Sprung ins Kalte
Nach ihrem Einzug in den Bundestag hat Andrea Lübcke am Mittwoch ihr Kreistagsmandat niederlegt. Sie wolle den Platz freimachen für jemanden „mit viel Elan und Motivation vor Ort“, sagt die Physikerin aus Eichwalde. Den ersten Sprung ins kalte Wasser hat sie in Berlin bereits gewagt.
Interview von Dörthe Ziemer
Gemeindevertretung Eichwalde, Kreistag Dahme-Spreewald, Landesvorsitz und nun der Bundestag: Allem könne sie nicht gerecht werden, sagt Andrea Lübcke (Bündnis 90/Grüne) über ihre Entscheidung, das Kreistagsmandat niederzulegen. Damit ist auch die Position der/des Co-Fraktionsvorsitzenden vakant. Andrea Lübcke war 2019 in die Kommunalpolitik eingestiegen, wurde gleich 2019 Fraktionsvorsitzende in der Gemeindevertretung sowie 2023 und nach der Wahl 2024 erneut Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Seit diesem Jahr ist sie Landesvorsitzende ihrer Partei. Bei der Bundestagswahl stand sie auf Platz drei der Landesliste und zog nun nach für Annalena Baerbock, die zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt wurde. Ihre erste Rede hat sie bereits gehalten – „ein Sprung ins kalte Wasser“, wie sie im Interview verrät.
Andrea Lübcke hat in ihrer Zeit im Kreistag leidenschaftlich für grüne Themen, aber auch für Fragen der sozialen Gerechtigkeit, für Bildungsthemen und für Gleichstellung gestritten. Sie hat sich maßgeblich für das vbb-Freizeitticket für alle Schüler im Landkreis eingesetzt, das über den „Kniff“ des Zwei-Waben-Tickets seit vergangenem Jahr erworben werden kann. Sie stritt außerdem für eine Lösung bei der Frage der Schaffung von Schulplätzen, die nicht nur die Kommunen, sondern auch und gerade den Landkreis in die Pflicht nimmt. Bei der Diskussion über eine neue Hauptsatzung, die dem Landesgleichstellungsgesetz entspricht, argumentierte sie: „Gleichstellung hat nichts mit der Anerkennung des Faktischen zu tun, sondern mit der Sichtbarmachung von Potenzialen.” Nun werde sie diese und andere Themen im Bundestag beackern – und wolle dabei in der Region ansprechbar bleiben, sagt sie.
Sie sind seit kurzem Mitglied des Bundestages und haben Ihre erste Rede gehalten. Wie werden Sie sich später an diese Rede erinnern?
Also das war ein Sprung ins kalte Wasser und das war auch nicht ganz so geplant. Die Abgeordneten aus dem Ausschuss sind in einer Arbeitsgruppe organisiert und dort kam der Vorschlag, dass ich das machen sollte. Ich bin schon eine Freundin von Sprüngen ins kalte Wasser, das war in Ordnung. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt noch kein Team und war deswegen ein bisschen unruhig. Es ging um den Haushalt und das hat mich dann noch unruhiger gemacht. Ich habe mir Rat gesucht und gedacht: Ich muss ja nicht über den Haushalt reden, also nicht im Detail, sondern ich rede über die Punkte, die mir wichtig sind. Damit wollte ich mich ja auch im Bundestag vorstellen. Und das war okay. Ich hätte allerdings, glaube ich, einen Tag später die Rede ein bisschen anders gehalten.
Sie sind Nachrückerin für Annalena Baerbock, die frühere Bundesaußenministerin. In welche Fußstapfen treten Sie da und wie möchten Sie diese selber ausfüllen?
Ich möchte eigentlich gar nicht als die Nachfolgerin von Annalena Baerbock bezeichnet werden, weil man diese Fußstapfen gar nicht ausfüllen kann. Ich habe ein ganz anderes Profil und ich will mich auch nicht mit Annalena vergleichen. Da ist einfach eine Ära zu Ende gegangen und ich rutsche jetzt halt nach. Ich werde mein eigenes Profil finden.

