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Elternwille, Lehrerforderungen – und: Schülermeinung!

Eltern fordern dies, Lehrerverbände kritisieren das – so war es während der Pandemie oft in den Medien zu lesen. Doch wie und wo entsteht der Elternwille, wie formieren sich Lehrermeinungen – und wo bleiben eigentlich die Schüler?

Von Dörthe Ziemer

Man bekommt sie ans Telefon, wenn sie im grünen Schwesternkittel in der Pause sitzt oder abends nach dem Spätdienst nach Hause fährt oder das Schulabschlussfest vorbereitet: Nicole Graser ist als Elternsprecherin aus Töpchin bis in den Landesschulbeirat vorgedrungen und damit auf allen Ebenen der schulischen Mitwirkungsgremien aktiv. Maryam Shamoon meldet sich aus dem Homeschooling per Mail stets prompt zurück. Die Zwölftklässlerin ist seit zwei Jahren im Kreisschüler- und im Kreisschulbeirat Dahme-Spreewald aktiv.

Hartmut Stäker und Georg Hanke wiederum sind es gewohnt, hier und da Gesprächstermine zwischenzuschieben, ob tagsüber zwischen Unterrichtsstunden oder spätabends nach langen Sitzungen. Der Lehrervertreter des Oberstufenzentrums Dahme-Spreewald im Landeslehrerrat und der Vorsitzende des Kreiseltern- und Kreisschulbeirates Dahme-Spreewald engagieren sich seit vielen Jahren in den schulischen Mitwirkungsgremien.

Alle Mitwirkenden eint, das Beste für die Schulen und alle Beteiligten erreichen zu wollen. Wie die Willensbildung an den Schulen funktioniert und warum sich die Vier überhaupt so einer Aufgabe widmen, erzählen sie im Interview. Das wurde aus zeitlichen Gründen in zwei Sitzungen geführt – zunächst mit den beiden Herren, zwei Wochen später mit den beiden Frauen. Bei allen zeigt sich, dass Selbstwirksamkeit, also mit dem eigenen Engagement etwas bewirken zu können, der wichtigste Motivator ist.

Wie sind Sie zu Ihrem Amt gekommen? Welche Erwartungen hatten Sie und wie wurden diese erfüllt?

Nicole Graser: Zum Amt als Elternvertreter bin ich ganz klassisch gekommen: Ich habe mich nicht schnell genug weggeduckt… In dieser Funktion habe ich mich oft geärgert, dass man nicht genügend einbezogen wird. Dann wurde ich Elternsprecherin der Schule, 2-3 Jahre später in den Kreiselternrat gewählt. Meine Vorgänger meinten, das bringe nichts. Ich habe mich im Kreiselternrat erkundigt, wohin man sich wenden muss, um etwas bewegen zu können. Dann habe ich mich mutig für den Landeselternrat gemeldet und kam in den Vorstand des Landeselternrates sowie als Mitglied zum Landesschulbeirat.

Rückblickend muss ich sagen: Ich habe irrsinnig viel Einblick bekommen, wie Elternarbeit funktioniert. Es war viel Arbeit, ich musste viel lesen uns recherchieren. Ich hinterfrage gern die Dinge kritisch. Ich möchte verstehen, warum manche Dinge wie und wo entschieden werden. Ich hatte mehr von der Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium erwartet. Vor Corona war es zugänglich, aber in der Pandemie hat man eine Überforderung gespürt. Auch in vielen Gremien hakte es mit der Kommunikation. Ich musste mich belehren lassen, dass viele Dinge politisch motiviert sind, und ich hatte den Eindruck, dass Eltern oft schmückendes Beiwerk sind. Das Anhörungsrecht wurde oft ausgehebelt. Es war meine erste Wahlperiode, und ich hatte größere Erwartungen, dass mehr bewegt werden kann. Dennoch bin ich zuversichtlich und motiviert, weiter im Namen der Eltern für unsere Kinder das Bildungssystem zu verbessern.

Maryam Shamoon: Ich war bereits außerhalb der Schule aktiv, im Jugendbeirat Königs Wusterhausen und ehrenamtlich im sozialen Bereich. In der 11. Klasse habe ich mich entschieden in den schulischen Gremien mitzuwirken – aus einem ähnlichen Grund wie Frau Graser: Ich habe mich gefragt, wo die Meinung der Schüler eigentlich bleibt. Ich hatte das Gefühl, die Meinungsbildung ging immer von den Lehrern aus. Dieses Gefühl hat Frau Graser ja gut beschrieben: so als würde man gegen eine Wand reden. Mein Beitritt in die Kreisgremien hat an diesem Eindruck nichts geändert: Was wir als Schüler angesprochen haben, wurde oft nicht berücksichtigt.

