Tonsee Klein KörisDie Dahme bei ZeuthenSchwartzkopffsiedlung WildauTropical IslandsHöllberghof Langengrassau. Foto: Karsten FloegelKaskadenwehr Märkisch BuchholzMarktplatz Lübben
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Im Land Der Sonne

Können Verwaltungsgrenzen Identität schaffen – oder zerstören? Diese Frage stellt jede Gebietsreform. Den Landkreis Dahme-Spreewald gibt es seit fast 30 Jahren, aber hat er auch eine eigene Identität entwickelt? Braucht er diese überhaupt?

 

Von Uwe Rada

 

Es schwang schon ein gewisser Stolz mit, als mir der Neffe meiner Frau eines Tages zu verstehen gab, was er am Landkreis Dahme-Spreewald mag. LDS, sagte er mir, das ist das „Land der Sonne“ und setzte gleich darauf zu einem kleinen Seitenhieb an: LOS, das ist dann das „Land ohne Sonne“.

 

Eine kleine Nickligkeit, dachte ich, wie es sie unter Nachbarn immer gibt. Doch dann fiel mir ein, dass die Abkürzungen brandenburgischer Landkreise nur selten eine positive Botschaft beinhalten. Sagt man sich nicht von OHV „Ohne Hirn und Verstand“? Und TF, das sind doch die „Tiefflieger“. „Hirn voll Luft“ soll es im Havelland vom Himmel regnen, und in Ostprignitz-Ruppin müssen die Alten dran glauben: „Opa parkt rückwärts“.

 

„Land der Sonne“ sticht da tatsächlich hervor. Warum haben die Marketingleute der Kreisverwaltung in Lübben noch keine Facebook-Kampagne gestartet? Damit ließe sich doch Aufmerksamkeit erzeugen. Das Land der Sonne als eine Zukunftsregion, immerhin hat es der Landkreis Dahme-Spreewald vor kurzem unter die ersten zehn der zukunftsträchtigsten Landkreise in Deutschland geschafft.

 

Eine Vermutung: Vielleicht gibt es deshalb keine Kampagne, weil man dann im zweiten Schritt erklären müsste, was das eigentlich ist, LDS. Was der Spreewald mit der Dahme zu tun hat und das berlinnahe Königs Wusterhausen mit dem entlegenen Luckau oder Lieberose. Im Land ohne Sonne, dem Landkreis Oder-Spree, haben das immerhin schon die Dichter beantwortet. Da gibt es das „Land zwischen Oder und Spree“, wie es bei Günter de Bruyn heißt. Und dann ist da natürlich die Tourismusregion Oder-Spree mit Sitz in Bad Saarow oder die Oder-Spree-Wasserstraße. Aber Dahme und Spreewald?

 

Kleine Verwaltungsgeschichte

 

Auf „Land der Sonne“ sind die Verwaltungsfachleute 1993 sicher noch nicht gekommen, als sie aus den Altkreisen Lübben, Königs Wusterhausen und Luckau den neuen Landkreis Dahme-Spreewald aus der Taufe hoben. „Ich war 1993 eigentlich dafür, einen Spreewaldkreis zu gründen“, erinnert sich Serge Lacombe, der seit ihrer Gründung bis zu seinem Ruhestand 2020 die Volkshochschule Dahme-Spreewald geleitet hat. „Das wäre ein starker Kreis mit einer starken regionalen Identität gewesen“, ist er sich sicher. „Aber das war politisch nicht gewollt. Man wollte berlinnahe Regionen und berlinferne in einem Kreis zusammenhaben.“

„Ich war 1993 eigentlich dafür, einen Spreewaldkreis zu gründen.

Das wäre ein starker Kreis mit einer starken regionalen Identität gewesen.“

Serge Lacombe

Leiter a.D. Volkshochschule Dahme-Spreewald

Man kann es auch anders sagen: Dem Land war ein finanziell überlebensfähiger Kreis mit Anbindung an Berlin lieber als ein stolzer, aber armer Spreewaldkreis. Deshalb gruppieren sich die meisten Brandenburger Landkreise wie Tortenstücke um die Metropole Berlin herum.

