Weniger Geld, aber neue Ideen

Die Kulturtöpfe leeren sich – bedeutet dies das Aus für die Kultur? Mitnichten, denn weniger Geld an der einen Stelle bedeutet neue Ideen und Perspektiven, sagen zwei Kulturmacher der Region auf die Frage des Monats Mai. 

 

Von Dörthe Ziemer

 

Kulturförderung ist eine freiwillige Aufgabe der Kommunen, wie auch Sport- oder die Sorbenförderung, und bei diesen wird in Zeiten knapper Kassen zuerst gespart. So will der Landkreis Dahme-Spreewald im Zuge des Haushaltssicherungskonzepts die Fördersummen um bis zu 20 Prozent in den kommenden Jahren kürzen. Die Stadt Lübben hat ihren erst vor wenigen Jahren aufgelegten Kulturfördertopf einstweilen geschlossen. Gleichwohl betonen Kommunalpolitikerinnen und Entscheidungsträger, dass es gerade diese freiwilligen Aufgaben sind, die die Gesellschaft zusammenhalten und das Ehrenamt stärken. 

 

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Wo etwas wegbricht, tut sich Neues auf – darin stimmen Queenie Nopper und Wolfram Korr überein, mit je eigenen Perspektiven. Queenie Nopper koordiniert am Gleis 3 die Netzwerkarbeit, ist Ansprechpartnerin für Kulturschaffende, Vereine und Engagierte. Das soziokulturelle Zentrum verdankt seine langjährige Existenz unter anderem Mitteln aus dem Stadtumbau, aber auch vieler engagierter Menschen im Haupt- und Ehrenamt. Wolfram Korr ist in einem Bereich unterwegs, den manche als Hochkultur bezeichnen: Die Brandenburgischen Sommerkonzerte bringen seit über 30 Jahre hochkarätige, vor allem, aber nicht nur klassische Musik in die Brandenburger Städte und Gemeinden.

 

„Wir sind weiter auf einem positiven Weg unterwegs“, sagt Queenie Nopper. Die Kulturangebote, die gewollt seien, würden auch gelingen, ist sie überzeugt. „Es ist ja nicht so, dass von heute auf morgen Millionen weg sind. Es werden Töpfe geschlossen oder Mittel gedeckelt“, ergänzt Wolfram Korr. Wer nicht institutionell, also durch Stellenstreichungen betroffen sei, suche sich weiter seine Töpfe. Und da sei die Tendenz, dass das Geld künftig weniger von Staat und Kommunen fließe, sondern mehr durch Bürger, private Institutionen und Unternehmen. „Wenn es weniger Zuwendungen gibt, entwickelt sich eine neue Energie - auf eine andere Art und Weise“, ist Queenie Nopper überzeugt. „Potenziale werden geweckt, es bewährt sich eine andere Personengruppe mit neuen Ideen. Wenn das wächst, dann ist das von allein passiert und nicht künstlich gefüttert.“

 

Das gelte auch für Dorfgemeinschaften, die ihre Feste organisieren und dabei stark geblieben sind, findet Queenie Nopper. So wie in Lübben-Steinkirchen, führt Wolfram Korr als Beispiel an. „Die machen ihr Ding, die kommen kaum auf die Idee sich eine Förderung zu holen“, sagt er, verbunden mit einer gewissen Kritik an der Förderstruktur: „Man kam nicht auf die Idee, Dorffeste zu fördern, sondern lieber ein repräsentatives Event.“ Im Zuge des Strukturwandels gibt es in der Lausitz zurzeit weitere Mittel, etwa aus dem Teilhabefonds, aus dem Kultur im Land gefördert werden kann. Fördertechnisch gehört der gesamte Landkreis Dahme-Spreewald dazu.

 

Um Ehrenamtler und Kulturschaffende zu unterstützten, gibt es am Gleis 3 in Lübbenau zwei hauptamtliche Koordinatoren, die dabei unterstützen, Förderanträge zu stellen, Verwaltungsdinge auf den Weg zu bringen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Solche Anker zu fördern hält auch Wolfram Korr für sinnvoll und blickt dabei auf seinen Wohnort Lübben, wo sich Strukturen im Zuge des Aus‘ für die städtische Tourismusgesellschaft TKS erst neu finden müssten. 

 

Warum sich Wolfram Korr ein kommunales Großevent in Lübben á la Shakira an der Copacabana und wünscht und warum Queenie Nopper mehr Vernetzung zwischen den Spreewald-Städten anstrebt, darüber sprechen sie im Podcast – und über Tricks und Kniffe in der Kulturarbeit, über funktionierende und gewünschte Strukturen und über die Pläne für diesen Sommer.

 

„Frage des Monats“

Wokreisel stellt regelmäßig zwei Experten eine „Frage des Monats“ zu einem kontrovers diskutierten Thema. Dabei geht es allerdings nicht um Kontroverse, sondern um konstruktive, vielgestaltige Perspektiven auf ein Thema. 

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Veröffentlichung

Mi, 20. Mai 2026

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