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Maßvoll

Maßvoll sollten die Erneuerbaren ausgebaut und Touristen in die ganze Kreis-Fläche gelotst werden – dieses Fazit ziehen die Podiumsgäste des 2. Wahlkreisels gemeinsam. Doch im Detail unterscheiden sich ihre Positionen zu den Schwerpunkt-Themen Ländlicher Raum und Tourismus.

 

Von Birgit Mittwoch

 

Windräder ja oder nein, Rufbus oder ÖPNV, zu viele Touristen in den Hotspots unseres Landkreises, zu wenige in der Fläche, Übernachtungssteuer pro und contra, Breitbandausbau, Kreisstrukturfonds – die Themenliste war beim 2. Wahlkreisel-Abend lang und die Antworten der zehn Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Kreistag „schon spannend“ – so eine Zuhörerin am Ende der zweistündigen Gesprächsrunde.

 

Eingeladen in den Mehrzweckraum der Sporthalle in Groß Köris waren Bewerber und Bewerberinnen für den Wahlkreis 4, also aus Heidesee, Märkische Heide sowie den Ämtern Schenkenländchen und Unterspreewald. Dort, wo sonst das Schulessen hoffentlich meist schmeckt, Gemeindevertreter-Sitzungen stattfinden, Ausschüsse tagen, trafen sich am Montagabend nun Kandidierende und Zuhörer zur zweiten Diskussionsrunde vor den Kommunalwahlen. Dazu eingeladen hatte Dörthe Ziemer, verantwortlich für das Online-Magazin Wokreisel. In zwei Gesprächsrunden konnten jeweils fünf Kandidierende Rede und Antwort stehen. Die erste Runde bestritten, gemäß eines Losverfahrens, Jörg Eichner (AfD), Daniel Broßuleit (CDU), Fritzi Rottenau (Einzelbewerberin), Thomas Fischer (Bündnis 90 / Grüne) und Andreas Beer (Einzelbewerber) zum Thema „Ländlicher Raum“. 

 

Was ist wichtig für den ländlichen Raum? Christian Behrendt von der Kanow-Mühle aus Golßen war dazu als Experte eingeladen. Der Chef der kleinen, traditionellen Ölmühle mitten im Spreewald und Rückkehrer in seine Heimat berichtet von seinen Praxiserfahrungen. Für ihn sei es wichtig, Leben und Arbeiten im ländlichen Raum zusammen zu denken und zu bringen, so Behrendt. „Als modernes Unternehmen haben wir nicht nur Kunden im ländlichen Bereich, sondern auch im urbanen Raum. Die müssen wir erreichen und das geht am besten online“, ist er sich sicher. „Dafür wird das Internet so wichtig werden wie Wasser“, zitiert er einen Kollegen. Aber leider, so bedauert er, habe er den Eindruck, dass die Versorgung mit einem leistungsfähigen Glasfasernetz manchmal einen Kilometer vor dem nächsten Anwesen stoppe, wenn das nicht mehr lukrativ sei für den Versorger.

 

„Als modernes Unternehmen haben wir nicht nur Kunden im ländlichen Bereich, sondern auch im urbanen Raum. Die müssen wir erreichen und das geht am besten online.“
Christian Behrendt, Unternehmer

 