 

Heute ist der Spreewald auf drei Landkreise verteilt: Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße. Und der Landkreis-Dahme-Spreewald muss sich fragen, was ihn, außer dem politischen Willen damals, zusammenhält. Eine starke Identität ist es jedenfalls nicht, meint Serge Lacombe, der als Franzose auch den Blick von außen mitgebracht hat. „Ich habe mit der Volkshochschule ein Vierteljahrhundert damit verbracht, das Zusammengehörigkeitsgefühl im Landkreis zu befördern, erzählt er. „Dafür, dass der Landkreis aus sehr unterschiedlichen Regionen besteht, ist da auch eine Menge zusammengewachsen. Dennoch ist das noch sehr ausbaufähig.“ Ein Glück wenigstens, meint Lacombe, dass es nicht zu einer erneuten Kreisreform gekommen ist. Dann wäre LDS mit Teltow-Fläming fusioniert worden. Die Frage nach der Identität hätte dann wohl keiner mehr gestellt.

 

Lübben liegt im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet und wird nach und nach zweisprachig ausgeschildert. Foto: Dörthe Ziemer

 

Aber auch ohne neuerliche Kreisreform ist Dahme-Spreewald, auf niedersorbisch Wokrejs Dubja-Błota, bereits der viertgrößte Landkreis in Brandenburg. Geographisch reicht er von der Gemeinde Schönefeld am Berliner Stadtrand bis nach Luckau im Süden und Lieberose im Südosten. Knapp 171.000 Menschen leben hier auf einer Fläche von 2.274,48 Quadratkilometern. Auf seinem Gebiet verläuft nicht nur die ehemalige Grenze zwischen der bis 1815 zu Sachsen gehörenden Niederlausitz und der Mark Brandenburg, sondern auch die der ehemaligen DDR-Bezirke Cottbus und Potsdam. Auch eine Art Eingemeindung gab es. Die Stadt Lieberose entschied sich 1993 dafür, im Landkreis Dahme-Spreewald statt im Landkreis Oder-Spree unterzuschlüpfen. Man wollte nicht zu den Ärmeren gehören.

 

So mancher hat das inzwischen bereut. Von Beeskow losgesagt, von Lübben nicht ganz adoptiert, fühlen sich manche in Lieberose heute so sehr im Abseits, dass sich die ehrenamtliche Bürgermeisterin 2020 sogar bemüßigt fühlte, einen Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu schreiben. Warum nicht einen Radfernweg von Moskau nach Lieberose einrichten?, fragte sie. Es war kein Scherz, sondern bitterer Ernst, denn der Radwegebau in der Region stockte seit längerem. Immerhin soll Putin in den achtziger Jahren, als er in der DDR stationiert war, auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Lieberoser Heide gewesen sein.

 

Lokalpatriotismus oder regionales Bewusstsein?

 

Und anderswo? Wem fühlen sich die Menschen in Lübben zugehörig? Wem in Luckau und in Königs Wusterhausen?

 

Recherche bei der Pressestelle der Kreisverwaltung in Lübben. Seit 2015 ist es möglich, seinen PKW nicht nur auf das Kennzeichen LDS, sondern auch auf die der Altlandkreise Königs Wusterhausen, Lübben und Luckau zuzulassen. Frage: Inwieweit machen die PKW-Halterinnen und Halter in LDS von dieser Möglichkeit Gebrauch und beantragen die Kennzeichen KW, LN und LC? Gibt es da einen Trend? Begründung der Anfrage: Immerhin wäre das ja ein Hinweis darauf, ob sich die Menschen eher dem 1993 gebildeten Landkreis oder den drei Altkreisen verbunden fühlen.