Andrea Lübcke (r.) im Bundestagswahlkampf mit Fraktionschefin Britta Haßelmann
und Schulzendorfs Bürgermeister Markus Mücke. Foto: Dörthe Ziemer
Wir waren gerade schon bei Ihrer ersten Rede im Bundestag. Die drehte sich um die Bedeutung der Wissenschaft in Politik und Gesellschaft. Sie haben einen Bogen geschlagen von der Spitzenforschung, die ihre Berechtigung und Notwendigkeit hat, zu ganz bürgernahen Forschungsthemen im Alltag, die genauso wichtig sind. Das ist so eine zentrale Herausforderung unserer Zeit, auch in der Politik: den Bogen zu schlagen von den komplizierten Themen hin zum einfachen Verständnis von den Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht. Wie gelingt es Ihnen, als Wissenschaftlerin im Politik-Alltag komplizierte Themen verständlich zu vermitteln? Und wie viel Komplexität ist trotzdem notwendig?
Jemand hat mal gesagt: So komplex wie nötig und so einfach wie möglich. Also eine Sache ist dann gut erklärt, wenn man nichts mehr wegnehmen kann, damit es trotzdem noch richtig bleibt. Das war auch meine Kernaussage in der Rede: Die Bundesforschungsministerin setzt eher auf einzelne Schlüsseltechnologien, die sie in den Fokus stellt, weil die auch cool klingen: Mondmissionen, Fusionskraftwerke und Quanten. Aber wer kann eigentlich mit Quanten etwas anfangen, außer dass es cool klingt? Das verstehen die Menschen nicht mehr und das verstehen auch viele Wissenschaftler:innen nicht. Deshalb habe ich gesagt, dass man eher problemorientiert rangeht und die Menschen dort abholt, wo sie stehen, und die Herausforderungen löst, vor denen wir alle stehen. Dann, glaube ich, gelingt auch die Verbindung mit der Gesellschaft.
„Wenn wir jedes Mal nur in Paragrafen reden, dann mag da auch niemand mehr zuhören.“
Und das gilt dann quasi auch für den Politikalltag: zu schauen, dass man so viel Komplexität wie notwendig hat und so viel Einfachheit wie möglich?
Genau. Es gibt so viele Regeln und Gesetze und Vorgaben, an die sind wir natürlich gebunden. Aber wenn wir jedes Mal nur in Paragrafen reden, dann mag da auch niemand mehr zuhören.
Eine besondere Herausforderung, Themen einfach zu erklären, hat man ja auf Social Media. Dort sind Sie gerade in den letzten Monaten sehr aktiv geworden. Wen wollen Sie dort erreichen, wen erreichen Sie tatsächlich und welches Feedback bekommen Sie für Ihre Arbeit?
Ja, da bin ich noch voll im Entwicklungsprozess. Idealerweise möchte ich die Menschen hier vor Ort erreichen – die, die ähnliche Ziele haben, also den Erhalt unserer Lebensgrundlagen vor Ort, und die Interesse haben an Zukunftsthemen. Aber ich möchte natürlich auch Menschen erreichen, die vielleicht noch überzeugt werden müssen, dass das wichtige Themen sind. Es ist nicht einfach, diese Menschen auch tatsächlich zu erreichen. Da muss man ein bisschen experimentieren: Was sind Formate, die gut funktionieren, was sind Themen, die auch gut funktionieren, wann bekommt man Interaktion? Das ist ein Lernprozess, der sich weiterentwickelt.
„Diese Hürden, vor denen wir Frauen auch im Berufsalltag stehen, sind mir erst so richtig bewusst geworden, als ich in einem Team war, das von einer Frau geleitet wurde.“
Sie kommen als Frau in eine Bundestagsfraktion, die mit über 60 Prozent den meisten Anteil weiblicher Abgeordneter hat. Insgesamt ist der Anteil aber rückläufig, also es gibt ungefähr drei Prozentpunkte weniger Frauen im neuen Bundestag als zuvor. Und die Union als Regierungsfraktion hat nicht mal ein Viertel Frauen. Was ich immer wieder beobachte, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf Kreisebene, ist, dass gerade Frauen häufig Kompetenz entweder nicht zugetraut oder sogar öffentlich abgesprochen wird. Wie oft erfahren sie solche Situationen und wie gehen sie damit um? Warum ist es für Frauen so schwer, sich mit ihrer Kompetenz auch durchzusetzen?
