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Spagat auf der Schiene

Es ist ein Spagat: ein bedarfsgerechter ÖPNV im ländlichen Raum. Ein Rufbus im Süden des Landkreises soll Verbesserungen bringen. Der Bahnhof Golßen wird ab Dezember stündlich angefahren. Was bringt der neue Landesnahverkehrsplan noch – und was fehlt?

 

Von Dörthe Ziemer

 

Wichtigste Neuerung im Landesnahverkehrsplan (LNVP): Der heutige RE5 wird durch den RE8b, der von Elsterwerda/Finsterwalde über Wünsdorf-Waldstadt nach Berlin-Hauptbahnhof fährt, ersetzt. Mit der Inbetriebnahme des so genannten Netzes Elbe-Spree wird der Bahnhof Golßen ab Dezember 2022 in der Hauptverkehrszeit stündlich (also häufiger als bisher) bedient. Nach Jahren des Bemühens werde hier ein Erfolg sichtbar, freute sich Christian Jank vom Amt für Kreisentwicklung, der die Stellungnahme des Landkreises zum LNVP erarbeitet hat. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zum neuen Landesnahverkehrsplan 2023-2027 (LNVP) haben auch zahlreiche Kommunen Stellungnahmen abgegeben, allen voran der Landkreis selbst, dessen Fachamt die wichtigsten Punkte im Kreisentwicklungsausschuss vorstellte.

 

Mit der Betriebsaufnahme in den neuen Vergabenetzen Elbe-Spree und Lausitz sowie durch Anpassungen im Netz Nord-Süd zum Dezember 2022 werde sich das Angebot an Regionalverkehrslinien erhöhen, heißt es im Entwurf des LNVP, zu dem bis vor kurzem Stellungnahmen von Institutionen und Bürgern eingereicht werden konnten, was viele Kommunen und der Landkreis selbst genutzt haben. Außerdem soll es laut Entwurf Taktverdichtungen an Wochentagen, Ausweitungen der Beförderungskapazität, Anpassungen am Laufweg und zusätzliche Leistungen im Früh- und Spätverkehr geben.

 

Doch im Detail stehe vieles noch nicht fest: So werde im Kapitel 1.1 die Einführung eines verlässlichen Stundentaktes tagsüber an Werktagen an Bahnhöfen versprochen – zu viele Einschränkungen, findet der Landkreis. „Hier sind Konkretisierungen und ein Zeitplan erforderlich“, sagte Christian Jank: „Ab wann gilt das, beispielsweise für Drahnsdorf und Walddrehna?“ Dies solle zudem die Priorität 1 bekommen statt 2. Für die Strecke Uckro-Wünsdorf rechnet Christian Jank zudem nicht mit einem Rückgang des Fahrgastaufkommens – wie im LNVP ausgewiesen. Wie so oft, das wurde ich der anschließenden Diskussion deutlich, bestimme das Angebot die Nachfrage: Wenn die Züge von Lübben aus häufiger und schneller in Berlin sind, pendelten die Leute eben zu den Bahnhöfen an dieser Strecke, statt über Uckro und Golßen zu fahren. Als Grund für die lange Fahrt auf der Berlin-Dresdner Bahnlinie macht Lothar Treder Schmidt (Bündnis 90/Grüne) den Umweg aus, den die Regionalbahn ab Blankenfelde nehmen muss – ein Fehler aus der Nachwendezeit, wie er sagt. „Früher ist man in 45 Minuten von Uckro am Potsdamer Platz gewesen“, erklärt er, seit dem Mauerbau sei bis heute aber ein Umweg notwendig. „Eine schlecht ausgebaute Strecke zieht eine schlechte Nutzung nach sich, wegen der kein Ausbau erfolgt: Das kann nicht sein“, kritisierte er.