Andreas Beer, er tritt als Einzelkandidat an, kann dem nur zustimmen, auch im Hinblick auf die sozialen Medien. Ebenfalls findet er eine gute Mobilität im ländlichen Raum, besonders für die alternde Bevölkerung wichtig. Da die regulären Busse des RVS (Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald) besonders in abgelegenen Gegenden und in den Abendstunden oft ohne bzw. mit sehr wenigen Fahrgästen fahren, hält er die Idee des Rufbusses für eine gute Alternative. Rufbusse oder Bürgerbusse hätten sich im Landkreis schon ganz gut etabliert, meint der CDU-Kandidat Daniel Broßuleit. Da gebe es bereits steigende Fahrgastzahlen, das müsse weiterentwickelt werden. Allerdings sollten diese Rufbus-Angebote auch übergreifend funktionieren, damit zum Beispiel auch weiterliegende Wochenmärkte erreicht werden können. Und wenn es dann noch, dank guter Digitalisierung, eine App gäbe, über die der Rufbus geordert werden könne, das wäre wünschenswert, so Broßuleit. Jörg Eichner sieht einen Schwerpunkt in der Verbesserung der mangelnden medizinischen Versorgung im ländlichen Bereich. Da müsse es mehr Unterstützung vom Landkreis geben, fordert er. Er könne sich auch mobile Apotheken vorstellen, so der AfD-Kandidat. Rufbusse sind ebenfalls für Thomas Fischer (Grüne) und Fritzi Rottenau (Einzelkandidatin) eine wichtige Ergänzung für die Mobilität im ländlichen Raum. Thomas Fischer könnte sich auch eine Erweiterung der Idee der Schulbusse vorstellen. „Warum nicht für alle Jugendlichen über den Schülerverkehr hinaus eine preisgünstigere Beförderung durch den RVS anbieten, für einen geringen Pauschalpreis pro Monat?“, regt Fischer an.

 

Wie ist die Meinung der Kandidatinnen und Kandidaten zu Windrädern oder Solarpaneelen im ländlichen Raum – und wie sollten Entscheidungsprozesse vor Ort gestaltet werden, fragt Moderatorin Dörthe Ziemer. Hier sind sich mehr oder weniger alle einig: Ausbau der Erneuerbaren Energien ja, aber maßvoll. Lediglich der AfD-Bewerber will die Erneuerbaren nicht generell befürworten, meint, dass noch nicht alle Risiken von Windkrafträdern bekannt seien und man deshalb „komplexer denken“ müsse, auch unter dem Aspekt, dass Sonne und Wind zur Energiegewinnung nicht immer zur Verfügung stünden. Fritzi Rottenau hält es für sehr wichtig, die Bürger frühzeitig mit „ins Boot zu holen“, wenn es um neue Windräder oder Solaranlagen nahe den Gemeinden geht. Der „grüne“ Kandidat, Thomas Fischer, befürwortet den Ausbau der Erneuerbaren generell, möchte die Gemeinden jedoch stärker an den Gewinnen beteiligen: „Das Geld, das verdient wird, soll auch den Kommunen zugutekommen, nicht nur den Investoren.“ Neue Gebiete für Windräder bzw. Photovoltaik, dürften den ländlichen Raum bzw. Landschaftsschutzgebiete nicht zerstören, fordert Andreas Beer. Entlang z.B. von Autobahntrassen hält er deren Aufstellung für gut realisierbar. CDU-Kandidat Daniel Broßuleit möchte bereits vorhandene Parkplätze für „Photovoltaikdächer“ nutzen und ebenfalls kreiseigene Gebäude mit Solarpaneelen ausstatten.

 

 Die Spitzenkandidaten im Wahlkreis IV. Foto: Karen Ascher

Alle Kandidierenden an den Spitzen der Wahlvorschlagslisten auf einen Blick (v.l.): Moderatorin Dörthe Ziemer, Werner Janetzki (FDP), Adolf Deutschländer (Linke), Sascha Philipp (SPD), Jörg Eichner (AfD), Daniel Broßuleit (CDU), Fritzi Rottenau (Einzelbewerberin), Veronika Birnack (BVB/Freie Wähler), Saskia Irmscher (UBL), Andreas Beer (Einzelbewerber), Thomas Fischer (B 90/Grüne). Foto: Karen Ascher

 

Die 2. Gesprächsrunde an diesem Abend startet nach gut 45 Minuten. An den drei Stehtischen locker gruppiert haben sich nun Adolf Deutschländer (Die Linke), Sascha Philipp (SPD), Veronika Birnack (BVB / Freie Wähler) und Saskia Irmscher (Unabhängige Bürgerliste UBL) zur Kreistagswahl antritt. Anfangs betonen gleich drei der Kandidaten und Kandidatinnen – als Antwort auf ganz unterschiedliche durch ein Kartenspiel vorgegebene und daraus gezogene Satzanfänge: 