 

Die Antwort: „Am 2. Juni 2015 wurden in Lübben und Königs Wusterhausen insgesamt 307 Kennzeichen ausgegeben. Darunter waren 116 Altkennzeichen, was einem Anteil von 38 Prozent entsprach. 70 Fahrzeuge wurden mit dem KW-, 35 Fahrzeuge mit dem LN- und 11 Fahrzeuge mit dem LC-Kennzeichen zugelassen.“ Darüber hinaus, so die Pressestelle weiter, „hatten 38 Fahrzeughalter ihre Fahrzeuge von LDS auf ein Altkennzeichen umkennzeichnen lassen, darunter 21 mal auf KW, 11 mal auf LN und 6 mal auf LC.“

 

Nach sechs Jahren, lautet die Bilanz, „hat sich herausgestellt, dass sich die Altkennzeichen neben dem LDS-Kennzeichen eingeordnet haben“. Allerdings habe das LDS-Kennzeichen immer noch einen höheren Stellenwert. „Auf die Altkennzeichen wird unter anderem auch dann zurückgegriffen, wenn eine bestimmte Kennzeichenkombination (z.B. die Initialen) bei LDS nicht mehr verfügbar ist.“ Ein Trend sei daher nicht erkennbar, eher eine „Etablierung der Alt-Kennzeichen neben dem Kennzeichen LDS“. Allerdings konnte die Pressestelle keine Vergleichsdaten für die Folgejahre in Erfahrung bringen.

Zum Vergleich: Im Landkreis Oder Spree tragen 143.288 Fahrzeuge das Kennzeichen LOS. Auf die Alkreise Fürstenwalde (FW), Eisenhüttenstadt (EH) und Beeskow (BSK) entfallen 17.125, 11.151 und 8.156 Fahrzeuge. Anders als in LDS beträgt der Anteil der Altkennzeichen lediglich 25,43 Prozent. Ist also die Verbundenheit mit dem Kreis im Vergleich zu den Altkreisen im „Land ohne Sonne“ höher als im „Land der Sonne“?

 

Leuchtturm oder kleine Pflänzchen?

 

Der Vergleich mit LOS ist nicht nur bei den Kennzeichen interessant, sondern auch bei der Kulturlandschaft im Kreis. Seit zwei Jahren entsteht auf der Burg Beeskow ein Museum-Oder-Spree. „Es ist nicht einfach, über den Landkreis Oder-Spree zu erzählen“, heißt es auf der Startseite des Museums „Während man Schöneiche – direkt am Stadtrand Berlins – noch unter der hauptstädtischen Vorwahl 030 erreicht, meldet sich das Mobiltelefon in Eisenhüttenstadt per SMS mit der Nachricht ‚Willkommen in Polen‘.“ Auch gebe es keine „verbindenden Traditionen“. „Gemeinsam sind der Gegend ihre Widersprüchlichkeit, ihre teils schroffen Kontraste, ihre Vielfalt.“

 

Gleichwohl hat sich der Landkreis entschieden, aus dem Stadtmuseum auf der Burg Beeskow ein Kreismuseum zu machen, in dem vom Alltag der Menschen und der „teils schroffen Kontraste“ die Rede ist. So entsteht tatsächlich eine vielschichtige, aber dennoch über die Teilgebiete hinausgehende Erzählung. Die Burg wirkt über Beeskow in den ganzen Landkreis hinein. Das gleiche gilt für das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt, das sich inzwischen ebenfalls in Trägerschaft des Landkreises befindet, und das Kunstarchiv Beeskow. Beide Einrichtungen sind inzwischen zum Museum Utopie und Alltag fusioniert.

 

Anruf bei Carsten Saß. Die Kulturlandschaft im Nachbarkreis kennt der Golßener. Als langjähriger Dezernent für Kultur und Soziales weiß er aber auch, warum LDS einen anderen Weg gegangen ist als OSL. „Mit der Kreisreform 1993 wurden auch die Museen aus den Altkreisen übernommen“, erinnert er. „Die waren damals kommunal und sind es bis heute geblieben.“ Zwar hätte es im politischen Raum ab und an Überlegungen gegeben, die Museen in Kreisträgerschaft zu übernehmen. „Aber das hätte auch bedeutet, dass man alle übernimmt, also die in Königs Wusterhausen, Lübben und Luckau.“

 

Kein Kreismuseum wollte der Landkreis also, sondern eine Stärkung der bestehenden Einrichtungen. „Für mich war die Frage der Ausstattung und der Qualität wichtiger als die Frage der Trägerschaft“, sagt Saß. Um die Museen stärker miteinander zu vernetzen, hat der Landkreis kürzlich eine neue Richtline zur Förderung von Stellen in der Museumspädagogik auf den Weg gebracht. „Unsere Philosophie war die Kulturförderung, also eher in die Breite zu gehen als einzelne Leichttürme zu fördern“, betont Saß, der nach seinem Ausscheiden 2020 heute als Impfbeauftragter des Landes Brandenburg arbeitet. „Wir wollten lieber viele kleine Pflänzchen als das eine Highlight. Das entspricht der Philosophie im Kulturentwicklungsplan von 2003.“

 

Wo kommt man her?

