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Mit Herz, Verstand und Wermutstropfen

Seiteneinsteiger an Schulen sind inzwischen nicht mehr wegzudenken. Die, die länger bleiben, leisten wertvolle Arbeit, ohne die noch mehr Unterricht ausfallen würde als ohnehin. Doch die Herausforderungen an den Schulen bleiben hoch.

 

Von Birgit Mittwoch und Andreas Staindl

 

„Setzt euch erst einmal an Eure Plätze, wir arbeiten erst nachher in Arbeitsgruppen. Den Stuhl da lässt du bitte stehen.“ – Unterrichtsbeginn in der Klasse 8b der Grund- und Oberschule Schenkenland in Groß Köris. Anita Masch bereitet ihre 22 Schüler auf eine Stunde selbstständige Arbeit im Fach LER (Lebenskunde, Ethik, Religion) vor. Heute sollen die Schüler auch ihre Arbeitshefte abgeben. „Ich habe aber kein Deckblatt dafür“, meldet sich ein Junge. „Macht nichts, aber gerade bei dir hätte ich gedacht, du lässt dir etwas besonders Kreatives einfallen“, antwortet Lehrerin Masch.

 

Ruhig und bestimmt agiert Anita Masch vor den Achtklässlern. Dabei war sie bis vor zwei Jahren für das Personalmanagement in einer großen Firma verantwortlich. Studiert hatte sie Wirtschaft und Recht – und wollte doch eigentlich schon gleich nach dem Abitur Lehrerin werden. Das hat sie nun nachgeholt: Anita Masch ist eine sogenannte Seiteneinsteigerin in den Schuldienst. Angefangen hat sie ihre neue Karriere 2020 als Vertretungslehrerin für Englisch. Ein Jahr später bewarb sich Anita Masch offiziell für den Lehrerberuf.

 

Anita Masch. Foto: Peter Mittwoch

Anita Masch. Foto: Peter Mittwoch

 

6.500 solcher Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger gibt es aktuell im Land Brandenburg. Sie sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung, sagt der Chef der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung (GEW) Günther Fuchs. Das Problem sei der eklatante Lehrermangel, pro Schule fehlten durchschnittlich 1,6 Lehrer. Besonders in Grund,- Ober-, und Förderschulen sei die Situation prekär. Prekär – das heißt beispielsweise an der Otto-Unverdorben-Schule in Dahme im Nachbarlandkreis Teltow-Fläming, dass zuweilen 50 Unterrichtsstunden pro Woche nicht gehalten werden können.

 

„Wissen, das nicht vermittelt wurde, fehlt den Schülerinnen und Schülern.“
Johannes Ebert, Schulleiter in Dahme

 

Fächer wie etwa Geschichte, Naturwissenschaft, Chemie, Kunst, Sport und Arbeitslehre wurden Schulleiter Johannes Ebert zufolge nur verkürzt, teilweise gar nicht unterrichtet. Physik war seit Schuljahresbeginn komplett ausgefallen. Um überhaupt eine Note zu vergeben, wurde ein Projekttag für die zehnten Klassen durchgeführt, damit diese die Bedingungen für einen Abschluss erfüllen. Für den Schulleiter ist das „Augenwischerei und ein Dilemma: Wissen, das nicht vermittelt wurde, fehlt den Schülerinnen und Schülern“. Die personelle Situation an der Oberschule in Dahme ist seit Monaten dramatisch. Mit dem Wechsel des Schulleiters und seiner Stellvertreterin in den Ruhestand haben insgesamt drei Lehrkräfte gefehlt. Vier Seiteneinsteiger sichern ab, dass überhaupt noch Unterricht stattfindet.

 

Dahmer Elternsprecher hatten schon Ende 2022 einen Brief an das zuständige staatliche Schulamt in Brandenburg an der Havel geschrieben, auf den sich verschärfenden Lehrermangel hingewiesen und um Lösungen gebeten. Für sie sei es „eine Schande, dass die zuständigen Stellen im Bildungsministerium von Chancengleichheit aller Schülerinnen und Schüler sprechen“. Das Schulamt spielte den Ball Anfang dieses Jahres zurück. Die Behörde forderte die Schulleitung auf, erneut Stellenausschreibungen für bis zu vier Lehrkräfte auf den Weg zu bringen, um der aktuellen Situation perspektivisch entgegenzuwirken. Sie verteidigte zudem die Variante, Schülerinnen und Schülern mit einer Projektarbeit zu einer Note für das erste Halbjahr im aktuellen Schuljahr zu verhelfen. An der Oberschule in Dahme betraf das die Fächer Physik und Kunst. Doch aus Sicht der Eltern baden ihre Kinder nur den Fachkräftemangel an Schulen aus. Sie fordern eine Lösung für den Nachwuchs und nicht für die Statistik.