Man geht mit einer hohen Motivation rein, aber es ist kein Ergebnis zu sehen. Sich in so ein Gremium wählen zu lassen, bringt erstmal einen hohen Energieschub, aber die Energie wird einem schnell entzogen. Im Kreisschulbeirat wird nach meinem Empfinden die Meinung der Schüler immer als beratend angenommen. Leider waren wir als Schüler nur zu zweit, zuletzt war ich allein vertreten, obwohl wir hätten acht sein können.

Georg Hanke: Im Jahr 2002 wurde meine erste Tochter in der Grundschule eingeschult. Ich hatte mich vorher schon im Kita-Ausschuss engagiert. Wir hatten Schwierigkeiten mit der Sanierung des Gebäudes, da wollte ich nicht nur reden, sondern auch machen. In der ersten Elternkonferenz kamen ähnliche Themen zur Sprache: Die alte Turnhalle war baufällig, es wurden Speisesaal und Aula benötigt. Da wollte ich meine Erfahrungen aus dem Bereich Kita einbringen. So kamen erst die Themen, dann die Wahlen: Ich wurde Vorsitzender der Elternkonferenz, ein Jahr später Vertreter für die Kreisgremien. Für mich ist das Netzwerken ganz wichtig, deshalb habe ich mich auch für den Kreisschulbeirat gemeldet. In der konstituierenden Sitzung musste dann ein Vorsitzender gewählt werden, vorher durfte die Sitzung nicht beendet werden. So wurde ich 2003 Vorsitzender des Kreisschulbeirates, zehn Jahre später dann auch des Kreiselternrates.

Was auf mich zukommen würde, habe ich nicht so wirklich geahnt. Das war wohl auch gut so. Wenn man frisch reinkommt, fährt man keine alten Schienen. Ich habe mir erst nach der Wahl das Schulgesetz zur Hand genommen. Zugleich war es immer toll, wie die Arbeit durch das staatliche Schulamt und die Kreisverwaltung unterstützt wurde. Die zuständigen Dezernenten sind fast immer dabei – das ist sehr wichtig und eine Wertschätzung unserer Arbeit. Und es erleichtert die Informationsweitergabe.

Hartmut Stäker: Ich bin nach der Wende mit der Gründung des Pädagogenverbandes aktiv geworden. Ich habe mich für die Interessen der Kollegen eingesetzt. 1993 wurde ich in den Kreis und in den Landeslehrerrat gewählt, damals noch für Teltow-Fläming. 2006 wurde ich Lübben ans Oberstufenzentrum versetzt und habe mich dort nach einiger Zeit wieder eingebracht – im Kreislehrerrat, dessen Vorsitz ich heute innehabe, und später auch im Kreisschulbeirat. Seit 2017 bin ich wieder im Landeslehrerrat aktiv.

Wie groß waren die Herausforderungen während der Pandemie? Gab es aus Ihrer Sicht zuvor Vergleichbares?

Georg Hanke: Es gab immer besondere Herausforderungen, zum Beispiel die Schulschließungen Anfang der 2000er Jahre. So etwas zu begleiten, ist nicht schön. Auch die Diskussion um die Oberstufenverordnung und die neuen Leistungskurssysteme war teils sehr wild und emotional. Eltern hatten ihre Meinungen, die Schüler und Lehrer andere. Was jetzt in der Pandemie schwierig war: dass man mit vielem allein gelassen ist. Es gibt viele Vorbehalte gegen das Videoformat, um sich zu beraten. Ungünstig war es auch, dass manchmal zu wenig Infos aus dem Landeselternrat geflossen sind.

Hartmut Stäker: Es gab schon etliche andere Herausforderungen, die ich beispielsweise als Personalrat erlebt habe. Erst hatten wir das Problem des Lehrerüberhangs, dann die Teilzeitmodelle, gefolgt von Teilzeitverbeamtungen – dies habe ich immer auch in die Sitzungen hineingespiegelt. Dabei waren meine Infos aus dem Personalrat oder auch aus der Gewerkschaft nützlich – die konnte ich über den Landeslehrerrat in die Kreise weitergeben. Probleme konnten gelöst werden. Zur Jahrtausendwende gab es dann Schulschließungen und Zwangsversetzungen. Die Grundschulen in kleinen Dörfern brachen weg. Von dort kam der Frust dann in den Gremien an. Günstig war es dabei, die Gremien zu koppeln und die Infos aus allen Schienen zusammenfließen lassen, um Probleme zu lösen.

