Marktplatz LübbenKaskadenwehr Märkisch BuchholzTonsee Klein KörisSchwartzkopffsiedlung WildauDie Dahme bei ZeuthenTropical IslandsHöllberghof Langengrassau. Foto: Karsten Floegel
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Hat die Lausitzer Kultur jetzt einen Plan?

Der Kulturplan Lausitz steht! Kulturschaffende aus Dahme-Spreewald haben an der Entwicklung mitgewirkt und blicken nun mit gemischten Gefühlen auf das umfangreiche Papier, aber auch den Prozess dahinter.

Von Ingrid Hoberg

Nach drei Lausitz-weiten Umfragen, 30 Veranstaltungen, 200 Interviews und rund 80 Stunden Austausch in Gesprächen und Diskussionen mit mehr als 350 Akteurinnen und Akteuren in den Kommunen in der Lausitz und in Kultureinrichtungen liegt der Kulturplan Lausitz „Wir gestalten Kultur“ vor. Es handelt sich um ein Projekt im Auftrag des Brandenburger Kulturministeriums mit dem Sächsischen Pendant – gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BMK). Auf der Website www.kulturplan-lausitz.de kann nicht nur das Papier, das 73 Seiten umfasst, eingesehen, sondern auch der Entstehungs- und Entwicklungsprozess nachvollzogen werden.

Europaweit hatte das Brandenburger Kulturministerium Anfang 2020 die Erstellung eines Kulturplans für die Lausitz ausgeschrieben – bis Ende dieses Jahres sollte ein visionäres und belastbares Konzept mit konkreten Handlungsempfehlungen, priorisierten Schlüsselprojekten und einer Empfehlung für eine Organisationsstruktur für ein einheitliches Kulturmanagement in der Lausitz vorliegen. Nun, im November 2021, liegt der Kulturplan vor. Er wurde Anfang November in einer großen Abschlussveranstaltung im Staatstheater Cottbus öffentlich präsentiert.

Die Podiumsdiskussion wurde von Projektleiterin Martina Taubenberger (3.v.r.) geleitet. Es nahmen teilt: Lars Scharnholz (Geschäftsführer INIK/l.), Staatsministerin Barbara Klepsch (SMWK/2.v.l.), Uwe Koch (MWFK/3.v.l.) sowie Staatssekretär Tobias Dünow (MWFK/2.v.r.) und Joachim Mühle (Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien/r.)

Die Podiumsdiskussion wurde von Projektleiterin Martina Taubenberger (3.v.r.) geleitet. Es nahmen teilt: Lars Scharnholz (Geschäftsführer INIK/l.), Staatsministerin Barbara Klepsch (SMWK/2.v.l.), Uwe Koch (MWFK/3.v.l.) sowie Staatssekretär Tobias Dünow (MWFK/2.v.r.) und Joachim Mühle (Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien/r.)

 

Bereits im Herbst 2019 war bei Workshops beispielsweise in der Energiefabrik Knappenrode (Hoyerswerda/Sachsen) die Kulturstrategie Lausitz 2025 entwickelt worden. Mit dabei war Maja Jentsch, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Luckau 2000 GmbH (Laga). Seit dem Jahr 2020 hat das Laga-Team die Planung, Organisation und Durchführung kultureller Veranstaltungen der Stadt Luckau übernommen. Workshops und Arbeitsgruppen waren eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Das sieht auch Maja Jentsch so: „Es hat sich ein Netzwerk gebildet mit Leuten, die ich vorher nicht kannte.“ Dazu gehören Ralf Gion Fröhlich und die Lübbener Künstlerin Karen Ascher vom Verein Halbe.Welt. „Ich habe schnell gemerkt, dass wir mit Ralf Fröhlich in die gleiche Richtung denken“, sagt Maja Jentsch. „Bei der Präsentation des Kulturplans in Cottbushaben wir einiges davon wiederentdeckt, was wir schon für unsere Arbeit formuliert hatten.“ Die Umsetzung der Kulturplan-Ideen ist nun Sache der Akteure vor Ort. Und dabei können die neu gebildeten Netzwerke eine entscheidende Hilfe sein.