 

Konkretisierungen und Zeitplan fehlen

Die Studie des Landkreises für die Linie RB22 über den Flughafen BER in Richtung Lübben hat einen großen Bedarf nach einem mehr als stündlichen Angebot für alle Bahnhöfe an dieser Strecke ergeben. Geplant ist nun, die RB22 bis Groß Köris zu führen, was zu einem zweifachen Angebot pro Stunde führen würde – allerdings für den Zeitraum ab 2030+. Hier könnten Forderungen durch die Öffentlichkeit/die Politik hilfreich sein, um einen früheren Start zu erreichen, betonte Christian Jank.

 

Güterverkehr mitdenken. Foto: Karen Ascher

 

Auch die Wiederbelebung von Strecken ist Thema im LNVP. So sollen die Potenziale für die Reaktivierung der Strecke Luckau-Uckro-Lübben untersucht werden. Der Landkreis begrüßt, dass es diese Strecke in das 1. Paket des LNVP geschafft hat. Sie sei, sagte Christian Jank, ein wichtiger Baustein im Rahmen der Strukturentwicklung der Lausitz. Hierbei sei jedoch zu beachten, dass der Fokus nicht allein auf der Personenbeförderung liegen solle, auch der Güterverkehr auf der Schiene solle betrachtet und entwickelt werden. Schließlich lägen viele Bahnhöfe an dieser Strecke außerhalb der Ortschaften – da sei es günstiger, die Orte per Bus anzubinden.

 

Neuer Rufbus zwischen Golßen, Dahme und Luckau

Im Bereich des Rufbusverkehrs steht ab Juli eine Neuerung im Landkreis an. Gemeinsam mit dem Nachbarlandkreis Teltow-Fläming (TF) wird ein Pilotprojekt gestartet, bei dem ein Rufbus zwischen Luckau, Golßen und Dahme verkehrt. Dieser kann per App oder Telefon gebucht werden. Die bereits bestehenden und erfolgreichen Rufbusangebote im Nachbarlandkreis werden im Rahmen des kommunalen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) aus Haushaltsmitteln des Landkreises finanziert, teilt das Projekt Rufbus TF auf seinem Instagram-Account mit. „Mit Beschluss des gültigen Nahverkehrsplanes von 2021 bis 2025 ist das Rufbusangebot in Teilen des Landkreises als Grundbedarf festgelegt worden“, heißt es dort. „Damit und mit dem innovativen Bestellsystem wurde ein über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus beispielhaftes Mobilitätsprojekt im Landkreis Teltow-Fläming umgesetzt.“ Mit den Rufbussen würden rund 500.000 Fahrplankilometer pro Jahr gefahren, 3.183 Menschen nutzten die Rufbusse im Mai. über 20.000 waren es im Jahr 2021. Bei solchen Projekten sei es jedoch erforderlich, sagt Christian Jank aus der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald, dass bereits entwickelte App-Lösungen in die App des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg integriert werden. „Nicht, dass jeder seine eigene App entwickelt“, warnte er.

 

Thema U7-Verlängerung fehlt komplett

Ein Thema fehlt komplett im Landesnahverkehrsplan: die U-Bahn bis zum Flughafen BER. Im Gespräch ist, die U7 bis zum BER zu verlängern – doch strittig ist, wer dafür zuständig ist. Landrat Stephan Loge hatte bereits im jüngsten Kreisausschuss ausgeführt, dass er den Landkreis eher nicht in der Verantwortung sieht, eine U-Bahn zu bauen, obgleich U-Bahnen laut Personenbeförderungsgesetzt Straßenbahnen gleichgestellt sind und somit in der Verantwortung der Landkreis und kreisfreien Städte liegen. Doch die Verlängerung der U7 soll Passagiere zum Flughafen BER befördern – eine Aufgabe, von landesweiter Bedeutung, schätzt der Landrat ein. Vor diesem Hintergrund, führte Christian Jank weiter aus, irritiere es, dass „dieses bedeutende Einzelthema im LNVP überhaupt nicht auftaucht“. Der Ausschussvorsitzende Olaf Damm (CDU/FDP/Bauern) sagte, ihm sei das alles suspekt: „Erneut mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass sich das Land aus der Verantwortung stiehlt, das ist nicht zu tolerieren.“ Weiterer Kritik der Ausschussmitglieder folgte der Vorschlag, das Thema gesondert auf die Tagesordnung zu heben, um eine Stellungnahme oder einen Beschluss auf den Weg zu bringen.