Nicole Graser: Der Lockdown war eine extreme Herausforderung – von jetzt auf gleich wurde man ins kalte Wasser der Gremienarbeit geworfen. Was mir als Krankenschwester entgegenkam – dass die Debatte sehr Medizin-lastig war. So konnten wir Fehlentscheidungen früh erkennen, aber wir haben damit kaum Gehör gefunden. Viele Sachen sind arg schiefgelaufen, z.B. als Corona-Tests bestellt werden sollten, war noch gar keine Handhabe da, um verpflichtend zu testen. Die bestellten Tests waren nicht für Kinder zulässig. Wir reden ja teilweise von 6-jährigen Kindern. Die Sichtweise der Eltern wurde häufig weggewischt mit dem Argument: Es ist Pandemie, und wir müssen jetzt entscheiden.

Die Elternmeinungen beim Thema Testen gingen stark auseinander: Es gab so gut wie keine Eltern, die das Testen in der Schule gut gefunden hätten, wie ursprünglich angedacht. Es gab viele Eltern, die wollten, dass die Kinder in die Schule gehen, egal, unter welchen Umständen. Und es gab die Eltern, die sagen, wir müssen halt testen, um sichere Schulen zu haben, da müssen wir jetzt durch. Und es gab Vorbehalte gegen das Testen generell. Das war eine wahnsinnige Herausforderung, dieses Spektrum abzubilden – etwa durch Umfragen in den Kreisen. Schön war, dass wir im Landeselternrat gut zusammengefunden haben. Zum Schluss hat es mit den Kreiselternrat auch gut funktioniert – von dort kamen viele gute Denkanstöße, die kann man gar nicht alle allein haben. Das ist klasse!

Maryam Shamoon: Bei den Schülern war es nicht so extrem – die Eltern haben ja mehr Verantwortung für ihre Kinder als die Schüler selbst. Im Kreisschülerrat war das Problem, dass wir keinen Vorsitzenden hatten. Der frühere war aus der Schule gegangen. Wir haben uns lange nicht treffen können. In den Schulen waren die Schüler teilweise extrem überfordert mit den Aufgaben. Für jedes der 10-11 Fächer hatten wir unterschiedlich viele Materialien und unterschiedliche Abgabetermine.

Wie hat das Zusammenwirken auf den verschiedenen Ebenen funktioniert?

Nicole Graser: Am Anfang waren die Rückkoppelungen schwierig, am Ende lief es gut – es kamen Rückmeldungen. Das lag vielleicht daran, dass im Frühjahr ein gewisser Pik überschritten war – man hatte sich irgendwie arrangiert mit dem Homeschooling, die Videokonferenzen waren verbreiteter. Am Anfang hatten sich viele Eltern geweigert, online zu kommunizieren. Als man den Weg gefunden hatte, lief es dann.

Interessant finde ich, dass Maryam aus der Schülerschaft gespiegelt hat, dass nicht für die Schüler gearbeitet wurde. Mein Eindruck war: Man entscheidet und macht, aber die Kinder werden oft vergessen. Ziel aller Beteiligten ist doch, gute Schulbildung und gute Sozialkompetenz unserer Kinder zu erreichen. Ich hatte oft das Gefühl, man rennt gegen Wände. Es geht doch um die Kinder – sie muss man fragen.

Georg Hanke: DIE Elternmeinung kann letztlich nur eine Mehrheitsmeinung sein. Die Bandbreite ist dabei sehr groß. Ich habe immer versucht, per Mail die Abfragen aus den Landesgremien weiterzugeben und wieder zurückzukoppeln. Das geht in Präsenzsitzungen natürlich besser. Teilweise wurde durch den Landeselternrat jedoch eine Meinung als DIE Meinung der Eltern vertreten, die aus unserer Sicht gar nicht der Mehrheitsmeinung entsprach.

Die Meinungseinholung ist natürlich schwierig – die einen Schulelternsprecher versuchen, die Anfrage in der Elternschaft rückzukoppeln, die anderen sagen einfach ihre persönliche Meinung – das muss man dann kennzeichnen. Wenn man als Gremium eine Meinung vertritt, muss man das rückkoppeln.

Hartmut Stäker: Das Problem ist: Es knallen in den Gremiensitzungen verschiedene Meinungen aufeinander. Da braucht man einen goldenen Kompromiss. Das ist auch eine Frage der Diskussionsführung: Man muss das Für und Wider sorgfältig abwägen.