„Bei der Präsentation des Kulturplans in Cottbus haben wir einiges davon wiederentdeckt, was wir schon für unsere Arbeit formuliert hatten.“
Maja Jentsch, Laga Luckau GmbH

Dass dann die weitere Arbeit Pandemie-bedingt in Online-Arbeitsgruppen stattfand, ist für Maja Jentsch nicht von Nachteil gewesen. Das sei effektiver gewesen, als nochmals lange Anreisen zu AG-Beratungen auf sich zu nehmen. Die Laga-Geschäftsführerin hat Erfahrungen in der digitalen Kommunikation aus ihrer vorhergegangen Tätigkeit mitgebracht. Auch Ralf Gion Fröhlich vom Verein Halbe.Welt, der mit der Esperanto-Stacio Halbe eine internationalen Begegnungsstätte aufbaut, sieht die Vernetzung von Akteuren als positives Ergebnis der Arbeit am Kulturplan Lausitz. „Das Ergebnis ist unter schwierigen Bedingungen zustande gekommen“, sagt er. Mit Online-Tools umzugehen, musste sich in der Breite erst durchsetzen. „Der Informationsaustausch funktionierte gut, das kreative Arbeiten, das Entwickeln von Ideen ist in Gruppen von 30 bis 40 Leuten offline nicht schwierig, online schon“, stellt er fest.

Die Singer-Songwriterin Lena Hauptmann war der musikalische Höhepunkt der Abschlusspräsentation des Kulturplans Lausitz. Foto: Ingrid Hoberg

Die Singer-Songwriterin Lena Hauptmann war der musikalische Höhepunkt der Abschlusspräsentation des Kulturplans Lausitz. Foto: Ingrid Hoberg

 

Für die Abschlusspräsentation im Staatstheater Cottbus hätte sich Ralf Fröhlich allerdings mehr Hinweise gewünscht, wie es zukünftig weitergeht. „Mancher im Publikum war wohl recht ratlos“, hatte er beim Austausch nach der Präsentation beobachtet. Er sieht im Ergebnis des umfangreichen Diskussionsprozesses keinen wirklichen Schub, eher ein „Weiter so wie bisher“ bei den politisch Handelnden. Bei der Podiumsdiskussion auf der Bühne hätte er sich gewünscht, dass nicht nur Vertreter von Ministerien zu Wort kommen, die den Schulterschluss zwischen Brandenburg und Sachsen beschworen, bei Absichtserklärungen blieben und in Erfahrungen von vor 30 Jahren schwelgten. Für eine Kultur des Wandels unter dem Motto „Heimat im Wandel“ sprach sich Uwe Koch, Brandenburgs Kulturbeauftragter für die Lausitz, auch bei der Präsentation des Kulturplans Lausitz aus. Wandel müsse als etwas Positives gesehen werden, betonte er. Dem gab es nichts zu widersprechen.

„Die Hauptfrage ist doch: Wie können wir Modellregion werden“, sagt Ralf Fröhlich. Mit dem Kulturdreieck Dahme-Spreewald, das als Kultureller Ankerpunkt im ländlichen Raum gefördert wird, ist da schon ein Anfang gemacht: Drei Partner, nämlich die Laga GmbH, der Verein Halbe.Welt und der Förderverein Lieberose, wollen gemeinsam die Kultur- und Netzwerkarbeit im Landkreis stärken. Während der Luckauer Kulturkonferenz am 10. November in der Kulturkirche wurde das Kulturdreieck vorgestellt und andere Vereine, Interessengemeinschaften, Kulturschaffende und Künstler ermuntert, in dem Netzwerk zusammenzuarbeiten. Für die Netzwerkarbeit stehen drei Jahre lang 150.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, informiert Laga-Geschäftsführerin Maja Jentsch. „Im ersten Jahr soll das Netzwerk aufgebaut werden, dafür wird auch Personal eingestellt“, sagt sie. Davon erhofft sich insbesondere auch Lieberose eine Unterstützung. „Wir sind ja ein kleiner Partner im Kulturdreieck. Die Zusammenarbeit fordert uns heraus“, sagt Dieter Klaue, Vorsitzender des Fördervereins Lieberose. Ende November werde es in Lieberose eine Informationsrunde zur Netzwerkarbeit geben. „Wir hoffen, von den Erfahrungen zu profitieren“, ergänzt er.