 

Ein Highlight aber hat sich LDS dennoch geleistet, räumt Saß ein. Es ist das Kunstfestival „Aquamediale“, das seit 2005 im Spreewald stattfindet. „Zunächst haben wir versucht, das Festival auch im Norden zu etablieren“, erinnert sich Saß, „aber das ist uns nicht gelungen.“

 

 

 

„Wie sehr die Aquamediale heute auf den Süden fixiert ist, zeigt das Büchlein…zeigt  das Büchlein „Heimat ist…“, das der Förderverein Aquamediale 2019 herausgegeben hat. 50 Spreewälderinnen und Spreewälder erzählen darin von der Verbundenheit mit ihrer Region. Auch der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge, kommt darin zu Wort. „Mit Lübben“, schreibt der gebürtige Görlitzer, „verbinde ich Heimatdüfte: den Geruch von sonnenwarmem, märkischen Sand oder frisch geteerten Spreewaldkähnen.“

 

Interessant ist auch, dass für diese Jahresgabe der Aquamediale nicht nur Spreewälder aus dem Landkreis Dahme Spreewald schreiben durften, sondern auch andere Spreewälder. Ein Beispiel dafür, dass die Zugehörigkeit zu einer historischen Kulturlandschaft administrative Grenzen scheinbar mühelos überwindet, ist auch die Dachmarke „Kunstraum Spreewald“, die von den drei Kommunen Lübben, Luckau und Lübbenau sowie den Landkreisen Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz getragen wird. Weniger mühelos dagegen überwinden administrative Landschaften wie die 1993 gebildeten 14 Landkreise in Brandenburg die Grenzen der auf ihrem Gebiet liegenden Kulturlandschaften.

„Die Identität ist eine Identität mit der Stadt oder dem Ort oder der Landschaft,

aus der man stammt. Dass es eine Identifizierung

mit einem Landkreis gibt, ist eher ungewöhnlich."

Carsten Saß

Kulturdezernent a.D.

Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein, gibt Carsten Saß zu bedenken: „Ich bin in Schwerin geboren und habe in Greifswald studiert. Ich würde vielleicht sagen, ich komme von der Seenplatte, aber nicht von Nordwestmecklenburg, wie der Landkreis heißt“, sagt er. „Auch in Brandenburg sagt keiner, ich bin Oberspreewald-Lausitzer. Man ist Spreewälder. Oder man sagt, ich komme aus KW.“

 

Vielleicht, meint Saß, ist die Frage nach der Identität am Ende nur schwer zu beantworten. „Die Identität ist eine Identität mit der Stadt oder dem Ort oder der Landschaft, aus der man stammt. Dass es eine Identifizierung mit einem Landkreis gibt, ist eher ungewöhnlich, es sei denn, er ist, wie der Barnim oder die Uckermark, identisch mit einer historischen Kulturlandschaft.“

Allerdings zeigt die Corona-Pandemie zuweilen recht schmerzvoll, dass administrative Grenzen manchmal doch unser Leben stärker bestimmen, als uns lieb ist: Ob der Tourismus im Spreewald starten darf, hängt nicht von der Inzidenz im Spreewald, sondern in den jeweiligen Landkreisen ab.

 

Lübben und die Luxusvariante

 

Dass den Lübbenern heute gegenüber den Lübbenauern gerne mal etwas Kesses über die Lippen kommt, mag auch damit zu tun haben, dass Lübbenau im Krieg nicht zerstört wurde. Lübben dagegen ist, obwohl Königs Wusterhausen doppelt so viele Bewohner hat, Kreisstadt geworden oder besser gesagt geblieben, denn auch nach der Übernahme der Niederlausitz durch Preußen 1815 und dem damit verbundenen Verlust der Hauptstadtfunktion für die Niederlausitz blieb Lübben der Verwaltungssitz des Lübbenschen oder Krumspreeischen Landkreises.