 

Die Oberschule "Otto Unverdorben" in Dahme (Teltow-Fläming). Foto: Andreas Staindl

Die Oberschule "Otto Unverdorben" in Dahme (Teltow-Fläming). Foto: Andreas Staindl

 

Seit 2017 gibt es bundesweit die Möglichkeit, aus anderen Berufen in den Lehrerjob einzusteigen. Voraussetzung ist in Brandenburg mindestens ein Bachelor-Abschluss, um eine Lehramtsbefähigung zu erlangen. Seiteneinsteiger stellen laut Landesregierung inzwischen jede sechste Lehrkraft und sorgen dafür, dass Unterricht überhaupt erst möglich ist. Sicher hätten ausgebildete Lehrkräfte Priorität, sagt GEW-Chef Fuchs, „aber wenn ich die nicht habe, dann sind Seiteneinsteiger eine gute Lösung, ehe Unterricht in Größenordnungen ausfallen muss“. Wichtig sei aber deren gute Qualifizierung.

 

Anita Masch hat vier Wochen lang eine pädagogische Grundqualifizierung absolviert, bevor sie das erste Mal solo vor einer Klasse stand. Vorher hatte sie schon wochenlang im Unterricht hospitiert. Eine Lehrerkollegin aus der Köriser Schule begleitet sie nun das gesamte erste Jahr als Mentorin. Ein Jahr lang dauert auch ihre berufsbegleitende Qualifizierung bis hin zur sogenannten Lehrbefähigung. Die Betreuung der bislang vier Seiteneinsteiger sei bei insgesamt 42 Lehrerinnen und Lehrern an der Köriser Schule gut zu organisieren, sagt Schulleiterin Manon Hähnel.

 

„Im Ernstfall stehen die neuen Kolleginnen und Kollegen schon während ihres ersten Arbeitstags vor der Klasse.“
Katrin Nauert, Schulleiterin in Luckau

 

Das sind geradezu ideale Bedingungen – vergleicht man beispielsweise mit der Situation an der Oberschule „An der Schanze“ in Luckau. „Im Ernstfall stehen die neuen Kolleginnen und Kollegen schon während ihres ersten Arbeitstags vor der Klasse“, sagt Schulleiterin Katrin Nauert. 26 Lehrerinnen und Lehrern unterrichten an der Schule, davon etwa ein Drittel Seiten- und Quereinsteiger. Für das kommende Schuljahr hat das Schulamt bis zu sieben Lehrerstellen ausgeschrieben. Im aktuellen Schuljahr waren bis zu fünf Stellen zeitweise nicht besetzt. „Ohne Seiten- und Quereinsteiger geht es nicht“, sagt die Schulleiterin. „Sie sichern nicht nur Unterricht ab, sondern bereichern auch unseren Schulalltag.“

 

Vor der Oberschule "An der Schanze" in Luckau. Foto: Andreas Staindl

Vor der Oberschule "An der Schanze" in Luckau. Foto: Andreas Staindl

 

Welche Voraussetzungen, abgesehen von Studienabschlüssen, Seiteneinsteiger mitbringen sollten, beschreibt Katrin Nauert so: „Lehrerinnen und Lehrer stehen den ganzen Tag im Mittelpunkt, müssen mit Menschen arbeiten können. Wer sich schon zuvor zumindest etwa im Verein engagiert hat, vielleicht regelmäßig Vorträge hält, Seminare durchführt oder Kurse leitet, bringt gute Voraussetzungen mit. Wer als Lehrkraft arbeiten möchte, braucht Herz und Verstand. Ohne pädagogisches Geschick und Einfühlungsvermögen wird es schwer.“ Und nicht nur das: „Wer sich selbst nicht gut organisieren kann, keine Selbstdisziplin aufbringt, nicht bereit ist, sich selber Wissen anzueignen, dieses aufzubereiten und weiterzugeben, wird als Seiteneinsteiger scheitern“, sagt Ulrike Nieter, die seit fünf Jahren Kunst an der Luckauer Schule unterrichtet und inzwischen Klassenlehrerin einer neunten Klasse ist. Seiten- und Quereinsteiger bekämen keine fertigen Ablaufpläne an die Hand. Sie müssten ihren Unterricht selbst vorbereiten und überlegen, wie sie die jeweiligen Themen vermitteln.