Bürgermeister Gerald Lehmann bei der Kulturkonferenz in Luckau. Foto: Ingrid Hoberg

Bei der Kulturkonferenz in Luckau - rechts Bürgermeister Gerald Lehmann.      Fotos: Ingrid Hoberg

Ralf Fröhlich von der Esperanto Stacio in Halbe stellte seine Ideen für das Kulturdreieck Dahme-Spreewald vor.

Ralf Fröhlich von der Esperanto Stacio in Halbe stellte Ideen für das Kulturdreieck vor.

 

Es sei wichtig, den „Fuß in der Brandenburger Förderpolitik zu haben“, betont Maja Jentsch und ermuntert die Teilnehmer der Kulturkonferenz, sich über die Aktivitäten des Kulturdreiecks zu informieren und sich einzubringen. „Die Förderung ist da, das Netzwerk lädt zur Zusammenarbeit ein, das ist der erste Schritt“, unterstreicht Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann als Erwiderung auf Einwände, warum die Kulturakteure der Stadt nicht von Anfang an mitgenommen worden seien.

Annegret Gehrmann, Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz hörte bei der Kulturkonferenz und der Vorstellung des Netzwerks genau zu. Das Bearbeiten von Förderanträgen sei sehr aufwändig. Da erhofft sie sich Unterstützung. Den Kulturplan Lausitz sieht sie kritisch. „Das ist kein Papier für die Basis. Vieles ist aufwändig formuliert“, stellt sie für ihre Arbeit fest. Sie habe in der Erarbeitungsphase einen Fragebogen ausfüllen sollen, in dem Kulturplan spiele die Baukultur nun aber gar keine Rolle mehr. „Wir leben in einer Kirchenbaulandschaft, das sind unsere Highlights!“, betont sie und verweist darauf:  „60 Kirchen sind inzwischen Mitglied in unserem Förderkreis.“

 

INFO

Der Kulturplan Lausitz war als Projekt von der Potenzialanalyse bis zur langfristigen Strategie mit konkreten Projekten und Machbarkeitsstudien für die Kultur in der Lausitz ausgeschrieben worden – finanziert aus dem „Sofortprogramm“ des Bundes im Rahmen der Maßnahmen zur Strukturstärkung der vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in Deutschland. Den Zuschlag in der europaweiten Ausschreibung hatten die actori GmbH und Kulturkonzepte Dr. Martina Taubenberger erhalten.

Mitwirkende des Kulturplans aus dem Landkreis Dahme-Spreewald:

Atelier Franzka+Ascher, Bauernmuseum Schlepzig, Cartoonmuseum Brandenburg, Dokumentationsstelle Lager Jamlitz bei der Evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und Land, Esperanto-Stacio, Evangelische Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Mittenwalde, Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz e.V., Förderverein aquamediale e.V., Gemischter Chor Königs Wusterhausen e.V., Haus des Waldes Gräbendorf, Heimatfreunde Zeuthen e.V., Heinz Sielmann Stiftung, Kantatenchor Zeuthen e.V, Kultur und Begegnungsstätte „Butze", Kulturverein Halbe.Welt, Kulturverein Neu am See e.V., Landesgartenschau Luckau, Löschzug Mittenwalde-Mark e.V., Männergesangverein Bestensee 1923 e.V., Märkischer Lamahof, Museum Schloss Lübben, Niederlausitz-Museum Luckau, Perlenbutze Hilke Häusler, Sängerkreis Königs Wusterhausen, Sender- und Funktechnikmuseum, Seniorenkultur, SG Mittenwalde Spielmannszug 1926 e. V., Stadtbibliothek Lübben, Stadtmuseum & Heimatverein Mittenwalde, TheaterLoge Luckau e.V., Tourismus, Kultur und Stadtmarketing Lübben (Spreewald) GmbH, Verein der Freunde des Rohkunstbau e.V., Waldbühne Gehren