Ich glaube, ich habe da ein ganz gutes Training, weil ich als Physikerin eigentlich von Anfang an in so eine Welt hineingewachsen bin. Diese Hürden, vor denen wir Frauen auch im Berufsalltag stehen, sind mir erst so richtig bewusst geworden, als ich in einem Team war, das von einer Frau geleitet wurde und in dem auch immer viele Frauen waren. Da war die Stimmung ganz anders, das ganze Klima war anders. Da habe ich gemerkt, wie wichtig Vorbilder sind. Und mir ist da erst bewusst geworden, in welcher Umgebung ich eigentlich bislang gearbeitet hatte. Also ich würde sagen, ich habe mir da ein dickes Fell antrainiert. Ich habe da so einen pragmatischen Zugang: Ich lasse das ein bisschen an mir abperlen und nehme das nicht persönlich. Ich spiegele das aber ein Stück weit meinem Gegenüber. Und in der Regel kapiert es mein Gegenüber ziemlich schnell, dass er das mit mir vielleicht nicht machen muss.

Andrea Lübcke in der Wahlkreisel-Runde zur Kreistagswahl 2024, hier in Zeuthen. Foto: Karen Ascher
Zu Ihren Themenschwerpunkten: Welche Themen wollen Sie im Bundestag bearbeiten und welche Verlinkungen gibt es da zu Ihrem hiesigen Wahlkreis 62 und auch zum Landkreis Dahme-Spreewald?
Also es sind natürlich zwei große Sachen. Das eine ist die inhaltliche Arbeit im Bundestag: Dort werden es die Themen Forschung, Technologie und Raumfahrt sein. Der zweite große Komplex ist ja, dass ich eine hier gewählte Vertreterin für die Brandenburger:innen vor Ort bin. Und das möchte ich überhaupt nicht auf ein Thema beschränken, sondern sehe mich hier als Ansprechperson für alle Menschen, die ein Anliegen an mich haben. Ich will mir da viel Offenheit bewahren.
Wo wird man Sie finden, wenn man eine Ansprechperson im Bundestag braucht?
Wir suchen im Moment nach eigenen Räumlichkeiten hier im Landkreis, erstmal in Königs Wusterhausen. Ich werde auch das Potsdamer Büro von Annalena Baerbock übernehmen. Ansonsten bin ich natürlich online, also per E-Mail und über Social Media jederzeit erreichbar und ansprechbar. Und ich will auch, damit habe ich bereits angefangen, offene Sprechstunden anbieten. Ich werde im Land unterwegs sein und dort ansprechbar sein. Vor allem, wenn etwas weniger Sitzungen stattfinden, so wie jetzt im Moment.
„Die Gründe, weshalb ich in die Politik gegangen bin, sind nach wie vor genauso präsent wie vor sieben, acht Jahren.“
Gleichwohl sind für grüne Politikerinnen und Politiker die Zeiten denkbar schlecht: Die grünen Themen sind in den vergangenen Monaten nicht nur zurückgedrängt worden, sondern sind in den Augen mancher geradezu in Verruf geraten. Wie geht es Ihnen damit, dass Sie sozusagen mit dem, wofür Sie stehen, weshalb Sie vielleicht auch Politikerin geworden sind, es jetzt schwerer haben als zuvor?
Das ist eigentlich ganz einfach: Die Probleme sind ja nicht gelöst. Die Gründe, weshalb ich in die Politik gegangen bin, sind nach wie vor genauso präsent wie vor sieben, acht Jahren. Ja, wir sind jetzt ein paar Schritte zurückgeworfen worden, aber das Ziel haben wir vor Augen: Wir wissen, was wir machen müssen, wenn wir diesen Planeten als guten Ort für unsere Kinder erhalten wollen. Das bleibt mein Anreiz und Antrieb. Und das ist zurzeit eben ein bisschen schwieriger umzusetzen.
Da gibt es ja auch immer wieder Debatten innerhalb der Fraktion, wie diese Aufgaben anzugehen sind…
Ja, die gibt es natürlich permanent auf allen Ebenen. Wir sind nicht naiv – wir sehen, dass wir momentan da nicht so richtig durchdringen. Wir machen Fehleranalysen und wir gucken uns genau an, wie es dazu gekommen ist und was man jetzt anders machen müsste: Wie muss man seine Sprache verändern? Haben wir die falschen Schwerpunkte gesetzt?
