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Freie Blicke aufs Wasser

Die letzte Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs von Schlepzig nach Lübben ist die Spreewald-Tour, denn sie führt nahezu durchweg an der Hauptspree entlang. Im zeitigen Frühjahr, wenn die Bäume noch kein Laub tragen, ist der Blick vom Weg auf das Wasser schön frei.


Über den Paul-Gerhardt-Weg

Er ist von Nord nach Süd durch den heutigen Landkreis Dahme-Spreewald gezogen und hat mit seinen Versen Menschen Trost gespendet – in einer Zeit, die von Krieg, Hunger und Entbehrung geprägt war, und in einer Region, die schon vor hunderten Jahren als Streusandbüchse oder Walachei bezeichnet wurde. Die Rede ist von Paul Gerhardt (1607-1676), dem Pfarrer und Kirchenlieddichter, dessen Verse weltweit gesungen werden. Nach einer Anstellung in der Berliner Nicolaikirche wirkte er zunächst in Mittenwalde, später in Lübben und verstarb schließlich dort.

 

Heute kann man auf seinen Spuren wandeln, sich seiner Person und seinem Schaffen nähern und zugleich die Städte und die Region, in denen er gewirkt hat, entdecken: Der Paul-Gerhardt-Wanderweg führt auf rund 140 Kilometern von Berlin nach Lübben – heraus aus der Metropole, hinein in Südbrandenburger Kleinstädte, ins Dahme-Seengebiet und schließlich in den Spreewald. Von Walachei und Streusandbüchse keine Spur, dafür gibt es Geschichte und Gegenwart, Kultur und Natur, Texte und Gesang in Hülle und Fülle…


Die letzte Etappe führt auf rund 16 Kilometern von Schlepzig nach Lübben. Es ist die Spreewald-Tour, die nahezu durchweg an der Hauptspree entlangführt. Aber nur im zeitigen Frühjahr und späten Herbst (und im Winter, wenn man mag), wenn die Bäume kein Laub tragen, ist der Blick vom Weg auf das Wasser schön frei. Zwischen Lübben und Schlepzig gibt es eine gute Busverbindung, sodass man an der Haltestelle vor der Kirche starten und selbige zum Ausgangspunkt der Erkundungen nehmen kann.

 

Wanderung an der Hauptspree. Foto: Dörthe Ziemer

Wanderung an der Hauptspree. Fotos: Dörthe Ziemer

Wach auf, mein Herz, und singe - das begleitende Lied dieser Tour. Foto: Dörthe Ziemer

Wach auf, mein Herz, und singe - das begleitende Lied dieser Tour.

 

Ob Paul Gerhardt den Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses kannte, ist nicht überliefert. Die heutige Fachwerkkirche in schlichtem Barock wurde 1782 eingeweiht, nachdem der Vorgängerbau einem schrecklichen Brand zum Opfer fiel, der einen großen Teil des 1004 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes erfasst hatte. Besonders beeindruckend ist der an die Holzdecke gemalte Wolkenhimmel. Dem Himmel darf sich auch der Wanderer auf Paul Gerhardts Spuren nah fühlen – entweder, weil die vielen Fischteiche an der Wegstrecke diesen so intensiv widerspiegeln, oder weil zwischen Graureiher- und Gänserufen, Schwanengesang und dem Gezwitscher von Singvögeln das Göttliche einfach irgendwie näher scheint.

 

Schließlich darf man sich dem Himmel, Glaubensfragen und Paul Gerhardt auf dieser Tour auch singend nähern – dazu wird in den Touristinfos das zur Tour gehörende Liedblatt zu „Wach auf, mein Herz, und singe“ ausgegeben. Man kann es in das Begleitbuch zur Tour einlegen und hat, wenn man alle Abschnitte des 140 Kilometer langen Paul-Gerhardt-Weges gelaufen ist, eine kleine Liedsammlung.

 

Von der Kirche aus geht es in Richtung Dorfzentrum, das sich behutsam, aber selbstbewusst zu einem touristischen Zentrum im besten Sinn gemausert hat: Es bietet viel zum Entdecken und ist doch selten überlaufen. Zwischen Brauerei und Brennerei, alter Mühle und guter Küche, Weidendom und viel Fachwerk lässt es sich gut rasten – aber dies sei dem Ende der Tour vorbehalten, sofern man an den Ausgangspunkt zurückkehren möchte.