Georg Hanke: Das setzt voraus, dass man überhaupt zusammensitzt, dass Lösungsvorschläge kommen. Aber es ist auch so: Die, die am lautesten schreien, werden am ehesten gehört, manchmal auch mit Vehemenz und Penetranz. Bei einem Videogespräch mit der Bildungsministerin gab es im Chat Äußerungen, die man womöglich persönlich so nicht sagen würde.

Hartmut Stäker: Die, die sich immer einbringen, werden gehört, die Leisen nicht. Man muss schauen, dass man die Probleme bespricht, von denen man weiß, dass sie alle bewegen. Dazu muss man Informationen aus anderen Gremien einholen.

Georg Hanke: Im Kreisschulbeirat kommen ja alle Gremien zusammen: Es gibt je acht mehr oder weniger dominante Vertreter von Eltern und Lehrern. Da muss man dann gezielt versuchen, die Schüler einzubeziehen, ohne sie vorzuführen. Ich möchte die Mitglieder motivieren, sich einzubringen.

Maryam Shamoon: Ich hatte den Wunsch, mich einzubringen – und habe daher die Kontakte entsprechend gesucht. Eine Umfrage des Kreisschülerrates im April hatte ergeben, dass es eine Flut an Stoff war, den man lernen musste, zu dem man in der Oberstufe ja auch Leistungen erbringen musste. Gleich nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht wurde man geprüft. Das haben wir im Kreisschulbeirat vermittelt – aber es gab keine Veränderung. Wenn der Distanzunterricht nochmal wiederkehrt, sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, gut für die Schüler zu entscheiden und sie nicht unter Druck zu setzen. Soziale Kontakte sind dabei sehr wichtig.

Wie erwerben die Gremienmitglieder das notwendige Wissen darüber, welche Ebenen wo ineinandergreifen und was man bewegen kann?

Georg Hanke: Am Anfang jeder Wahlperiode gibt es im Kreiselternrat einen Vortrag über Zuständigkeiten – welche Aufgaben haben Schulträger, Schulamt, Ministerium, das Landesinstitut, die Schulsozialarbeit? Wir haben festgestellt, dass die Leute in den Kreiselternrat kommen und denken, sie könnten alles gleich regeln. Ich habe eine juristische Ausbildung als Finanzbeamter und bin daher am Gesetz orientiert. Man muss also schauen, wer wofür zuständig ist. Manche Vorgänge entsprechen Gesetzen, die nicht mal vom Bildungsministerium gemacht werden. Jenseits der Rechtsordnung es ist schwierig, Dinge verändern zu wollen.

Hartmut Stäker: Im alten Landeslehrerrat haben wir jede Verordnung rechtzeitig reinbekommen und jeden Paragrafen besprochen. Jetzt bekommen wir es per Mail und schauen in kürzester Zeit, wo die Haken sind. Ich lehre am Oberstufenzentrum Recht – ich stelle mir also die Frage: Was wollte der Gesetzgeber mit dieser oder jener Verordnung regeln? Wenn man was ändern will, muss man das wissen. Für mich war es immer gut, dass ich von jeder Wiese ein paar Gräser kenne, also Wissen aus verschiedenen Gremien mitbringe.

Nicole Graser: Ich habe mir viele Informationen von den Mitstreitern im Landesvorstand geholt und mich da viel eingeklinkt. Es gibt auch diese Broschüre: Schüler und Eltern mit Wirkung. Aber dann kommt es auf kleine Feinheiten an: Wann führt wer welche Gespräche? Wie können wir das Ministerium in die richtige Richtung lenken, ohne uns zu überwerfen? Das erfordert viel Diplomatie und Menschenkenntnis. Man muss den richtigen Punkt finden und sich viel Fachwissen von überall heranholen. Ich habe mich auch viel auch mit Politik beschäftigt – das hätte ich nicht erwartet, dass das notwendig sein wird.

Maryam Shamoon: Schüler sind keine Politiker, sie äußern sich emotional, weil sie die Auswirkungen der Entscheidungen direkt mitbekommen. Ich versuche immer, mit dem Meinungsbild, das ich eingeholt habe, entsprechend abzustimmen und die Perspektive der Schüler einzubringen.

Was war der bisher wichtigste Erfolg Ihrer Arbeit?

