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Schule aus nach 20 Jahren

Für manche Jugendliche sind es nach zehn, zwölf oder dreizehn Jahren die letzten Schulferien. Doch man kann es auch auf 17 oder 20 Jahre bringen: als Elternvertreter - so wie Katharina Oppermann und Georg Hanke.

 

Von Birgit Mittwoch

 

Georg Hanke hat eigentlich schon Urlaub, aber noch Zeit für ein Gespräch. Wir sind in einem Café in Königs Wusterhausen verabredet: Bei einem Cappuccino redet es sich besser – und Georg Hanke hat viel zu erzählen. Der 55-Jährige ist immerhin seit 2003, also seit 20 Jahren, Mitglied im Kreiselternrat des Landkreises Dahme-Spreewald, seit zwölf Jahren dessen Vorsitzender. Seit 2003 mischt er ebenfalls im Kreisschulbeirat mit. In diesem Jahr läuft seine Wahlperiode aus und er kann nicht wieder antreten. Denn seine Töchter sind nun „raus aus der Schule“, die zweitälteste hat vor kurzem ihr Abitur bestanden, die jüngste befindet sich schon in einer Ausbildung.

 

Was hat ihn vor gut 20 Jahren angetrieben, sich für die Lösung schulischer Probleme einzusetzen und dafür viel Freizeit zu opfern? Angefangen habe das schon in der Kita-Zeit seiner Kinder, so Hanke. „Da gab es einen großen Sanierungsbedarf in den Bädern der Kita ‚Klein und Groß‘.“ Das Geld dafür habe man damals über Spenden sammeln wollen, erinnert sich Georg Hanke. „Aber auch wenn der Träger der Einrichtung die AWO ist, handelt es sich um ein Gebäude der Kommune und so musste die Stadt Königs Wusterhausen finanziell und logistisch für die Sanierung sorgen“, war sich Herr Hanke sicher. Die Bäder wurden saniert und Georg Hanke wurde flugs Elternsprecher erst in der Kita, später in der Grundschule „Erich Kästner“.

 

Georg Hanke. Foto: privat

Georg Hanke. Foto: privat

 

Seine Erfahrung mit der Beschaffung von Geldern kam ihn dort sofort zugute, die Sporthalle war sanierungsbedürftig. Seitdem mischt der dreifache Vater fleißig mit in den Elterngremien, bald über die Grenze einer Schulklasse hinaus. Er wurde 2002 Chef der Elternkonferenz der Schule, dann auch Vorsitzender der Schulkonferenz.  Dort sind Eltern, Schüler, Lehrer paritätisch vertreten, beraten über Probleme, z.B. Schüler-Lehrer-Verständigung, das Schulprogramm, Klassenfahrten, Schulsauberkeit, Sanierungsbedarf im Schulgebäude.

 

Georg Hanke ist gut vernetzt. Vor allem seitdem er im Jahr 2000 SPD-Mitglied geworden ist, nutzt er auch seine Partei-Verbindungen. „Vernetzung ist ja nicht schlecht, um schnell zugunsten der Schüler etwas in Bewegung zu bringen“, argumentiert er. Und wenn man sich, wie er, engagiert und dabei von den Problemen an anderen Schulen hört, von Ideen, diese zu lösen – dann verlässt man schnell die Schulebene, klettert weiter hinauf – und wird in den Kreiselternrat gewählt, im Jahr 2003 dann auch in den Kreisschulbeirat und schnell ist er auch dessen Vorsitzender geworden. Im letzteren sind jeweils acht Vertreter der Schüler, der Eltern, der Lehrer aus dem gesamten Landkreis Mitglied.

 

„Vernetzung ist ja nicht schlecht, um schnell zugunsten der Schüler etwas in Bewegung zu bringen.“
Georg Hanke über Netzwerke als Elternsprecher

 

Die Meinung des Beirates ist wichtig, alle Mitglieder haben ein Anhörungsrecht, entscheiden dürfen sie jedoch nicht, z.B. wenn es um Schulsozialarbeit geht, um die Digitalisierung an Schulen, um Schülerbeförderung, Schulschließungen. Zu den Sitzungen dieses Gremiums sind immer auch Vertreter vom Staatlichen Schulamt in Cottbus eingeladen, u.a. zuständig für die Einstellung von Lehrern, und von der Schulverwaltung des Landkreises Dahme-Spreewald. Dieser direkte Draht zu den „Entscheidern“ über Schulpolitik auf der Kreisebene sei für den Elternsprecher immer enorm wichtig gewesen, sagt er.