 

„Das Modell der Seiteneinsteiger finde ich gut, einige sind für diesen Beruf geboren.“
Manon Hähnel, Schulleiterin in Groß Köris

 

Genau das ist es, was Anita Masch in ihrem neuen Job erfüllt. „Das ist wie eine kleine Selbstständigkeit. Ich kann selbst entscheiden, wie und wann ich die Stunden vorbereite, und freue mich, wenn ich merke, da kommt auch was an bei meinen Schülern, sie haben es begriffen“, sagt sie. Auch ihre Kollegin Jenny Starke bestätigt: „Ich liebe und lebe meine Arbeit.“ Sie ist seit vier Jahren an der Köriser Schule, hat dort anfänglich als pädagogische Unterrichtshilfe gearbeitet, wollte mehr erreichen und hat sich berufsbegleitend an einer Fachschule als Sonderpädagogin ausbilden lassen. Doch sie wollte für alle Schülerinnen und Schüler da sein, nicht nur für die Integrationskinder – und hat sich für den Seiteneinstieg entschieden.

 

Jenny Starke. Foto: Peter Mittwoch

Jenny Starke. Foto: Peter Mittwoch

 

Seit Januar ist Jenny Starke als Lehrkraft für 27 Stunden in der Woche angestellt. Sie lehrt in der Grundschule Sachkunde und Deutsch, ist zweite Klassenleiterin für eine 1. Klasse. Stets sei sie sehr respektvoll von den Lehrerkolleginnen und -kollegen behandelt worden. Sie wurde sofort in den „Vollunterricht“ einbezogen, könne sich jederzeit Rat holen und würde ihrerseits um Rat gefragt. „Alle vier machen ihre Sache gut, ich kann nichts Negatives über sie sagen“, bestätigt Schulleiterin Manon Hähnel. Wenn sie nicht da wären, müsste Unterricht ausfallen, stellt sie fest. „Das Modell der Seiteneinsteiger finde ich gut, einige sind für diesen Beruf geboren.“ Sicherlich hätten ausgebildete Lehrkräfte einen Vorsprung in Didaktik und Methodik, so Manon Hähnel. Aber in den Lernergebnissen spiegele sich das an ihrer Schule nicht wider, die seien ähnlich.

 

„Lehrer zu sein, ist eigentlich eine Berufung. Da gibt es sowohl ausgebildete Vollpädagogen, die in der Praxis nicht klarkommen, als auch gute Seiteneinsteiger, die ihre Schüler super motivieren können, den Stoff prima vermitteln.“
Georg Hanke, Kreiselternsprecher

 

Also alles gut mit den Seiteneinsteigern? Im Prinzip ja, sagt Georg Hanke, Kreiselternsprecher im Landkreis Dahme-Spreewald. Obwohl es natürlich immer auf den Einzelfall ankomme. „Lehrer zu sein, ist eigentlich eine Berufung. Da gibt es sowohl ausgebildete Vollpädagogen, die in der Praxis nicht klarkommen, als auch gute Seiteneinsteiger, die ihre Schüler super motivieren können, den Stoff prima vermitteln – und umgekehrt.“ Mitunter sei ihm Kritik an Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern von den voll ausgebildeten Lehrern zu Ohren gekommen. Einigen Lehrkräften sei es suspekt, dass ihre jahrelange Uni-Ausbildung nun mit der der Seiteneinsteiger gleichgesetzt würde. Von Sorgen der Eltern wegen eines vielleicht schlechteren Unterrichts durch Seiteneinsteiger höre er dagegen selten. „Das Problem ist eher: Wie können wir überhaupt genug Lehrkräfte in die Schulen bekommen?“, sagt er.