Sascha Philipp: „Das sollte unbedingt erfunden werden: …Weltfrieden, was anderes brauche ich nicht.“ 

Veronika Birnack: „In einer Welt ohne Ländergrenzen… wünsche ich mir Frieden, das ist das Wichtigste.“

Saskia Irmscher: „Wo sich Politik und Religion einmischen,... entsteht Krieg.“

 

Regionaler und politisch „kleiner“ ist das eigentliche Thema dieser Gesprächsrunde: der Tourismus im Landkreis. Moderatorin Dörthe Ziemer hat sich dazu Unterstützung durch „Fachfrau“ Juliane Frank vom Tourismusverband Dahme-Seenland e.V. geholt. Ob Tourismus ein Segen für die Wirtschaft, aber eine Belastung für die Natur sei, wird diskutiert.

 

Ja, es gebe touristische „Leuchttürme“ in der Region – die Flughafenregion, Tropical Island, den Spreewald, so Juliane Frank. Auch sei ein gewisser „Nutzungsdruck“ z.B. an Badeseen entstanden. Für wichtig hält die Tourismusexpertin, dass nun nicht nur mit Ordnungsmaßnahmen reagiert werde, also: Schranke vor, absperren. Wichtig sei es, so Juliane Frank, die Touristen mehr „in die Fläche“ zu leiten, umzulenken, denn der gesamte Landkreis hätte touristisches Potential.

 

Dem stimmt Adolf Deutschländer (Die Linke) zu, ergänzt, dass dafür auch finanzielle Mittel z.B. für die Erhaltung von Radwegen nötig seien. Saskia Irmscher (UBL) „outet“ sich als Fan von Tourismus, allerdings müsse die Natur vor zu viel Tourismus geschützt werden. SPD-Kandidat Sascha Philipp freut sich über eine touristische Aufwertung der „Lieberoser Heide“, ein bisher eher vernachlässigtes Gebiet. Die werde jetzt durch ein „Erlebniscenter“ sowohl mehr Touristen anziehen und es werden dort auch Arbeitsplätze entstehen. Ebenfalls sollte, so Philipp, eine gewisse „Kleinsichtigkeit“ über Bord geworfen werden – die gesamte Region müsse touristisch beworben werden und nicht nur einzelne Kommunen. Das funktioniere bereits prima in der Museumspädagogik, schätzt Saskia Irmscher ein – dort werden in einer App alle Museen des Landkreises beworben. Werner Janetzky, der FDP-Kandidat zur Kreistagswahl, der nach einem vorherigen Termin später zur 2. Gesprächsrunde dazu gekommen ist, meint, dass die gesamte Infrastruktur im Landkreis wichtig sei für eine Verteilung des Tourismus in der Fläche. Dazu gehöre auch der Straßenbau.

 

Blick ins Publikum. Foto: Karen AscherBlicke ins Publikum. 

Blick ins Publikum. Foto: Karen Ascher Fotos: Karen Ascher

 

Gut 40 potentielle Wählerinnen und Wähler haben bisher meist aufmerksam dem zugehört, was die zehn Kreistagskandidatinnen und -kandidaten für wichtig erachten. Wie sieht es mit dem „Kreisstrukturfonds“ aus, sollte der erhöht werden, möchte Lutz Habermann aus dem Publikum wissen. Dieser Kreisstrukturfond sei eine „geniale Erfindung“, meint SPD-Kandidat Sascha Philipp. Vorgesehen u.a. für finanzschwache Kommunen zur Förderung von z.B. Radwegen, Radabstellplätzen. Das hänge aber auch von der sogenannten Kreisumlage (die zahlen die Kommunen an den Landkreis) ab. Wenn die hoch genug sei, könne der Fonds besser gefüllt werden. CDU-Mann Daniel Broßuleit ist gegen eine Erhöhung dieser Kreisumlage, da sonst die Kommunen zu stark belastet würden.

