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Ach, du stille Zeit…

Der nächste Pandemie-Advent steht bevor – ein besonders stiller. Denn anders als im vergangenen Jahr hatte kaum jemand erst Anlass, dann Zeit, digitale Alternativen zu Weihnachtsmarkt und Co zu entwickeln. Was bleibt, sind kreative Ausblicke aus dieser verrückten Zeit.

 

Von Dörthe Ziemer

 

Der erste Advent steht vor der Tür… Zugleich der zweite Advent ohne Weihnachtsmärkte, Konzerte, öffentliche Bastelstunden und vieles mehr. Während im vergangenen Jahr viele digitale Aktionen oder Individual-Angebote ins Leben gerufen wurden, war es diesmal wegen der rasanten Entwicklung schlicht kaum jemandem möglich, sich überhaupt Alternativen zu überlegen. „Bis vor kurzem sind wir noch davon ausgegangen, dass die Advents- und Weihnachtsmärkte in den Ortsteilen zumindest unter 2G-Regeln durchgeführt werden können“, sagt Schönefelds Pressesprecherin Solveig Schuster. Deshalb habe die Überlegung, Veranstaltungen virtuell anzubieten, zunächst nicht im Raum gestanden. Eine virtuelle Alternative sei daher nicht mehr realisierbar. „Im kommenden Jahr werden wir etwas langfristiger planen können, das schließt auch einen möglichen Adventskalender ein“, blickt Solveig Schuster voraus.

 

Stolz verkündete die Stadt Lübben Anfang November, dass sie in diesem Winter mit einer Eisbahn auf dem Marktplatz aufwarten werde – Eröffnung am 26. November. Zehn Tage später dann die Nachricht, dass doch alles abgesagt werden muss. „Die hohe Inzidenz zwang auch die Stadt Lübben zu reagieren“, teilt Pressesprecherin Bettina Möbes mit. „Aufgrund der kurzfristigen Absage ist es jedoch nicht möglich, digitale Formate in dem kurzen Zeitraum zu initiieren, wie sie in besonderer Weise im vergangenen Jahr stattgefunden haben. Zeit und Kosten widersprechen einer Belebung.“ Im vergangenen Jahr hatte die Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH in Zusammenarbeit mit weiteren städtischen Gesellschaften und Unternehmern einen digitalen Adventskalender in der Anmutung des Lübbener Marktplatzes geschaffen. Jeden Tag wurde digital ein Türchen geöffnet, es gab virtuelle Rundgänge und Aktionen.

 

Weihnachtsbaumschmuck im Lübbener Platanenhain am Marktplatz. Foto: Karen Ascher

Von Kita-Kindern gebastelter Schmuck

Weihnachtsbaumschmuck im Lübbener Platanenhain am Marktplatz. Foto: Karen Ascher

im Baumhain am Marktplatz.

Weihnachtsbaumschmuck im Lübbener Platanenhain am Marktplatz. Foto: Karen Ascher

Fotos: Karen Ascher

 

Nun bleibt, was sonst Standard ist, wohl die größte Freude: die weihnachtliche Dekoration der Innenstädte und Gemeinden. In Lübben schmücken Kita-Kinder traditionell den Platanen-Hain am Markt mit ihren Basteleien. „Wir wollen damit die Stimmung etwas heben und das innerstädtische Flanieren zwischen den Geschäften beleben“, so Bettina Möbes. Dort sind auch die Lübbener Weihnachtskugel und der von einer Künstlerin gestaltete Adventskalender zu finden. Am 24. Dezember und auch am 31. Dezember gibt es anstelle des freitäglichen Wochenmarktes einen kleineren Grünen Markt. „Ein besonderes Erlebnis ist das Anzünden des Weihnachtssterns im Turm der Paul-Gerhardt-Kirche“, kündigt Bettina Möbes für diesen Samstagabend, 18 Uhr, an. Die Kirche auf dem Lübbener Marktplatz ist unter dem Motto „Auf dem Weg zur Krippe“ an allen Adventssamstagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet, zum Abschluss gibt es jeweils eine musikalische Andacht.

 

Solche kleinen, aber unspektakulären Angebote zu schaffen, scheint das Gebot der Stunde zu sein: In einigen Garagen oder unter den Partyzelten vom Sommer werden selbstgemachte Adventsgestecke verkauft, Höfe und Direktvermarkter lassen sich etwas einfallen, um einen Hauch von vorweihnachtlichen Marktfreuden zu erzeugen. Es gibt Basteln in kleinen Gruppen, musikalische Andachten und Konzertaufzeichnungen fürs Internet. Überhaupt ist es in diesen Zeiten gut, wenn man schon länger digital unterwegs ist: In Wildau beispielsweise gibt es an der Technischen Hochschule Wildau schon seit 2019 einen virtuellen Adventskalender auf dem Instagram-Kanal. „Damals befanden sich hinter den 24 Türchen viele Veranstaltungstipps“, informiert Katja Lützelberger aus dem Wildauer Rathaus. 2020 bestand der Kalender aus Tipps für digitale Weihnachtsfeiern, Hinweisen zu Online-Veranstaltungen, virtuellen Gewinnspielen und mehr. „In diesem Jahr lebt der digitale Adventskalender der TH Wildau von persönlichen Einblicken von Studierenden und Beschäftigten, wie sie Weihnachten und die Feiertage verbringen“, so Katja Lützelberger weiter.