 

Die vielen offenen Stellen vorrangig durch Seiteneinsteiger zu besetzten, sei sicherlich keine dauerhafte Lösung, sagt Brandenburgs GEW-Chef Fuchs. Schon jetzt seien an Grundschulen in Brandenburg 21 Prozent der Lehrkräfte keine studierten Vollpädagogen, an Oberschulen seien 20 Prozent Seiteneinsteiger, an Gymnasien sind es nur zwei Prozent. Das sei nicht unbegrenzt ausbaubar, so Günther Fuchs. Priorität hätten auf jeden Fall voll ausgebildete Pädagogen. Daher sei es wichtig, die vorhandenen Studienplätze und die Bedingungen im Lehrerberuf für angehende Pädagogen attraktiver zu machen. Von den 1100 Plätzen an Brandenburgs Hochschulen seien derzeit nur 800 besetzt. Dazu komme noch eine nicht geringe Abbruchquote. Fehlende Lehrer blieben mindestens in den nächsten zehn Jahren ein Problem, so der GEW-Chef, deshalb seien die Seiteneinsteiger in den nächsten Jahren nötig und willkommen.

 

Jenny Starke absolviert berufsbegleitend ein Jahr lang eine pädagogische Weiterbildung, so wie jede/r Seiteneinsteigerin und Seiteneinsteiger in Brandenburg. Einmal pro Woche ist sie selbst einen ganzen Tag lang Schülerin. Solange diese Weiterbildung nicht beendet ist, bleibt ihr Arbeitsvertrag befristet. Erst, wenn sie die sogenannte Lehrbefähigung in der Tasche hat, kann die Schulleitung befürworten, dass ihr Vertrag entfristet wird. Das Schulamt Cottbus entscheidet, ob sie tatsächlich unbefristet bleiben darf. In ihrer Qualifizierungsklasse gibt es ca. 20 Seiteneinsteiger. Aufgegeben habe bisher noch keine/r. Aber ein bis zwei ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler seien für den Job wahrscheinlich nicht so geeignet, schätzt Jenny Starke ein. Deren Interesse an der Weiterbildung lasse merklich nach, es häuften sich Entschuldigungen, Stunden werden versäumt.

 

Schulleiterin Manon Hähnel. Foto: Peter Mittwoch

Schulleiterin Manon Hähnel. Foto: Peter Mittwoch

 

„Sicher gibt es auch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, die denken: Naja sicherer Job, gutes Geld, und das mit den Kindern kriege ich schon irgendwie hin“, sagt die Köriser Schulleiterin Manon Hähnel. Sie habe aber bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Ganz so erging es ihrer Kollegin in Luckau, der Leiterin der dortigen Oberschule „An der Schanze“ Katrin Nauert, nicht. Der Wechsel in die Schule gelingt ihr zufolge nicht immer: „Manche überschätzen sich, sind einfach nicht fähig für den Lehrerberuf. Sie hören dann von selbst wieder auf oder bekommen es von uns gesagt.“ Als Seiteneinsteiger kann man sich inzwischen auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung bewerben, bleibt dann allerdings dauerhaft ohne formale Lehramtsbefähigung und geht mit einem geringeren Gehalt nach Hause. Zudem kann jeder Bewerber seine Fächer selbst wählen – sofern sie ausgeschrieben sind.

 

Ein weiterer Aspekt, der häufig übersehen wird: „In der Bevölkerung heißt es oft, dass Lehrerinnen und Lehrer nur etwa 25 Stunden pro Woche arbeiten. Das stimmt aber nicht. Ich komme mit Vor- und Nachbereitung auf mindestens das Doppelte“, berichtet Ulrike Nieter, die Luckauer Kunstlehrerin. „Man muss als Lehrkraft viel Zeit auch außerhalb der Stundentafel investieren.“ Sie ist dennoch glücklich, in ihrem Traumberuf arbeiten zu dürfen.

 

„Es fällt mir leicht, Dinge zu vermitteln. Was ich weiß, kann ich auch anderen Menschen erklären."
Ulrike Nieter, Seiteneinsteigerin in Luckau

 

„Ich wäre gerne schon früher Lehrerin geworden“, sagt Ulrike Nieter, „doch es hatte nicht geklappt“. Sie wurde stattdessen Mediengestalterin. Schon damals gab sie ihr Wissen an Lehrlinge weiter. „Es fällt mir leicht, Dinge zu vermitteln. Was ich weiß, kann ich auch anderen Menschen erklären. Kunst zu unterrichten, ist ohnehin kein Problem für mich.“ Ulrike Nieter engagiert sich seit Jahren als freiberufliche Künstlerin. Mit ihrer Kreativität und offenen Art macht sie auch die Schülerinnen und Schüler neugierig auf Kunst. Sie habe, schätzt sie aus heutiger Sicht ein, 15 Jahre lang im falschen Beruf gearbeitet. Jetzt scheint sie angekommen zu sein: „Die Schülerinnen und Schüler sind ganz offen zu mir – von Beginn an. Sie haben sich gefreut, dass ein ´verrücktes Huhn´ zu ihnen kommt. Und auch im Lehrerkollegium gab und gibt es keine Vorurteile gegen uns Seiten- und Quereinsteiger.“