 

Das Lübbener Schloss beherbergt heute das Stadt- und Regionalmuseum. Foto: Dörthe Ziemer

 

Ein großer Stolz der 14.000 Einwohner zählenden Stadt ist das Schloss. Das Museum darin leitet Corinna Junker. „Natürlich würde ich gerne auch eine Ausstellung für ganz LDS machen“, sagt sie mit Blick auf den Nachbarkreis Oder-Spree. „Aber ich finde die Situation auch so, wie sie ist, gut.

 

„Wir sind als Museum Schluss Lübben ja gewissermaßen die Luxusvariante“, sagt Junker und lobt die Einrichtung der museumspädagogischen Stellen, , ausdrücklicht. „Wir selbst haben fünf Stellen und auch den Museumsservice. Damit können wir Wechselausstellungen machen und auch Publikationen.“

 

Auch das Museum Lübben hat also eine Ausstrahlung weit über die Stadt hinaus. Nur geht diese Ausstrahlung nicht, das hat Corinna Junker beobachtet, in den Norden. „Wir strahlen eher in den Süden aus, nach Sachsen, Sachsen-Anhalt, auch nach Polen.“

 

Ist es vielleicht so im „Land der Sonne“, dass der Süden für die Identität und die Kultur zuständig ist, und der Norden für das Geld?

 

Zukunft in der Lausitz

 

Mit dem Spreewald und der Lausitz haben sie in Königs Wusterhausen wenig zu tun. Wo der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zum Tabakskollegium ins Schloss lud, herrschte preußischer Geist. Lausitz, das waren die Sachsen, oder wie es an einem nachgebauten Grenzhäuschen zwischen der Niederlausitz und der Mark Brandenburg bei Müllrose schon 1646 hieß: „Die Stadt Müllrose, welche im Lebuser Kreis liegt, wird mit einem brandenburgischen Grenzschutz versehen. Die Pässe bei Müllrose und Schlaubehammer sollen täglich überwacht werden, damit nicht so viel Gesindel aus Sachsen in den Lebuser Kreis käme.“

 

Die vergleichsweise reiche Mark schottete sich gegen die arme Lausitz ab. Doch das könnte bald Geschichte sein, wenn die Milliardenhilfen für die Zeit nach dem Kohleausstieg in die Lausitz fließen. Vier dieser Milliarden bekommt das Land Brandenburg, und eine gehörige Summe wird dabei auch in den Landkreis Dahme-Spreewald fließen. Denn anders als das „Land ohne Sonne“ gehört das „Land der Sonne“ zur Förderkulisse der Wirtschaftsregion Lausitz. Nicht nur die Lausitzer Teile des Landkreises kommen damit in den Genuss von Fördermitteln, sondern auch die „preußischen“ Städte wie Königs Wusterhausen oder Teupitz. In Wildau wurde Ende März bereits das Zentrum für Künstliche Intelligenz eingeweiht. Hundert Menschen sollen in dieser Außenstelle des Robert-Koch-Instituts RKI einmal arbeiten. Der Aufbau des ZKI wird mit Geldern zur Förderung des Strukturwandels in der Lausitz finanziert.

 

Die Stadtkirche in Lieberose. Foto: Dörthe Ziemer

 

Auch Lieberose, das abgehängte Anhängsel, erhofft sich von den Strukturmitteln für die Lausitz einen neuen Entwicklungsschub. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz soll eine Internationale Naturausstellung entstehen und auf der Wüste, dort wo die Panzer einst die Landschaft umgegraben haben, soll eine neue Wildnis entstehen, der „Urwald von morgen“.

Sogar ein Radweg ist mit den Lausitzmitteln geplant. Dieser Heideradweg entsteht auf der 1995 stillgelegten Trasse der alten Stammbahn von Cottbus nach Frankfurt. Man braucht also gar keinen Putin, um im „Land der Sonne“ wieder den Anschluss zu finden.

 

Lesen Sie dazu auch einen Hintergrund zur Verwaltungsgeschichte in und um Lübben in dem Kapitel Der Nord-Süd-Konflikt aus dem Buch Siehdichum von Uwe Rada.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Fr, 28. Mai 2021

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