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Begegnungen auf dem Wochenmarkt

Nach dem Lockdown hat sich ein echter Run auf Märkte entwickelt. Das gilt nicht nur für die Spezial- und die zentralen Wochenmärkte, sondern auch für kleine Kommunen. Denn neben frischen regionalen oder auch internationalen Produkten gibt es dort: Begegnung.

 

Von Dörthe Ziemer

 

Es stehen zwar nur drei Wagen und ein Gemüsestand auf dem Markt in Teupitz, aber es kommen immer wieder Menschen, um sich freitags für das Wochenende mit Fleisch- und Wurstwaren, Brot und Brötchen, Lein- und anderen Ölen, Obst und Gemüse sowie Milch- und Räuchereierzeugnissen einzudecken – und ein Schwätzchen zu halten. „Manche Besucher erzählen, dass sie hier Menschen treffen, die sie jahrelang nicht gesehen haben“, sagt Manuela Steyer, Stadtverordnete in Teupitz, die die Idee zu dem Markt hatte. Zuspruch bekam sie sofort von allen Seiten – von den Einwohnern sowieso, aber auch von der Amtsverwaltung. Und die Händler – ein Fleischer aus Lübben, ein Bäcker aus Schönwalde, die Kanow-Mühle aus Sagritz und ein Händler aus Polen – sind zufrieden. „Einer hat sogar seinen Stand in Ludwigsfelde aufgegeben“, erzählt Manuela Steyer.



Rings um den Teupitzer Marktplatz gibt es keine Lebensmittelgeschäfte mehr, dabei scheint der fast kreisrunde Platz mit Rondell in der Mitte wie gemacht für einen gemütlichen Bummel oder einen kurze Auszeit auf der Bank. Doch die großen Einkaufsmärkte, die gibt es natürlich auch in Teupitz und Umgebung. Um da mitzuhalten, braucht es mehr als frische Produkte: Es braucht Begegnung. Deshalb hat Manuela Steyer zusätzlich den MarktTreff iniziiert – einen Stand, den Teupitzer Vereine und andere Akteure nutzen können, um mit den Teupitzern und ihren Gästen ins Gespräch zu kommen. Die Grundschule war schon da, und es sollen künftig auch Basteleien, Schmuck, aber auch Beratungen etwa zu Renten angeboten werden.


Die Bedeutung eines Wochenmarktes als soziale Begegnungsstätte sei enorm, sagt Nadin Kilian, Handelsreferentin bei der Industrie- und Handelskammer Cottbus. „Gerade jetzt, nach dem Lockdown, dürsten viele regelrecht nach Begegnung und Austausch“, schätzt sie ein. „Viele zelebrieren den Wochenmarktbesuch regelrecht – genießen die Morgensonne, die Düfte, die persönlichen Gespräche mit den Händlern, aber auch mit Bekannten.“

 

Hof Schönfeld

Woitaß Fischerei

Maiwald Frischgeflügel

 

Nichtsdestotrotz kommt es auch auf das Angebot an. „Je bunter das Sortiment, desto besser der Wochenmarkt“, erklärt die Expertin. Außerdem komme es auf Sauberkeit an, was aber nicht bedeute, dass der Wochenmarkt clean sein müsse. „Klar fällt von Kartoffeln noch Erde ab“, sagt sie, „authentisch muss es sein“. Sie stellt einen „deutlichen Trend zu regionalen Produkten“ fest. Das Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln sei, gerade auch bei jungen Familien, stark gestiegen.

 

Das gelte insbesondere für die Heimatmärkte, die es inzwischen in Lübben, Luckau und nun auch in Golßen gibt. Sie finden nur zwei bis vier Mal pro Jahr statt und wenden sich explizit an regionale Hersteller. „Gerade auch die immer gesundheitsbewusster werdenden Kunden achten auf kurze Transportketten, auf frische und gesunde Waren und nutzen gern den Händler ihres Vertrauens“, sagt Nadin Kilian. „Da haben sich über die Jahre feste Stammkundschaften entwickelt.“

 

Spreewaldfarm

Kleiner Landhof Ragow

Landbäckerei Schulze


Das können Händler und Kunden auf dem Königs Wusterhausener Wochenmarkt nur bestätigen. Doris Paulenz, von Stammkunden liebevoll Apfel-Doris genannt, bringt Äpfel aus eigenem Anbau und andere Produkte aus dem Spreewald mit. „Wir haben tolle Kunden“, lobt sie und erklärt das Geheimnis eines guten Marktes so: Ein Wochenmarkt müsse Ländliches anbieten, aber nicht alles an jedem Stand. Was Apfel-Doris nicht im Angebot hat, hat eben der Nachbar.

 

Weniger auf ein regionales als auf ein internationales Angebot setzt Käsehändler Matthias Sparwasser. „Die Kunden wollen eben auch mal den Käse, den sie in Frankreich probiert haben, zu Hause essen“, ist seine Erfahrung. Er kann an die 40.000 Sorten Käse beschaffen. Entsprechend ist auch ihm ein vielfältiges Angebot auf dem Wochenmarkt wichtig: „Es kommt auf die Abwechslung an“, sagt er, „also nicht nur zweimal Lebensmittel und sonst Non-Food“. Für Kevin Hasler von „Omas rollender Backofen“ kommt es auch auf die Qualität an. Bei ihm stammen die Backwaren frisch aus dem Ofen, es gibt krosses Brot und Blechkuchen wie von Oma gebacken.

 

Landmetzgerei Rubel

Gärtnerhof Kuschkow

Fleischerei Tischler

 

Die Händler stimmen darin überein, dass ein gutes Angebot für einen guten Markt, also auch zufriedene Kunden sorgt. „Wir haben ein gutes Marktpublikum“, lobt Karin Lassetzki, die Nachtwäsche, Unterwäsche, Hüte, Sonnenbrillen und mehr anbietet. Wie auf Knopfdruck sagt eine Kundin prompt: „Ich komme nur zu Ihnen.“ Der Verkäufer müsse wiedererkennbar sein, so Karin Lassetzki. „Ich höre mir eben auch mal die Sorgen der Kunden an“, berichtet sie. Und ist damit schon wieder bei der wichtigen, wenn nicht gar entscheidenden sozialen Komponente des Markttreibens.

 

Fleißdorfer Gemüse

Konditorei Klinkmüller

Gärtnerei Steinkirchen

 

Den Text haben wir illustriert mit Händler-Steckbriefen vom Lübbener Wochenmarkt, gestaltet von der Künstlerin Karen Ascher und freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Ernährungsrat Spreewald und vom Spreewaldverein.

 

INFO:

  • Tipps zu Wochenmärkten und regionalen Produkten hat der Landkreis Dahme-Spreewald hier zusammengestellt.
  • Mehr Infos zu den Heimatmärkten gibt es hier bei der IHK.
  • Märkte und mehr im Dahme-Seenland und im Spreewald kann man auf der Seite Reiseland Brandenburg aufrufen oder Sie filtern in unserem Veranstaltungskalender.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Do, 12. August 2021

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