 

Ein Thema felt komplett... Foto: Karen Ascher

 

Dem schloss sich Heike Zettwitz, zuständige Dezernentin beim Landkreis, an und empfahl einen Sachstandsbericht, aus dem hervorgeht, wer wofür zuständig ist und welche Fördermöglichkeiten es gibt. „Dann gewinnen wir Klarheit und können Schritte aufzeigen, um aus dieser Hängepartie herauszukommen“, sagte sie. Genau diesen Weg schlägt auch die Gemeinde Schönefeld vor. „Zwingend ist jetzt eine Kosten-Nutzen-Analyse, um Notwendigkeit und Realisierungschancen des Projektes besser einschätzen zu können. Dazu müssen alle Entscheider an einen Tisch“, teilt Pressesprecherin Solveig Schuster die Position Schönefelds mit. Aus Sicht der Gemeinde und ihrer Kommunalpolitiker*innen müsse der Druck auf die Landesregierung diesbezüglich erhöht werden. Schönefeld hat eine eigene Stellungnahme zum LNVP erarbeitet.

 

Schulzendorf fordert U7

Der Forderung nach einer Verlängerung der U7 stimmen mehrere Kommunen zu, so auch Schulzendorf. Die Gemeinde werde „als Mitglied der Flughafenregion auf das im Landesverkehrsplan fehlende Projekt ‚Verlängerung der U7‘ hinweisen“, teilt Bürgermeister Markus Mücke mit. „Man kann davon ausgehen, dass die Verlängerung der U7 bis nach Schönefeld die Nutzung des ÖPNV ausweiten und den Individualverkehr reduzieren wird. Weiterhin würde die Verlängerung der U7 für Arbeitnehmer aus Schulzendorf, die nach Berlin pendeln, eine Alternative darstellen.“

 

Schönefeld: Mehr Mobilität für Wachstumskern

Darüber hinaus enthalte der Plan „keine Aussagen zur Schaffung eines Mobilitätsrückrats für die Region des Regionalen Wachstumskerns ‚Schönefelder Kreuz‘ sowie des gesamten Flughafenumfelds“, teilt Solveig Schuster weiter mit. Zudem werde das aktuelle ÖPNV-Angebot im Gemeindegebiet als unzureichend eingeschätzt, dies betrifft auch die Takt-Verlässlichkeit. In der Gemeinde wird ein Bedarf an einer erhöhten ÖPNV-Ausstattung mit Stadt-Umland-Bussen gesehen, auch werden mögliche Synergien durch landkreisübergreifende Angebote zu wenig genutzt. Weitere Bedarfe gebe es vor allem bei Park&Ride- und  Bike&Ride-Plätzen. „Zu prüfen ist ferner der Einsatz von Rufbussen, die auch in Schönefeld eine Bereicherung des Angebotes darstellen würden und vor allem für die kleineren Orte eine sinnvolle Ergänzung sind.“

 

Emissionsschutz für Bahntrasse in Zeuthen

Auch Zeuthen habe eine eigene Stellungnahme erarbeitet, teilt Bürgermeister-Referentin Kathi Mende mit. In diese seien u.a. auch unberücksichtigte Forderungen aus dem Jahr 2018 aufgenommen worden, darunter, die Beurteilung des Emissionsschutzes gegen den Lärm und Erschütterungen, die durch die Bahntrasse erzeugt werden, die immerhin auf drei Kilometern durch die Gemeinde führt; eine lärmverträgliche, umweltschonende und möglichst konfliktfreie Entwicklung von Verkehrsverbindungen in Bezug auf Wohn- und Lebensqualität; die Errichtung einer niveaufreien Querungsmöglichkeit der Bahntrasse am Bahnübergang Forstweg in Zeuthen und der zweigleisige Ausbau der Bahn zwischen Zeuthen und Königs Wusterhausen.