 

Whiskey-Brennerei. Foto: Dörthe Ziemer

Whiskey-Brennerei.

Kirche in Schlepzig. Foto: Dörthe Ziemer

Kirche in Schlepzig.

Hofladen. Foto: Dörthe Ziemer

Hofladen. Fotos: Dörthe Ziemer

 

 

An der Schlepziger Mühle, Teil einer einstigen Dreifachmühle, geht es nach links in Richtung Inselteich, Petkampsberg und Lübben. Dörfliches Flair und vielleicht ein kurzer Stopp am idyllischen Café an der Spree geleiten den Wanderer hinaus zu den Fischteichen, die von der Peitzer Edelfisch GmbH bewirtschaftet werden. Vor allem Karpfen, aber auch Hechte, Zander, Welse, Barsche und andere Fische werden von hier aus deutschlandweit ausgeliefert. Was sich unter Wasser abspielt, kann man in der Zweigstelle des Biosphärenreservates Spreewald, in der Alten Mühle, in einer Ausstellung erfahren.

 

Die Tour führt rechts am Inselteich vorbei, auf dem Damm zwischen Teichen und Hauptspree. – Hinein also in eine Geräuschkulisse aus hunderten Vogel-Kehlen! Im Frühjahr, wenn das Gestrüpp am Ufer der Hauptspree es noch zulässt, lohnt es sich, immer wieder ans Spreewasser heranzutreten. Ist es still, ergeben sich zauberhafte Spiegelbilder aus den Ästen der Bäume. Hier im Biosphärenreservat dürfen umgefallene Bäume so liegen bleiben, wie es die Natur vorgesehen hat: Skurrile Wurzelballen und krakelige Astformen nehmen es mit so manchem Kunstwerk auf, ja sie scheinen geradezu Modell gestanden zu haben.

 

Äste. Foto: Dörthe Ziemer

Äste.

Rast. Foto: Dörthe Ziemer

Rast am Großen Inselteich.

Äste. Foto: Dörthe Ziemer

Äste. Fotos: Dörthe Ziemer

 

Am Dauercampingplatz Petkampsberg und der dazugehörigen Gaststätte lohnt sich eine ausgiebige Rast. Wild von heimischen Jägern, Fisch aus brandenburgischen Gewässern oder dem hauseigenen Räucherofen, Spreewälder Gurken und Lausitzer Leinöl, Spreewälder Pesto und Kräuter sowie süße Plinsen gehören zu den Spezialitäten des Hauses. Dazu ein frisches Radler oder Spreewälder Obstsäfte und dem Treiben der ankommenden und abfahrenden Wassersportler zuschauen!

 

Nach etwa zwei Dritteln gabelt sich der Weg – rechts geht es über das Hartmannsdorfer Wehr in Richtung Lübben. Der Paul-Gerhardt-Weg führt dort nicht entlang, aber es lohnt sich, das neu gebaute Wehr einmal anzuschauen. Die Stauhaltung an dieser Stelle beeinflusst die Unterwasserstände im Lübbener Stadtgebiet. Seit 1938 in Betrieb, wurde die Anlage im Zuge des Spreeausbaus Mitte der 1980er Jahre erweitert. Rekonstruiert und neu eingeweiht wurde sie 2019. Ein 75 Meter langer Fischpass sorgt dafür, dass die Tiere das Wehr problemlos passieren können.

 

Am Gasthaus Petkampsberg. Foto: Dörthe Ziemer

Am Gasthaus Petkampsberg.

Hartmannsdorfer Wehr. Foto: Dörthe Ziemer

Hartmannsdorfer Wehr.