„Wenn jemand voller Hass ist, dann steckt da häufig Angst vor Veränderung dahinter, und man projiziert diese negativen Gefühle auf andere Personen.“
Die Themen sind das eine, das andere sind die Personen, denen ja auch Hass und teilweise sogar Gewalt entgegenschlägt. Wie begegnen Sie persönlich Menschen, die mit so viel Hass nicht nur gegen grüne Politiker, sondern gegen Politiker insgesamt unterwegs sind?
Gott sei Dank bin ich noch nicht persönlich Opfer von solchen Hassattacken geworden. Deswegen kann ich die Frage vielleicht nicht ganz so beantworten. Ich glaube, dass persönlicher Kontakt immer hilft. Eine Person, die man persönlich kennt, die kann man eigentlich gar nicht hassen. Hinzu kommt: Wenn jemand voller Hass ist, dann steckt da häufig Angst vor Veränderung dahinter, und man projiziert diese negativen Gefühle auf andere Personen. Aber wenn ich eine Person kenne, dann kann ich da gar nicht mehr so viel hineinprojizieren. Deswegen glaube ich, muss es das Ziel sein, dass man tatsächlich mit den Personen vor Ort im Kontakt ist. Auch die Grünen vor Ort müssen sichtbar sein und müssen mit den Menschen, die hier leben, in den Austausch treten können. Das ist natürlich keine schnelle Lösung, aber es ist der richtige Weg, um mittel- und langfristig wieder etwas zu drehen.
Wir haben gerade schon darüber gesprochen, dass die Grünen dafür bekannt sind, dass sie ihre Debatten gerne öffentlich führen, auch innerparteiliche Debatten. Andere Parteien halten sich viel bedeckter und demonstrieren Geschlossenheit nach außen. Was glauben Sie, was braucht unsere Gesellschaft derzeit: Offenheit und kultivierten Streit oder Demonstration von Geschlossenheit?
Ich glaube, man braucht kultivierten Streit, was aber nicht dazu führen sollte, dass man sich auf einer Bühne total demontiert. Man braucht einen Mittelweg. Wenn man einfach nur Geschlossenheit demonstriert, dann finden sich die unterschiedlichen Positionen gar nicht wieder. Denn auch innerhalb der Parteien ist es nicht so, dass man mit allen einer Meinung ist und das darf man durchaus auch zeigen.
„Auch innerhalb der Parteien ist es nicht so, dass man mit allen einer Meinung ist und das darf man durchaus auch zeigen.“
Mitglieder der Grünen sind ja eher urban und akademisch geprägt sind. Ihr früherer Fraktionskollege im Kreistag, Lothar Treder-Schmidt, der aus Luckau ist, hat immer wieder angemahnt, dass auch die grünen Themen so gesetzt werden müssen, dass sie im ländlichen Raum anschlussfähig sind. Das ist bei der letzten Kreistagswahl kaum gelungen. Wie wollen Sie künftig diesen Spagat schaffen zwischen urbanen und ländlich geprägten Räumen?
Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass wir als Grüne insbesondere auch Antworten für den ländlichen Raum haben. Aber unser Problem ist, dass wir unsere Mitglieder vor allem im urbanen Raum haben. Und damit sind wir im ländlichen Raum nicht so sichtbar. Wir müssen aber dorthin gehen und die Themen müssen auch von den Menschen vor Ort vertreten werden. Natürlich mit Unterstützung der Manpower aus dem urbanen Raum.
Ich erzähle diese Geschichte immer gerne: Moorschutz ja ein ganz wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Wenn ich nun in das Oderbruch gehe und dort etwas über Wiedervernässung von Mooren erzähle – wie kommt das dort an? Ich komme nicht von dort, sondern da kommt jetzt irgendeine Physikerin an und erzählt den Landwirten, die seit 200 Jahren dieses Land als Familienbetrieb bewirtschaften, wie sie es anders machen sollen. Das funktioniert so nicht. Es muss jemand aus dieser Community machen. Das ist nicht einfach, weil wir einfach viel zu wenige sind. Aber man muss gemeinsam einen Weg finden, der gut für alle ist, und nicht, dass da Parteifunktionäre den Menschen erklären, wie sie es besser machen sollen. Es ist ein Problem, dass wir uns zuletzt auf die Regionen konzentriert haben, wo wir einen hohen Wähleranteil hatten. Ja, das ist der urbane Raum, aber verlieren können wir die Wahlen vor allem auf dem Land.