 

Vor der Grund- und Oberschule Schenkenland in Groß Köris. Foto: Peter Mittwoch

Vor der Grund- und Oberschule Schenkenland in Groß Köris. Foto: Peter Mittwoch

 

Eigene Erfahrungen im Unterricht zu machen, helfe ihr, sagt Ulrike Nieter: „Ich vermittle Themen heute anders als vor fünf Jahren.“ Und das offenbar besonders gut: „Ich kann mir keine bessere Kunstlehrerin wünschen“, sagt die Schulleiterin. Sie sei sehr froh, dass das Fach Kunst wieder von einer kompetenten Lehrkraft unterrichtet werde, was nicht immer der Fall gewesen sei. Sieben Seiteneinsteiger unterrichten derzeit an der Oberschule in Luckau, elf waren es am Schuljahresbeginn. Nicht immer passt es. „Manche haben einfach falsche Vorstellungen“, sagt Katrin Nauert. Und Ulrike Nieter ergänzt: „Wer schon mit seinen eigenen Kindern nicht klarkommt, von ihnen schnell genervt ist, wird es als Lehrkraft schwer haben oder sogar scheitern.“ Doch ein Wermutstropfen bleibt: Dass Lehrkräfte, die nur einen Berufsabschluss haben, finanziell schlechter gestellt sind, als Lehrerinnen und Lehrer mit Studienabschlüssen, das ärgere sie: „Ein bisschen mehr Anerkennung wäre schön.“

 

„Die Praxis lässt einen scheitern oder wachsen. Ich bin, so glaube ich, gewachsen.“
Anita Masch, Seiteneinsteigerin in Groß Köris

 

Auch für Anita Masch und Jenny Starke gab es bislang kaum Zweifel an ihrer Entscheidung. „Nur einmal gab es eine Situation, in der ich von einem Schüler beleidigt wurde, und das emotional erst einmal verkraften musste“, erzählt Anita Masch. Aber jeder, Schüler wie Lehrer, haben auch einmal einen schlechten Tag. „Die Praxis lässt einen scheitern oder wachsen“, so Seiteneinsteigerin Masch: „Ich bin, so glaube ich, gewachsen.“ Jenny Starke macht die Arbeit mit den Grundschülern immer noch viel Freude. „Dafür braucht man Empathie, ich sehe immer den einzelnen Schüler, die sind alle individuell.“

 

Sind Seiteneinsteiger nun eher Lückenbüßer oder Retter im Schulsystem? Weder noch, schätzt GEW-Chef Günther Fuchs ein: Die einen kommen positiv im Schulsystem an, bei anderen geht es gründlich schief. Wichtig sei es nun, so Fuchs, „was wir für die Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger tun, die eingestellt wurden. Wie halten wir sie in den Schulen, wie qualifizieren wir sie weiter?“ Dafür gibt es seit kurzem die Möglichkeit nach der Lehrbefähigung weiter berufsbegleitend zu studieren, sich zu so genannten Bildungsamtsräten weiter zu qualifizieren und damit die Möglichkeit der Verbeamtung zu bekommen. Seiteneinsteigerin Anita Masch hat sich für diesen Weg entschieden.

 

INFO

  • Rund 1.600 Lehrer (Vollzeit) müssen für das nächste Schuljahr in Brandenburg neu eingestellt werden. Ca. 30 % der Neueinstellungen waren im letzten Schuljahr Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. 2021 waren es 20,9 Prozent, 2020: 32,5 Prozent.
  • Insgesamt unterrichten an Brandenburger Schulen im Schuljahr 2022/23 somit rund 3.100 unbefristet und befristet beschäftigte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Das sind 14,8 Prozent aller Lehrkräfte.
  • Brandenburg will künftig auch Bewerber mit einem Bachelor-Abschluss für den Seiteneinstieg zulassen, bisher ist dafür ein Master oder ein Diplom notwendig. Lehrkräfte ohne Hochschulabschluss.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 29. März 2023

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