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Auf einen Katzensprung zu den Eseln

Im Naturpark Dahme-Heideseen liegt alles dicht beieinander. Einen Katzensprung weit sind nicht nur Teilnehmer des gleichnamigen Projektes voneinander entfernt, sondern auch naturnahe Erholung, Wissensvermittlung, Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz.

 

Von Birgit Mittwoch

 

Nicole Fiedler legt ihren fünf Eseln noch etwas Heu auf die Wiese, die Grautiere kauen genüsslich, die Bürsten zum Striegeln der Huftiere liegen bereit. Gleich treffen einige Besucher zur Esel-Schmusestunde in Streganz ein.

Derweil kommt Carsten Preuß gerade zurück aus Tornow. Der Chef des Naturparks Dahme-Heideseen freut sich über ein Gespräch mit einem privaten Waldbesitzer. „Das war angenehm und konstruktiv“, erzählt er. Der nächste Termin ist eine größere Besprechungsrunde – Netzwerktreffen sei der bessere Begriff dafür, so Preuß. 

Nicole Fiedler und Carsten Preuß arbeiten einen Katzensprung voneinander entfernt. Beide sind naturbegeistert. Beide sind auch Partner – genauer gesagt: Naturpark-Partner. 

 

Carsten Preuß. Foto: Peter MittwochCarsten Preuß.               Fotos: Peter Mittwoch

Nicole Fiedler. Foto: Peter MittwochNicole Fiedler.

 

Seit 25 Jahren gibt es den Naturpark Dahme-Heideseen. Seit 25 Jahren geht es dort um den Schutz von Seen, Flüssen, Wäldern, Wiesen, Auenlandschaften, Salzwiesen, Mooren, um ein gutes Zusammenleben von Natur, Tourismus, Landwirtschaft, Gewerbe und Kommunen. 104 Naturparks gibt es deutschlandweit, davon elf in Brandenburg. Und passend zum Jubiläumsjahr ist das „Katzensprung 2.0-Projekt“ in Dahme-Heidesee gestartet.

 

Und hier kommt Nicole Fiedler mit ihren Heidesee-Eseln wieder in Spiel. Gemeinsam mit dem Milchschafhof in Streganz, der Gläsernen Molkerei in Münchehofe, dem Eichenhof in Löpten, den Kiezen Frauensee und Hölzerner See, dem Landgut Köllnitz, dem Hotel Cellino in Prieros, dem Brotsommelier aus Gräbendorf und weiteren Akteuren möchten die Eselchefin und ihr Mann Daniel Fiedler Partner des Naturparks werden. Ihre sechs Wanderesel grasen auf naturbelassenen Wiesen ohne chemischen Dünger, ohne Pestizide, die Elektrozäune werden von Solarstrompaneels gespeist, die Betriebsgebäude mit Ökostrom beheizt. Demnächst soll zusammen mit dem Naturpark eine 800 Meter lange Feldhecke gepflanzt werden – bestehend nur aus Wildobst- und Wildrosenpflanzen. Beste Voraussetzungen für die angestrebte Partnerschaft.

 

„Die meinungsstabilen Tiere arbeiten zuverlässig als Entschleuniger für Menschen, Erwachsene wie Kinder.“ 
Nicole Fiedler, Eselhof Streganz

 

Die Esel genießen die gute Natur. Die „meinungsstabilen Tiere“, so Nicole Fiedler, arbeiten zuverlässig als Entschleuniger für Menschen, Erwachsene wie Kinder. Diejenigen, die gerade zur Esel-Schmusestunde gekommen sind, sind auf dem besten Wege zu ihrem persönlichen Ruhepol – sie bürsten, streicheln, knuddeln Fridolin, Kara, Möhrchen und Kira. Die fünfjährige Eseldame Martha will heute nicht mitmachen – sie ist in der Pubertät und sucht nach leckeren Früchten auf der Nachbarwiese. 

 

Die Eselstreichler sind nicht von weither angereist, sondern aus Bad Saarow und Klein Köris. Genauso, wie es das „Katzensprungkonzept“ vorsieht: „Kleine Wege, große Erlebnisse“. So friedlich wie die Grautiere, so ruhig werden auch die Esel-Schmuser, entspannt wagen sie sich nicht nur mit der Hand ans weiche Fell, stecken sogar ihre Nasen herein. „Riecht nicht!“, diese Erfahrung mehr werden sie heute mitnehmen.

 

Eselschmusen auf dem Hof der Familie Fiedler. Foto: Peter MittwochEselschmusen auf dem Fiedler-Hof. 