Hauptspree. Foto: Dörthe Ziemer

Hauptspree. Fotos: Dörthe Ziemer

 

Der Weg führt vom Wehr nach links weg. Kurz darauf taucht man nach rechts in einen Buchenwald ein, Sümpfe und schmale Fließe säumen den Weg, bevor es in Richtung Lehnigksberg, auf dem Damm entlang der Hauptspree weitergeht. Ein Mittagsschläfchen am Wasser bietet sich an oder eine Abkühlung der Füße in der Spree, bevor als Stärkung für die letzten Meter nach Lübben hinein ein Kaffee mit hausgebackenem Kuchen am Gasthaus Lehnigksberg wartet.

 

Lübben begrüßt den Wanderer mit einer lebendigen Kleingartensiedlung direkt am Wasser. Hier blüht und grünt es, wird gehämmert, geschafft und am Gartenzaun geschwatzt. An Paul Gerhardt erinnert schließlich das altehrwürdige Gymnasium, das sich seit gut 100 Jahren an diesem Standort befindet und den Namen des großen Sohnes der Stadt trägt. Von hier aus geht es nach links in Richtung Innenstadt – direkt am Paul-Gerhardt-Zentrum vorbei.

 

Paul-Gerhardt-Gymnasium. Foto: Dörthe Ziemer

Paul-Gerhardt-Gymnasium Lübben.

Paul-Gerhard-Zentrum Lübben. Foto: Dörthe Ziemer

Paul-Gerhard-Zentrum Lübben. Fotos: Dörthe Ziemer

Museum Schloss Lübben. Foto: Dörthe Ziemer

Museum Schloss Lübben.

 

Das kleine Museum über das Leben Paul Gerhardts wurde 2016 eröffnet und ist dem Engagement des Paul-Gerhardt-Vereins zu verdanken, der sich zur Vorbereitung des Festjahrs 2007 anlässlich des 400. Geburtstages des Dichters gegründet hatte. Zahlreiche Texte und Hörproben machen das Museum zu einer Fundgrube für alle, die mehr über den Dichter erfahren wollen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Liederbuch- und Videoausstellung in der Paul-Gerhardt-Kirche. 

 

Paul Gerhardt verbrachte von 1669 bis 1676 seine letzten Lebensjahre in Lübben, in denen er in bescheidenen Verhältnissen lebte. Die damalige Nikolaikirche wurde 1930 in Paul-Gerhardt-Kirche umbenannt, und das ihm gewidmete Denkmal steht seit 1907, anlässlich seines 300. Geburtstages, vor der Kirche.

 

Wen nun die Füße noch tragen, der sollte die Lübbener Schlossinsel erkunden – ein kurzweiliges, grünes Kleinod ganz in Citynähe. Allerdings finden sich zwischen Paul-Gerhardt-Kirche und Schlossinsel auch zahlreiche Cafés und Restaurants, sodass man sich den grünen Teil Lübbens für den Folgetag aufsparen sollte. Dann bleibt auch genügend Zeit, um das Museum Schloss Lübben zu erkunden, das einen tiefen Einblick in die Geschichte der Stadt und der Niederlausitz sowie das Brauchtum und die Trachten der Sorben/Wenden bietet. Die Sonderausstellungen widmen sich häufig der neueren Zeit und beziehen dabei Zeitzeugnisse der Lübbener mit ein. So springt man, wie auf der Wanderung insgesamt, zwischen Gestern und Heute hin und her.

Blick auf den Großen Inselteich. Foto: Dörthe Ziemer

Blick auf den Großen Inselteich. Fotos: Dörthe Ziemer

Noch geben die Bäume die Blicke aufs Wasser frei... Foto: Dörthe Ziemer

Noch geben die Bäume die Blicke aufs Wasser frei...

Kurz vor der Stadt... Die Spree bei Lübben. Foto: Dörthe Ziemer

Kurz vor der Stadt... Die Spree bei Lübben.

 

Streckeninfos:

Streckenlänge: 16 km

Beschaffenheit: eben, Waldboden, befestigte Wanderwege, am Start und Ziel wenige asphaltierte oder gepflasterte Wege

Anreise: Ab Lübben (Bahnhof, Lindenstraße oder Frankfurter Straße) mit dem Bus 506 nach Schlepzig / Kirche; tgl. zwischen 6 und 18 Uhr ein- bis zweistündlich.

Streckeninfos online: Etappe 9: "Paul-Gerhardt-Weg"

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 28. März 2022

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