 

Der Cappuccino steht noch unberührt vor Georg Hanke, der im Hauptjob als Dozent an der Fachschule für Finanzen in Königs Wusterhausen arbeitet. Das, was er über die Jahre in seinen vielen Ehrenämtern als Elternvertreter erlebt hat, ist eben auch im Rückblick noch aufregend und umfangreich und lässt kaum Zeit für Pausen. Der Gast am Nebentisch, so bemerke ich, hört verstohlen unserem Gespräch zu. Ist ja auch interessant…

 

An ein Problem kann sich Georg Hanke besonders erinnern. In den frühen 2000er Jahren ging es um Schulschließungen. Betroffen waren einige Gesamtschulen, auch solche mit gymnasialer Oberstufe. Viele Eltern wählten diese Schulen für die weitergehende schulische Bildung nach der Grundschule, nicht aus, schickten ihre Kinder bevorzugt auf die Gymnasien. Die Folge: zu wenige Schüler, zu wenige Klassen an Gesamtschulen. Einige dieser Schulen, wie die in Friedersdorf, Niederlehme und Schulzendorf mussten damals tatsächlich schließen. Eine bittere Entscheidung für Schule und Kommune, findet Georg Hanke – auch deswegen, weil die Schülerbeförderung anders organisiert werden musste, die Fahrzeiten sich verlängerten, manchmal unzumutbar wurden.

 

„Woher sollen gute Facharbeiter kommen, die nach der 10. Klasse eine Berufsausbildung machen?“
Georg Hanke über hohe Abitur-Quoten

 

Ein solches Schicksal drohte auch der Oberschule in Groß Köris. Wären damals durch das Potsdamer Ministerium die Mindestzahlen für die Einrichtung neuer siebter Klassen nicht auf 2 x 12 Schüler reduziert worden, wäre auch diese geschlossen worden. Die kurze „Durststrecke“ ist heute fast vergessen – seit Jahren gibt es in Groß Köris nun schon vier gut gefüllte siebte Klassen. Demnächst wird diese, damals fast geschlossene, Schule sogar als Gesamtschule das Abitur anbieten.

 

Georg Hanke freut sich über solche Entwicklungen, auch wenn er die große Anzahl von Abiturienten kritisch sieht. Aktuell legen mehr als 50 Prozent aller Schüler in Brandenburg das Abitur ab, Anfang der 2000er Jahre waren es nur 25 Prozent. „Woher sollen dann aber gute Facharbeiter kommen, die nach der 10. Klasse eine Berufsausbildung machen?“, fragt er sich. Nun nimmt sich Georg Hanke auch Zeit, den Cappuccino zu genießen. Ein intensives Gespräch über aufregende Zeiten als Elternvertreter. Der Gast am Nebentisch hat seine Limo ausgetrunken und verlässt das Café.

 

Was sagt seine Familie, vor allem seine Töchter, zu seinem Engagement? „Naja, die Arbeit, die ich im Landkreis als Elternvertreter mache, bekommen meine Kinder nicht so genau mit“, meint Georg Hanke. „Aber als ich Vorsitzender der Eltern- und der Schulkonferenz am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Königs Wusterhausen war, habe ich gute Kontakte zu den Lehrern gepflegt. Da saß dann die Schulleiterin schon mal bei uns zu Hause, und meine mittlere Tochter war sowohl beeindruckt als auch etwas erschrocken.“ Aber, dass er sich für Schulbelange engagiert habe, hätte sie schon ganz gut gefunden, meint er. „Ich habe sie zumindest nicht abgeschreckt: Sie selbst war Klassensprecherin am Gymnasium.“

 

„Da saß dann die Schulleiterin schon mal bei uns zu Hause, und meine mittlere Tochter war sowohl beeindruckt als auch etwas erschrocken.“
Georg Hanke über das Elternsprecher-Dasein

 