Die Streganzer Esel. Foto: Peter MittwochDie Streganzer Esel. Fotos: P. Mittwoch

Striegeln, Streicheln, Wandern - das gehört für die Gäste zusammen. Foto: Peter MittwochStriegeln, Streicheln, Wandern...

 

Rund 60.000 Hektar umfasst der Naturpark Dahme-Heidesee, so Carsten Preuß, der seit zwei Jahren Naturparkleiter ist: von Storkow im Osten, Bestensee und Teupitz im Westen, Neu Stahnsdorf im Norden und Staakow im Süden. „Eine Naturlandschaft, die sich in Jahrhunderten gebildet hat und die wir schützen wollen. Bildung, Erholung, Schutz – so sieht unser Credo für den Naturpark aus. Dafür setzen wir vor allem auf Aufklärung und Information“, so der gelernte Landwirt.

 

Eine Besonderheit des Schutzgebietes sei, dass 90 Prozent der Fläche pure Natur sind: keine Besiedlung, extensive Landwirtschaft. Das sei den mageren Heideböden zu verdanken, meint Carsten Preuß, viel Wald, viel Wiese, Weide, wenig Ackerland. In den letzten 25 Jahren war vor allem das „Netzwerken“ wichtig. „Unglaublich, was man mit einer richtigen Netzwerkarbeit alles erreichen kann, mit Förstern, Landwirten, Naturschützern, Tourismusverbänden, Ämtern“, schwärmt der Naturpark-Chef. Der eine wisse zum Beispiel, woher Fördermittel kommen, ein anderer kenne Landwirte, die mit ihren Schafen Landschaftspflege betreiben können, um eine Verbuschung zu verhindern, der nächste wisse um gute Beispiele für den Waldumbau, andere schaffen Verbindungen zu Ordnungsbehörden. „Damit haben wir viel geschafft“, resümiert Carsten Preuß. 

 

Sicher mache die Arbeit im und für den Park nicht immer nur Freude, schränkt der Naturparkchef ein. Besonders die Lage in der Nähe einer Großstadt, im Speckgürtel von Berlin, bringe auch Probleme. Wenn viele Menschen sich in der schönen Natur erholen wollen, da sei schon deren pure Anzahl ein Problem. Alle wollen die begehrten Wanderwege nutzen, in Seen baden, picknicken, suchen Parkmöglichkeiten. Und manchen fehle schlicht das Wissen oder das Wollen, wie man sich richtig in der Natur, in einem Naturpark verhalte. Die Naturparkmitarbeiter hätten keine Weisungskompetenz, aber Aufklärung, da ist sich Carsten Preuss sicher, bringe in 80 Prozent aller Fälle etwas. „Na klar, den Letzten werden wir nicht erreichen, damit müssen wir einfach leben“, resümiert er.

   Eingang zur Naturparkverwaltung. Foto: Peter Mittwoch

Eingang zur Naturparkverwaltung. Foto: Peter Mittwoch

 

Die Schmuse-Esel in Streganz genießen weiterhin das ausgiebige Streicheln und Bürsten durch die Zweibeiner, die so ganz nebenbei allerlei Wissenswertes über Esel erfahren, z.B. dass diese 40 bis 45 Jahre alt werden können, dass sie eigentlich Wüstentiere sind und dass deshalb die Trockenrasenflächen hier genau die richtigen Gräser für sie bieten. 

 

Nicole und Daniel Fiedler (Daniel ist Hofbesitzer in sechster Generation in Streganz), sind einer persönlichen Liebe zu den Grautieren gefolgt und bieten seit 2018 nicht nur Schmusestunden, sondern vor allem Wandertouren mit ihren Eseln an. Gut 1.500 Ruhesuchende jährlich werden von den Wandereseln auf verschiedenen Touren durch den Naturpark begleitet – oder begleiten die Menschen eher die Esel? Viele der Eselwanderer übernachten nach den Touren gleich in der Nähe, gehen essen, ein Eis schlecken. So kommt zum Naturerlebnis auch gleich Geld in die Naturparkgegend. Ganz so, wie es das Konzept des „Katzensprungs“ vorsieht. 18 Naturparks wurden vom Verband Deutscher Naturparke bundesweit ausgewählt, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Der in Dahme-Heidesee ist mit dabei und das ist auch eine kleine Auszeichnung.