 

Breitbandausbau, Rufbus, Radwege – wie soll das alles finanziert werden?, fragt ein Mann aus dem Publikum. Das ist die spannende Frage, antwortet Kreistagskandidat Thomas Fischer (Grüne). Tourismusförderung ist eigentlich eine freiwillige Aufgabe der Kommunen und deren Finanzierung sollte besser aus der Tourismuswirtschaft kommen. Ja, warum keine Übernachtungssteuer einführen?, schlägt Andreas Beer vor: Ein bis zwei Euro „Bettensteuer“ pro Urlauber, ausgenommen Übernachtungen in Jugendherbergen, damit könne man schon das eine oder andere finanzieren. In anderen Bundesländern sei das längst üblich. Eine Stärkung der Wirtschaft z.B. durch Bürokratieabbau sei wichtig, damit durch höhere Steuereinahmen mehr Geld in die kommunalen Kassen komme, fordert Einzelbewerberin Fritzi Rottenau. Dem schließt sich SPD-Kandidat Sascha Philipp an und ergänzt, der Landkreis sei kein Wirtschaftsunternehmen, der sei für alle da, gerade die freiwilligen Leistungen, wie Radwegebau etc. machten das Leben erst lebenswert.

 

Wie sieht es mit preiswertem kommunalen Wohnraum, mit Sozialwohnungen im Landkreis aus?, will Zuhörerin Gisela Luther wissen. Werner Janetzky und Daniel Broßuleit geben die gestiegenen Baukosten und Grundstückspreise zu bedenken – da sind auch demnächst hohe Quadratmeterpreise bei Mietwohnungen zu erwarten (zumindest im privaten Wohnungsbau die Red.).  Der Landkreis, so meint der FDP-Mann, könne da wenig machen. Thomas Fischer, von den Grünen sieht eine Möglichkeit für mehr preiswertem Wohnraum in einer anderen Wohnraumbelegung. „Warum im Alter allein in einem großen Haus wohnen, vielleicht gibt es da auch andere Modelle?“

 

„Es ist wichtig und gut, dass sich junge Leute für Politik interessieren und da mitwirken wollen, die bringen neue Ideen mit.“
Zuhörerin

 

„Falls die beiden Einzelkandidaten gewählt werden, welchen anderen Gruppierungen bzw. Parteien werden Sie sich dann anschließen?“, möchte eine Zuhörerin wissen. Fritzi Rottenau kommt es vor allem auf gute Ideen und auf Fakten an, nicht auf Ideologien. Auch Andreas Beer möchte sich da noch nicht festlegen: „Ich bin da offen, egal ob links oder grün, nur mit den ‚Blauen‘ werde ich nicht zusammengehen.“

 

Ein spannender Abend war das, meinen viele Zuhörer und Zuhörerinnen nach diesem 2. Wahlkreisel. Gute, konkrete Antworten von den Kandidierenden gab es, sagt eine Frau aus Heidesee. „Es ist wichtig und gut, dass sich junge Leute für Politik interessieren und da mitwirken wollen, die bringen neue Ideen mit.“ freut sich eine Landwirtin aus Leibchel. 

 

Beobachtungen am Ende: Da verabschiedet sich CDU-Kandidat Daniel Broßuleit von allen Mitbewerbern mit Handschlag, die Einzelkandidaten werden schon mal interessiert von einigen potentiellen „ Kollegen“ befragt, der Grüne und der AfD-Kandidat debattieren weiter zur Wohnungsfrage – und Andreas Beer schleppt mit den Veranstaltern zusammen Stühle und Tische an ihre angestammten Plätze zurück.

 

Fotoserien

Wahlkreisel 2024 - Runde 2 (DO, 02. Mai 2024)

alle Gruppen: v.l.n.r.

Urheberrecht:

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Veröffentlichung

Do, 02. Mai 2024

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