 

„In diesem Jahr lebt der digitale Adventskalender der TH Wildau von persönlichen Einblicken von Studierenden und Beschäftigten, wie sie Weihnachten und die Feiertage verbringen.“
Katja Lützelberger, Stadtmarketing Wildau

 

Aber auch analog kann Wildau coronakonform auf Weihnachten einstimmen: Vergangenes Jahr gab es erstmals einen Weihnachtswunschbaum, an den Kinder ihre Wünsche anbringen konnten. Engagierte Wildauer Bürger erfüllten den Kindern ihre Wünsche – organisiert vom Kinder- und Jugendbeirat der Stadt. „In diesem Jahr wurde die Aktion jedoch aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen abgesagt“, sagt Katja Lützelberger. Auch der Weihnachtswunschbriefkasten der Wildauer Wohnungsbaugesellschaft befindet sich wieder auf dem Marktplatz. Die Briefe daraus werden nach Himmelpfort geschickt und von dort beantwortet. „Darüber hinaus gibt es am 4. Dezember einen ‚Stollen-Drive-In‘ auf dem Parkplatz in der Fichtestraße“, kündigt Katja Lützelberger an. Ab 14.30 Uhr wird Bürgermeisterin Angela Homuth kostenfrei Christstollen verteilen. Auch die großen bekannten Wildauer Unternehmen in Autobahnnähe hätten sich einiges überlegt. Dazu gehören laufende Weihnachtsengel, rollende Klaviere und sogar ein Winterdorf mit Rutsche und Eisflächen.

 

Weihnachtspostkasten in Wildau. Foto: Stadt Wildau

Weihnachtspostkasten in Wildau. Foto: Stadt Wildau

Weihnachtswünschebaum in Wildau. Foto: Stadt Wildau

Weihnachtswünschebaum in Wildau. Foto: Stadt Wildau

 

Von so großen, potenten Unternehmen können andere Kommunen nicht profitieren. Engagiert geht es dort trotzdem zu: In Mittenwalde werden normalerweise Weihnachtsmärkte jeweils in Eigenregie durch Heimatvereine und Ortsbeiräte begleitet. Daher seien keine weiteren Stadtmarketing-Aktionen geplant, teilt die zuständige Sachbearbeiterin Tina Israel mit. Und nun muss alles ausfallen. Gleichwohl habe sich die Stadt Mittenwalde mit verschiedenen on- und offline Werbeaktionen darum bemüht, ansässige Leistungsanbieter zu unterstützen. Dazu gehören die Bewerbung der Lieferaktion der Gastronomen „Jede Bestellung hilft“, ein Instagram-Auftritt und eine familienorientierte Werbekampagne in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Dahme-Seengebiet. Neben klassischer Print- und Infotafelwerbung sollen 2022 digitale Informationsstelen folgen.

 

Der Rote Turm in Luckau im Winterkleid - mit selbstgestricktem Schal. Foto: Dörthe ZiemerIn Luckau sei mit der Absage des Weihnachtsmarktes die Planung für Alternativen losgegangen, sagt Maja Jentsch, Geschäftsführerin der Laga Luckau GmbH, die im Auftrag der Stadt auch Kulturveranstaltungen organisiert. „Besonders die Kinder liegen uns dabei am Herzen, für die ja sonst traditionell der Weihnachtsmann vom Roten Turm steigt“, erzählt sie. Aber auch dieses fällt in diesem Jahr aus. Stattdessen werde der Weihnachtsmann am Samstag, dem 4. Dezember, von 9 bis 13 Uhr in der Stadt unterwegs sein. Seine Geschenke können in den Luckauer Geschäften abgeholt werden – sicherlich mit dem Hintergedanken der Marketingfachleute, die Eltern der Kinder in die Geschäfte zu locken. Auch in Sachen Deko bleibt Luckau bei seiner Tradition: Der Rote Turm hat seine winterliche Bekleidung bekommen und die City leuchtet dank des Gewerbevereins mit seinen Ehrenamtlern und Spenden in neuem weihnachtlichem Glanz.

 

Für Maja Jentsch hat die Corona-bedingte Kulturarbeit trotz aller Veranstaltungsabsagen etwas Positives: „Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, neue Ideen durch neue Denkansätze zu entwickeln“, berichtet sie von ihrem Team. So versuche sie mit ihren Mitarbeitern, Design-Thinking- und Brainstorming-Methoden anzuwenden, um sich, die Produkte und Formate immer wieder neu aufzustellen. „Corona hat es einfacher gemacht, diese Denkansätze schneller zu etablieren“, sagt sie. Das mache die Arbeit für sie persönlich gerade extrem spannend. Und sie nennt einen weiteren Aspekt: „Die Kultur hat durch Corona einen neuen Stellenwert bekommen. Es ist eine interessante Zeit, in der sich sehr viel Neues entwickeln kann ohne das Alte zu verdrängen.“

 

Vorweihnachtlicher Marktplatz in Luckau. Foto: Dörthe Ziemer

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Veröffentlichung

Fr, 26. November 2021

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