 

„Wir konnten nicht schneller sein als der Klimawandel.“
Carsten Preuß, Naturparkchef

 

Was bleibt da nach 25 Jahren Naturpark Dahme-Heideseen noch zu tun? „Wir konnten nicht schneller sein als der Klimawandel“, antwortet Carsten Preuß. Schon seit einigen Jahren gelte es, jeden Tropfen Wasser, der vom Himmel falle, in der Landschaft zu halten. „Der Grundwasserspiegel ist enorm gesunken, deswegen betreuen wir mehrere Projekte, um Wiesen wieder zu vernässen, Moore wieder wachsen zu lassen“, erläutert er. Zum Beispiel in der Löptener Fenne, einer ehemaligen Feuchtwiese. Dort konnten die Wasserpegel in den letzten Jahren wieder steigen. „Die wollen wir so halten, je nach Lage“, blickt er voraus. 

 

„Ein Problem ist aber, dass die Agrargenossenschaft Löpten ihre Tiere dort nicht mehr ganzjährig weiden lassen bzw. die nassen Flächen nicht mehr bearbeiten und Heu ernten kann.“ Deswegen, so Carsten Preuss, arbeite der Naturpark eng mit den Landwirten dort zusammen und erhalte Flächen, auf denen Tiere weiter weiden können. „Renaturierungsprojekte dürfen nicht gegen die Wirtschaftlichkeit von Agrargenossenschaften gehen“, sagt er. Allerdings sei es auch im Interesse von Landwirten, dass Flächen vernässt werden und im günstigsten Fall wieder Moore entstehen, ist sich Carsten Preuß sicher. Das sei schließlich für die Bodenfruchtbarkeit wichtig.

 

Fenne im Einsatz bei Löpten. Foto: Carsten PreußRaupenfahrzeuge im Einsatz in der Fenne bei Löpten. 

Vorführung der Landmaschine vor Publikum. Foto: Carsten PreußVorführung der Landmaschine vor Publikum. 

Wiesenschnitt in der Fenne. Foto: Carsten PreußWiesenschnitt in der Fenne.

Fotos: Carsten Preuß

 

Um die nassen Flächen auch bearbeiten zu können, gibt es seit einiger Zeit spezielle Landwirtschaftsmaschinen, Raupenfahrzeuge, die mühelos diese Wiesen mähen können. Dafür gibt es großzügige Fördermittel mit einer 70- bis 80prozentigen Förderung. Da eine solche Maschine allerdings insgesamt rund 600.000 Euro koste, bleibe den Agrarbetrieben noch eine hohe Summe zur Selbstfinanzierung, erläutert Carsten Preuß. Die müsse man erst mal erwirtschaften. „Ein weiteres Problem“, so der 60-Jährige, „das Mahdgut, meist Seggen, Schilf, eignet sich nicht als Tierfutter. Noch haben wir keine Technologie für dessen Verarbeitung, aber wir sind dran, mit anderen ein Konzept für solchen Grünabfall zu erarbeiten“. 

 

Nicole Fiedler verabschiedet nun die „Eselschmuser“, leider ist es die letzte Schmusestunde in diesem Jahr. Die 60 Minuten nah am Tier und der Natur haben allen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ende 2024 werden Familie Fiedler und die anderen 16 Teilnehmer am „Katzensprung 2.0-Projekt “ wissen, ob sie tatsächlich den Titel „Naturparkpartner“ tragen dürfen. Das ist dann eine Auszeichnung für ihr Unternehmen. Die Regeln dafür sind bundesweit gleich. 

 

Bis dahin wird es noch einige Workshops und Ideen für eine Zusammenarbeit im Sinne regionaler Kreisläufe geben. Ein kleines Ergebnis: Seit letztem Jahr dürfen ihre Wanderesel die nicht verkauften Weihnachtsbäume von der Oberförsterei in Hammer auffuttern, ein willkommener Leckerbissen. Auch wenn das in der Gesamtschau nur ein kleines Stück Kooperation bedeutet, es ist ein Zeichen der guten Vernetzung – ist sich Carsten Preuß sicher.

 

Infos Naturpark Dahme-Heidesee: 

  • offizielle Eröffnung am 24. Juli 1998

  • Größe: 56.656 Hektar

  • Wald: 356 km² (60 % der Gesamtfläche)

  • Wasser: 59 km² (10 % der Gesamtfläche)

  • Offenland: 127 km² (20 % der Gesamtfläche)

  • 70% Ökolandbau im Naturpark Dahme-Heidesee

  • Sitz der Verwaltung + Naturpark-Infopunkt in Prieros, in der alten Dorfschule

  • Besucherzentrum in der Burg Storkow, Ausstellung: „GRUNDverschieden - Von staubtrocken bis pitschenass“

  • 2 Naturparkschulen – „Elisabeth von Schlieben-Grundschule“ Halbe, Grundschule Prieros

  • im Juni 2023 wurden 25 Natur- und Landschaftsführer für den Naturpark Dahme-Heideseen und Schlaubetal ausgebildet und zertifiziert

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Di, 17. Oktober 2023

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