Eine Sache sei ihm noch wichtig, sagt Georg Hanke, der seinen Cappuccino fast ausgetrunken hat. Es geht um die sogenannten Sprachheilklassen. „Diese wurden in den 90er Jahren an einigen Schulen gebildet, um z.B. Schülern, die stottern oder andere Sprachprobleme haben, zu fördern“, erzählt der Mitfünfziger. Als es immer mehr Inklusionsschulen gab, sollten diese Sprachheilklassen geschlossen werden. Hanke ließ seine Netzwerke spielen und lud kurzerhand den damaligen Brandenburger Bildungsminister Ruprecht ein. „Der kam auch und hörte sich die Erfahrungsberichte von ehemaligen Schülern solcher Förderklassen und deren Eltern aufmerksam an. Am Ende meinte der Minister zu seinem ebenfalls anwesenden Fachbereichsleiter: ‚Und warum wollen wir das jetzt auflösen?‘ Damit waren die Sprachheilklassen gerettet“, zeigt sich Georg Hanke zufrieden.

 

Eine gute Stunde Gespräch, ein voller Notizblock, zwei leere Cappuccino-Tassen. Und Georg Hanke muss schon zum nächsten Termin. Ab September hat der langjährige Elternvertreter vielleicht etwas mehr Zeit.

 

„Sicher kennen Sie dieses peinliche Schweigen, wenn auf der ersten Elternversammlung des Schuljahres gefragt wird. Na, wer will den Elternsprecher werden?“
Katharina Oppermann über ihre erste Wahl

 

Katharina Oppermann kommt mir dem Fahrrad entgegen – in ihrem Kiez, in Eichwalde ist sie damit gut unterwegs. Arbeitsstelle, Wohnung, die Schulen der vier Kinder liegen bzw. lagen dicht beisammen. Aus der Schulpolitik hat sie sich nun allerdings verabschiedet, erzählt Katharina Oppermann, als sie sich flott vom Rad geschwungen hat und an unserem Tisch im Eckcafé Platz nimmt. Bei allen ihrer vier Kinder, zwei Mädchen, zwei Jungs, war sie Elternsprecherin. Alles hat 2006 begonnen, als ihr zweites Kind in die 3.Klasse der „Humboldt-Grundschule“ in Eichwalde kam. Warum sie sich für diese ehrenamtliche Mehrarbeit, für Freizeitbeschränkung entschlossen hat? „Ich habe eine grundsätzliche Bereitschaft mitzuarbeiten, auch etwas zu verändern“, sagt die 53Jährige. „Sicher kennen Sie dieses peinliche Schweigen, wenn auf der ersten Elternversammlung des Schuljahres gefragt wird. Na, wer will den Elternsprecher werden? Da habe ich mich dann einfach gemeldet.“

 

Sie hat nicht nur einmal Ja gesagt, sondern gleich mehrfach – als Elternsprecherin für die Grundschulklassen ihrer Kinder und auch später, als diese aufs Gymnasium wechselten. Katharina Oppermann entschied sich eher für die Basisarbeit – so richtig Schulpolitik im gesamten Landkreis zu machen, war nie ihr Ding. „Ja, na klar will ich was bewegen. Aber die großen Schulstrukturen zu verändern, da beißt man sich die Zähne aus“, meint sie.

 

Katharina Oppermann. Foto: Birgit Mittwoch

Katharina Oppermann. Foto: Birgit Mittwoch

 

Zum Beispiel in puncto Stundenausfall, ein Thema, das sich über viele Jahre immer wieder als Problem erwies. „In Brandenburg dürfen die Schulleitungen zwar selbst nach den dringend benötigten Vertretungskollegen und -kolleginnen suchen, aber die Einstellung obliegt dem Staatlichen Schulamt. Das kostet zusätzlich Zeit und häufig sind die Laufzeiten der Verträge auch zu kurz, um den Problemen an der Schule gerecht werden zu können. In Berlin liegt das alles in den Händen der Schulleitungen. Warum funktioniert das dort und hier nicht?“, fragt sie sich noch heute.