 

Anbindung des Bahnhofes Luckau-Uckro wichtig

Für die Stadt Luckau sei nicht nur wichtig, dass sich die Verwaltung an der Stellungnahme beteilige, sondern auch die Bürger, teilt Ordnungsamtsleiter Thomas Schäfer mit. „Entsprechend haben wir für eine aktive Beteiligung auf unseren Sozialen Kanälen und im Luckauer Lokalanzeiger seit Mai 2022 geworben“, sagt er. „Leider sind die Beteiligung und das Interesse bisher eher als gering zu bewerten.“ Verbesserungspotenzial sieht die Stadt Luckau vor allem in Bezug der Anbindung vom Bahnhof Uckro in Richtung Luckau bzw. in Richtung Dahme, da für Reisende oft sehr lange Wartezeiten entstünden. Verbesserungen hierbei erwartet er von dem Rufbus, der ab Juli in dem Bereich startet. „Unser Vorschlag hierzu war ergänzend auch ggf. über einen zusätzlichen PlusBus nachzudenken, da nicht jeder Fahrgast mit dem Angebot des Rufbusses zurechtkommen wird und dieser auch eine notwendig Vorlaufzeit in Bezug auf die Reservierung bedarf.“

 

Der LNVP bzw. die Stellungnahme des Landkreises dürften einigen der weiteren Luckauer Forderungen entgegenkommen, so die häufigere Taktung des RE 5 ab 9 Uhr auf stündlich sowie die Reaktivierung der Bahnverbindung Uckro / Luckau / Lübben. „Auch verlangen der geplante Ausbau des Bahnnetzes und die Reaktivierung von Bahngleisen einen Blick über den Tellerrand hinaus – in Bezug auf Pendlerparkplätze, Fahrradparken, Car-Sharing und weitere Infrastruktur (z.B. Ladesäulen), um eine grundlegende Attraktivität zu schaffen“, fordert Thomas Schäfer. Dies sei auch im bzw. am Zug und Bus erforderlich: „Es sollten ausreichend Möglichkeiten geschaffen werden, z.B. um ein Fahrrad mitzunehmen zu können (Fahrradträger, Anhänger, Halterungen in den Zügen usw.).“ Die Corona-Pandemie habe einen Fahrradboom ausgelöst, so Schäfer, dieser Trend solle gehalten und weiter gefördert werden.

 

Golßen mit eigenem Verkehrskonzept

Das Amt Unterspreewald werde zwar keine offizielle Stellungnahme einreichen, teilt Amtsdirektor Marco Kehling mit. Doch aus einem Bürgerdialog zum Thema Verkehr sei hervor gegangen, dass die derzeitige zweistündige Taktung des Schienenverkehrs in Golßen auf besonders großes Unverständnis stoße. Eine einstündige Taktung könne helfen, die hohe Auslastung auf der parallelen Strecke Berlin – Cottbus zu entlasten. „Pendler aus Golßen müssten demzufolge nicht mehr auf das Auto zurückgreifen, um die etwa 12 Kilometer entfernte Haltestelle Brand Tropical Islands anzufahren“, teilt Marco Kehling mit. Die Stadt Golßen arbeite derzeit an einem Verkehrskonzept – erste Ergebnisse sollten über die Beteiligungsplattform einreicht werden.

 

Trend 9-Euro-Ticket

  • Vom 1. bis 7. Juni 2022 sind insgesamt 5.500 einzelne 9-Euro-Tickets verkauft worden, teilt die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) in ihrem Geschäftsbericht für den Kreisausschuss mit.
  • Sie weist zugleich auf wirtschaftliche Konsequenzen hin: „Große Sorge besteht hinsichtlich der damit verbundenen hohen Einnahmerückgänge, da die festgelegte Kostenerstattung des Bundes zeitlich verzögert gewährt wird.“
  • Mit den Zeitkarten, die ebenfalls als 9-Euro-Tickets gelten, entfielen 63 % des Umsatzes auf 9-Euro-Tickets, heißt es weiter. Zu Pfingsten seien die Busse der RVS zeitweise gut ausgelastet gewesen – dennoch konnte jeder Fahrgast mitgenommen werden.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Do, 30. Juni 2022

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