Der neue Kreistag von 2024, hier während der Verpflichtungserklärung. Vorn die Fraktion SPD/Grüne/Linke/WfKW/BIS,
der Andrea Lübcke zusammen mit Thomas Irmer (6. & 7. v.l.) vorsaß. Foto: Dörthe Ziemer
Sie haben jetzt mehrere Wahlkämpfe bestritten: Kommunalwahl, Landtagswahl, Bundestagswahl. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht, von denen Sie sagen: Die können Sie jetzt im politischen Alltag gut umsetzen?
Was ich immer sehr an den Wahlkämpfen geschätzt habe, ist, dass man wirklich mit den Menschen ins Gespräch kommt, an den Infoständen, wenn man einfach mal hört, was sind denn jetzt die Sorgen der Leute, was treibt die um? Das war natürlich auch nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, aber wenn man mit den Menschen wirklich ganz konkret sprechen kann, sieht man ja auch: Wir sind in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander. Selbst wenn es Wähler der AfD waren, habe ich mit ihnen zum Teil sehr, sehr gute Gespräche geführt. Das gibt mir dann auch Mut, weil ich sehe: Okay, es ist nicht alles verloren. Was immer sehr hilfreich ist: wenn man sieht, dass die politischen Mitbewerber zum Teil sehr nette Menschen sind. Mit denen kann man gut reden und auf diese Weise eben auch gut Kompromisse schließen.
„Wir haben sehr viele motivierte, kommunalpolitisch aktive Leute hier vor Ort. Es wäre Verschwendung von Ressourcen, wenn ich sage, ich behalte das Kreistagsmandat.“
Sie sind Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzende, werden Sie Ihr Mandat behalten?
Nein. Ich habe mir einiges vorgenommen, sowohl als Landesvorsitzende von Bündnis ‘90/Grüne – das Amt gebe ich zum November wieder ab, als auch als Bundestagsabgeordnete. Und ich hatte mir auch vieles vorgenommen als kommunale Mandatsträgerin. Aber es ist völlig klar, dass man allem nicht gerecht werden kann. Wir haben hier in Brandenburg die Herausforderung, dass wir nur zwei grüne Bundestagsabgeordnete sind. Das heißt, wir haben ein riesiges Bundesland mit ganz wenigen Menschen zu bespielen. Wir haben zugleich sehr viele motivierte, kommunalpolitisch aktive Leute hier vor Ort. Es wäre Verschwendung von Ressourcen, wenn ich sage, ich behalte das Kreistagsmandat. Deswegen werde ich das abgeben, so dass es jemand anderes mit viel Elan und Motivation hier vor Ort ausfüllen kann. Und ich bin ja nicht weg.
Sie haben eine vergleichsweise kurze, steile Karriere bis zum Bundestag hingelegt. Wie fühlt es sich an, in diesem Haus zu arbeiten? Und glauben Sie, dass so politischer Erfolg die Menschen im Allgemeinen verändert? Und im Besonderen: Wie wollen Sie die Bodenhaftung behalten?
Also erstmal, glaube ich, verändern wir uns ja immer. Das, was um uns herum passiert, verändert uns. Das Bundestagsmandat ist ein riesiger Schritt und ich bin da auch sehr demütig. Aber das wird einen natürlich verändern – die Frage ist, in welcher Form. Mein Anspruch ist, dass ich die Bodenhaftung behalte. Das gelingt am ehesten, indem ich wirklich im Kontakt mit den Menschen vor Ort bleibe und mich vergewissere, dass ich hier für die Menschen und von den Menschen gewählt bin. Die haben Erwartungen, und damit ich diesen Erwartungen gerecht werden kann, muss ich mit ihnen in den Austausch gehen.
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