Borch, Gemeindewehrführer der Gemeinde Märkische Heide Foto: Andreas Staindl

 

Der Vize-Feuerwehrchef der Freiwilligen Feuerwehr in Lübben ist einer von sechs Feuerwehrleuten in der Stadtverwaltung. „Wir sehen es gerne, wenn bei Neueinstellungen Kameradinnen und Kameraden dabei sind“, sagt Pressesprecherin Bettina Möbes. Bei aller Rückendeckung für die Feuerwehrleute – die Entscheidung, nach einer Alarmierung tatsächlich mit auszurücken, nimmt ihnen niemand ab. „Es ist immer ein Abwägungsprozess“, sagt Frank Böhme. „Muss die Arbeit dringend beendet werden? Hängen andere Sachgebiete daran? Kann ich begonnene Arbeit auch später fortsetzen?“ Die berufliche Abwägung ist das Eine, die private das Andere – vor allem dann, wenn der Einsatz über das Ende der Arbeitszeit hinausgeht. Wer kümmert sich um das Kind? Und wer nimmt den schon lange vereinbarten Arzttermin mit dem Nachwuchs wahr, begleitet den Sohn oder die Tochter zum Vereinstraining oder in die Musikschule?

 

„Eine gute Partnerschaft ist ganz wichtig für den aktiven Feuerwehrdienst.“
Frank Böhme, Vize-Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Lübben

 

„Wenn wir Feuerwehrleute alarmiert werden, bedeutet das fast immer auch viel organisatorischen Aufwand“, sagt Frank Böhme. „Ohne Absprachen mit dem Partner geht nichts. Eine gute Partnerschaft ist ganz wichtig für den aktiven Feuerwehrdienst.“ Das sind auch für Florian Müggenburg wesentliche Voraussetzungen: „Meine Frau arbeitet im Schichtbetrieb. Wir haben zwei kleine Kinder. Einsätze sind auch für mich immer ein Abwägungsprozess. Ohne ein Netzwerk – wie bei uns Oma und Opa – wäre vieles nicht möglich.“ Oft wissen Kameradinnen und Kameraden nicht, wie lange ihr Einsatz geht. „Das ist immer ein Spagat“, sagt Frank Böhme. „Wir versuchen, unsere privaten Dinge, wenn irgendwie möglich, während des Einsatzes zu koordinierten.“ Fünf Mal schon ist er während der Arbeitszeit in diesem Jahr mit ausgerückt, im vergangenen Jahr 34 Mal.

 

Je länger die Einsätze dauern, umso wichtiger ist ein gut funktionierendes Netzwerk. Und Verständnis des Arbeitgebers. Yves Nimtz steht hinter den Feuerwehrleuten, die in seiner Tischlerei in Wittmannsdorf (Märkische Heide) arbeiten. „Für mich ist es selbstverständlich, dass sie im Ernstfall helfen, auch wenn sie dafür ihren Arbeitsplatz verlassen müssen“, sagt der Tischlermeister. „Jeder kann schließlich mal in die Situation kommen, die Feuerwehr zu brauchen.“ Wenn Mitarbeiter von ihm tatsächlich ausrücken müssen, bricht der betriebliche Ablauf nicht gleich zusammen: „Wir sind personell gut aufgestellt. Eine Herausforderung wird es allerdings dann, wenn die Einsätze länger dauern, Mitarbeiter deshalb mehrere Tage fehlen. Knifflig ist es auch dann, wenn die Kameraden wegen eines Einsatzes in der Nacht früh erst gar nicht zur Arbeit kommen, aber für die Montage-Gruppe eingeplant sind. Ich muss dann umplanen“, sagt Yves Nimtz. „Und im schlechtesten Fall dem Kunden absagen, den Termin verschieben.“ Doch der Unternehmer in der Märkischen Heide sucht immer nach einer Lösung, dass seine Mitarbeiter Beruf und Feuerwehr vereinbaren können.

 

Egal ob Übung oder Einsatz: Feuerwehrleute vollführen immer den Spagat zwischen Feuerwehr, Beruf und Familie. Foto: Andreas Staindl

 

„Der Spagat zwischen Feuerwehr, Beruf und Familie ist ohnehin schon schwierig“, sagt Frank Böhme. „Mitarbeiter in Handwerksbetrieben oder kleinen Firmen müssen noch mehr abwägen als Verwaltungsmitarbeiter, ob sie mit ausrücken oder nicht.“ Ob er und die anderen Kameradinnen und Kameraden des Löschzugs in Lübben für den jeweiligen Einsatz tatsächlich benötigt werden, darüber informiert sie eine spezielle Alarm App auf ihrem Mobiltelefon. Die App besitzt etwa eine Rückmeldefunktion, mit der die Feuerwehrleute ihre Einsatzbereitschaft melden. Ein großer Vorteil, wie Frank Böhme sagt: „Früher wusste man nie, ob drei oder 20 Leute zum Einsatz kommen. Jetzt aber sehen wir sofort, ob schon genügend Kräfte zur Feuerwehrwache gekommen sind, über welche Fähigkeiten diese verfügen und ob noch Spezialisten benötigt werden. Die App macht zudem möglich, dass wir schneller und auch mit wenigen Einsatzkräften ausrücken können, weil wir wissen, dass weitere Kräfte nachkommen.“ Zur Entspannung der Tageseinsatzbereitschaft trägt ihm zufolge auch bei, dass „wir derzeit viele Schichtarbeiter in unserem Löschzug haben, die auch am Tage zur Verfügung stehen.“

 

Die Gemeinde Märkische Heide geht ebenfalls neue Wege, um die Tageseinsatzbereitschaft zu sichern. „Wir arbeiten an einem Einsatzkonzept für die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und des Bauhofs“, sagt Manuel Borch. „Zudem unterstützen wir den Bürgermeister, die Gemeindevertretung und die Ortsbeiräte dabei, junge Familien in unserem Gemeindegebiet anzusiedeln und sie in das Feuerwehr- und Dorfleben zu integrieren. Wir erhoffen uns davon nicht nur eine Stärkung des Allgemeinwohls der Gemeinde Märkische Heide sondern auch unserer Einsatzabteilung.“

 

Die Absicherung von Einsätzen am Tage ist zwar theoretisch im Landkreis Dahme-Spreewald gewährleistet, dennoch je nach Region auch kritisch. Im ländlich geprägten Süden ist es besser als im Norden, wo zahlreiche Kameradinnen und Kameraden zur Arbeit nach Berlin pendeln und für Tageseinsätze ihrer Heimatwehr nicht zur Verfügung stehen. Darauf hatte der Kreisbrandmeister Christian Liebe schon früher aufmerksam gemacht (Wokreisel berichtete). Und darauf, dass die Träger des Brandschutzes nach Wegen suchen, die Tageseinsatzbereitschaft zu verbessern. Der Abwägungsprozess wird die Feuerwehrleute jedoch weiterhin begleiten.

 

         

 

 

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Veröffentlichung

Fr, 17. März 2023

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