Maryam Shamoon: Für mich war es schön, dass der Kreisschülerrat auch ohne Vorsitzenden zusammengefunden hat. Es war auch mein persönlicher Erfolg, die Meinung der Schüler vorzubringen und nicht klein bei zu geben.

Nicole Graser: Für den Landeselternrat kann ich sagen, dass das die sehr gute Kooperation mit der Lehrer-Gewerkschaft und dem Landesschulbeirat zum Thema Corona-Teststrategie war. Da hat man über alle Diskrepanzen hinweg einen gemeinsamen Weg gefunden, um gemeinsam vorzuschlagen, wie es zum Wohle der Kinder funktionieren soll. Das betraf also das Testen zu Hause und eine andere Testserie. Persönlich war mein größter Erfolg, so viele Menschen und so viele verschiedene Meinungen kennen zu lernen und dadurch das eigene Nachdenken zu überdenken. Es gibt immer mehr Blickwinkel – das ist bereichernd.

Hartmut Stäker: Ich kann den Erfolg nicht an einem Beispiel festmachen: Die Ergebnisse sind immer Kompromisse. Selten ist man zu 100 Prozent zufrieden. So war es beispielsweise beim neuen Schulgesetz, wo es darum ging, wie groß eine Schule sein muss. Da hieß es: grundsätzlich zweizügig. Ich hatte aber vorgerechnet: Wenn sich eine weiterführende Schule mit einer Grundschule verbindet, wäre auch die Einzügigkeit möglich. Im Ausschuss wurde das noch abgelehnt, dann war es aber plötzlich möglich.

Georg Hanke: Jenseits der Pandemie war das die neue Oberstufenverordnung. Sie wurde auf der Kreisebene viel diskutiert, das haben wir runter in die Schulen gegeben und dadurch vieles befriedet. Bei der Begleitung der Schulschließungen haben wir viele Wege in die Politik gesucht und dort um Ausnahmeregelungen geworben. Ein wichtiger Erfolg war auch der Erhalt der gymnasialen Oberstufe an der Blindenschule in Königs Wusterhausen. Es ist nun bundesweit die einzige Schule, an der man das Abitur ablegen kann.

Der größte Erfolg der Gremienarbeit überhaupt ist es, das Netzwerk weiterzuspinnen und Informationen weiterzugeben. Paralleles politisches Engagement ist für die Gremienarbeit ebenfalls von Vorteil. Hat man gute Beziehungen, kann man auch mal zum Telefonhörer greifen. Wir hatten regelmäßig die Staatssekretäre aus dem Bildungsministerium in unseren Gremien. Dabei war es mir natürlich trotzdem wichtig, nicht das Partei-Schild in die Gremien zu tragen.

Was wünschen Sie sich für das neue Schuljahr?

Hartmut Stäker: Ich hoffe, dass die Inzidenzen so niedrig bleiben, dass wir möglichst alle in Präsenz starten können. Aber das ist im Moment Glaskugellesen: Wie wird sich der Urlaub auswirken oder der Herbst, wenn noch nicht alle geimpft wurden? Wir wünschen uns natürlich, dass es so wird wie vorher. Aber die Herdenimmunität werden wir nicht erreichen, damit wird es weiterhin Eindämmungsmaßnahmen geben.

Georg Hanke: Das Problem ist nicht nur das Können, sondern das Wollen. Es gibt ein Pro und Contra zum Impfen. Diese Frage ist gerade für die Kinder schwierig zu entscheiden. Es wird nicht den Umfang an Impfungen geben wie bei den Erwachsenen. Das erzeugt Sorgen bei den Lehrern, aber Eltern sollten die Entscheidungshoheit behalten. Ich habe auch die Hoffnung, dass die Kinder in Präsenz starten können. Es hat sich gezeigt, dass Fernlehre nicht dasselbe ist wie Präsenzunterricht.

Nicole Graser: Das neue Schuljahr soll bitte entspannt vonstattengehen. Wir müssen den Kindern die Zeit geben, versäumte Dinge nachzuholen. Es muss Zeit und Ruhe geben im Umfeld Schule, damit die Kinder zu sich und zum Lernen zurückfinden können.

Maryam Shamoon: Wir dürfen den sozialen Aspekt nicht vergessen, um den Stoff nachzuholen. Es muss also Zeit bleiben für soziale Kontakte und nicht alles auf Stoffvermittlung gesetzt werden.

 


Lesen Sie dazu auch unseren Text über die Tücken, Herausforderungen und Erfolge im Homeschooling im Landkreis Dahme-Spreewald.

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Veröffentlichung

Di, 29. Juni 2021

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