 

Sicher, sie war nicht nur Elternsprecherin, sondern hat später auch als Schulsprecherin bzw. Vorsitzende der Schulkonferenz die Interessen aller Eltern der Schule vertreten. Aber „weiter hinauf“ wollte sie nie, ihre familiäre Situation hätte die vielen Abendtermine auch kaum zugelassen. Anfang bis Mitte der 2000er Jahre war es zudem noch schwierig, die nötige Anerkennung und Kooperation im Lehrerkollegium zu finden. Als Katharina Oppermann, die in Eichwalde als Physiotherapeutin arbeitet, mit ihrem Ehrenamt begann, habe es, so erzählt sie am Cafétisch, noch eine große Skepsis gegenüber Elternvertretern gegeben. „Die Lehrer und Lehrerinnen wollten damals nicht so viel Einflussnahme durch die Eltern. Es gab ein Kompetenzgerangel, keine wirklich gute Kommunikation.“

 

„Die Lehrer und Lehrerinnen wollten damals nicht so viel Einflussnahme durch die Eltern. Es gab ein Kompetenzgerangel, keine wirklich gute Kommunikation.“
Katharina Oppermann über die 2000er Jahre an Schulen

 

Ein Ereignis, das die damalige Skepsis gegenüber Eltern gut beschreibt, ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Das war im Jahr 2006 in der Grundschule von zweien ihrer Kinder, damals in der 3.und 5. Klasse. In einer 1. Klasse wurden plötzlich einige Schüler und Schülerinnen verhaltensauffällig, hatten Bauchschmerzen, Schlafstörungen. Was konnte das ausgelöst haben, fragten sich die Eltern. Da es keine Einzelfälle waren, sondern es eine Vielzahl der Schüler und Schülerinnen betraf, suchten die Eltern Antworten im schulischen Umfeld, entwarfen einen Fragebogen, um die Gründe zu ermitteln.

 

Seitens der Schule schlug ihnen jedoch eher Argwohn und Misstrauen entgegen. Katharina Oppermann, damals Mitglied der Schulkonferenz, verstand überhaupt nicht, warum die Schulleitung nicht die Kommunikation suchte. Am Ende stellte sich heraus, dass eine Kollegin Schüler und Schülerinnen tatsächlich körperlich bestraft hatte. Das Amts- und später das Landgericht in Potsdam bestätigten das in einem Urteil. In die Erleichterung darüber mischte sich damals auch Bitterkeit: „Die Eltern, die sich gewehrt hatten, wurden heftig angegriffen, die Schulleiterin wünschte keine Aufarbeitung der Vorfälle“, resümiert Katharina Oppermann, die später Schulelternsprecherin der Humboldt-Grundschule wurde.

 

Im Rückblick, so meint sie heute, habe sich viel geändert. Die Sicht der Eltern von außen auf Schule, Unterricht, Lehrer würde jetzt meist als wichtig respektiert. „Da hat sich was entwickelt, das war sicher ein Vertrauensprozess, heute es gibt einen besseren Austausch.“ Wenn es Probleme gebe, dann wende sich die Klassenlehrerin heute schon oft an den Elternvertreter oder die Elternvertreterin, so ihr Eindruck. Seit dem 24. Juni dieses Jahres ist sie raus als Elternvertreterin – ihre jüngste Tochter hat das Abitur bestanden.

 

„Aber meine Arbeit war schon wichtig, es gab mehr Freude als Ärger und am Ende habe ich vieles klären können“, resümiert sie. Katharina Oppermann verabschiedet sich, schwingt sich auf ihr Fahrrad und wird sicherlich noch viel unterwegs sein in Eichwalde.

 

INFO

  • Wie viele Elternvertreter es in Dahme-Spreewald gibt, lässt sich nur schätzen. In 30 Grundschulen, einer Grund- und Oberschule, einer Grund- und Gesamtschule, vier Gesamtschulen, sieben Oberschulen und acht Gymnasien dürften es hunderte sein, die sich für eine gute Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern einsetzen.
  • Die Vertretung der Eltern, wie auch die der Schüler und Lehrer, ist im Brandenburgischen Schulgesetz genau geregelt. Das Bildungsministerium hat eine Übersicht dazu zusammengestellt.
  • Die Broschüre „Schüler und Eltern mit Wirkung“ gibt kompakt darüber Aufschluss, wie die Gremienarbeit funktioniert und was bei Wahlen und Entscheidungen zu beachten ist.
  • Das Lisum (Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg) bietet Fortbildungen in der Gremienarbeit und Infoveranstaltungen für Eltern, etwa zum Umgang mit Medien, auf den Seiten des Bildungsservers Berlin-Brandenburg an.

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Veröffentlichung

Di, 25. Juli 2023

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