Statement vom Landkreis Dahme-Spreewald zum Kulturplan Lausitz:

Der Kulturplan Lausitz war ein langer und arbeitsintensiver, länderübergreifender Prozess, der auf der Kulturstrategie 2025 aufsetzt. Beteiligt waren neben Vertretern der Kreisverwaltung auch Vertreter aus dem Landkreis Dahme-Spreewald.

Der Kulturplan Lausitz sieht verschiedene Maßnahmenschwerpunkte vor. Die einzelnen Vertreter erarbeiteten in einer Vielzahl von Workshops die Grundlage dafür. Es ist u.a. geplant Lausitz- und spartenübergreifend den angestoßenen Prozess zu vernetzen, zu kommunizieren und weiterzuentwickeln.

Neben dem soll die Besonderheiten der Lausitz gestärkt werden. Einen großen Part spielt hier die sorbische/wendische Verknüpfung in der gesamten Lausitz.

Wie der Landkreis Maßnahmen aus dem Plan umsetzen kann, muss verwaltungsintern geprüft werden. Mit der Verabschiedung des Kulturplans startet eine schrittweise Beratung in der Verwaltung, in den Fachausschüssen.

Regionale kulturelle Ankerpunkte

  • Die acht regionalen kulturellen Ankerpunkte des Landes Brandenburg erhalten bis Ende 2024 jeweils jährlich 100.000 bis 150.000 Euro, teilt das Kulturministerium mit.
  • Die Förderung ist auf einen Zeitraum von zunächst drei Jahren angelegt. Das Land übernimmt 80 Prozent der Projektkosten. Die Kofinanzierung von 20 Prozent kann von der kommunalen Seite, aber auch von Dritten erbracht werden.
  • Bedingung für die Bewerbung waren ein qualifiziertes Konzept und eine positive Stellungnahme des zuständigen Landkreises.
  • Die kulturellen Ankerpunkte sollen aus den Regionen heraus entwickelt und von dort getragen werden. Sie sollen über das klassische Verständnis von Kultureinrichtungen hinausgehen und insbesondere ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Akteure in die Angebote einbinden.
  • Vorgaben für inhaltliche Schwerpunktsetzungen, Formate, Programme oder Aktivitäten wurden dabei nicht gemacht. Eine externe Fachjury hat die Anträge bewertet und Förderempfehlungen ausgesprochen.
  • Auch in den Landkreis Dahme-Spreewald, in das Projekt Kulturdreieck Dahme-Spreewald, fließen Mittel aus der Förderrichtline Regionale kulturelle Ankerpunkte.
  • Die Landesgartenschau Luckau 2000 GmbH, der Verein Halbe.Welt und der Förderverein Lieberose haben es konzipiert und sich damit erfolgreich um Fördermittel beworben. Alle drei sind in der Kulturarbeit etabliert und wirken mit ihren Angeboten über lokale Grenzen hinaus. Sie wirken bei der Gestaltung der Region mit.

 

Hinweis zur Transparenz: Die Herausgeberin des Wokreisel ist als Vorsitzende des Vereins Halbe.Welt in das Projekt Kulturdreieck Dahme-Spreewald involivert. Sie hat das Thema – Kulturplan Lausitz – für diesen Text angeregt und ihn technisch auf die Website gestellt.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 22. November 2021

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